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Nach Regen und Sturm : „Maisernte zieht sich in die Länge“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Für Landwirte und Ernte-Helfer steckt die diesjährige Maisernte voller Hindernisse: Wegen des aufgeweichten Bodens fahren sich Traktoren samt Ernteanhänge immer wieder auf den Feldern fest. Und auch die durch den Sturm „Xavier“ umgeknickten Pflanzen erschweren die Arbeit. „Die Ernte zieht sich jetzt in die Länge“, sagt der Lutzhorner Landwirt Mathias Kröger.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2017 | 18:00 Uhr

Lutzhorn/Barmstedt | Karsten Wohlert hat genug gesehen. „Ne, komm... Feierabend“, sagt der 27-Jährige und setzt mit seinem modernen Maishäcksler zurück. Der Erntevorsatz klappt langsam zusammen und Wohlert steuert die 600 PS starke Maschine in Richtung Straße. Einige Reihen Mais müssen auf dem Feld zwischen Barmstedt und Lutzhorn stehen bleiben. Grund dafür ist der weiche Untergrund, der den Landwirten dieses Jahr bei der Ernte stark zu schaffen macht, wie Hofbesitzer Mathias Kröger aus Lutzhorn berichtet. Und auch mit dem Mais gibt es ein Problem.

Etwa die Hälfte des Maises seines Betriebs sei mittlerweile geerntet, berichtete Kröger am Donnerstagnachmittag. Den Job übernimmt das Lohnunternehmen Uwe Wulf aus Wulfsmoor im Kreis Steinburg. Karsten Wohlert ist einer der Häcksler-Fahrer. „Es geht“, sagt er über den Untergrund des Felds an der Lutzhorner Landstraße, das er am Donnerstag aberntete. Einige Ecken fahre er aber dennoch nicht an. „Wenn meine Maschine schon damit beginnt, Spuren im Feld zu ziehen, dann muss man mit den Traktoren samt Anhängern gar nicht mehr reinfahren“, sagt Wohlert. Der tonnenschwere Häcksler komme noch verhältnismäßig gut mit dem Boden klar. Dafür würden Reifenregeldruckanlage und Allrad-Antrieb sorgen. Anders sehe es bei den Traktoren samt Hängern aus, auf die der gehäckselte Mais geladen wird. „Die kommen schwer durch.“ Daher stünde immer ein weiterer Traktor bereit, um festgefahrene Fahrzeuge wieder zu befreien.

Es dauert nicht lange, da zeigt sich das Problem. Beim nächsten Feld an der Lutzhorner Landstraße kommt der begleitende Traktor nur etwa 50 Meter weit und bleibt dann stecken. Wohlert muss abbrechen und auf den nächsten Wagen warten. „Normalerweise schaffen wir drei bis vier Hektar pro Stunde“, sagt er. „Jetzt liegen wir bei eineinhalb bis zweieinhalb.“

Die Felder seien bei dem guten Wetter der vergangenen Tage zwar getrocknet, sagt Landwirt Kröger. „Aber die Tage werden immer kürzer. Und 80 Millimeter Niederschlag verschwinden nicht sofort. Die Ernte zieht sich jetzt in die Länge.“ In den vergangenen Tagen habe man kritische Flächen abgeerntet, die eben gerade befahren werden konnten. Überall in der Region seien die Landwirte von der Problematik betroffen, wobei die Situation aufgrund der sandigeren Böden in Lutzhorn ein wenig besser wäre. „Je schwerer der Boden, desto länger trocknet er“, sagt Kröger.

Ein weiteres Problem für die Ernteteams zeigt Kröger auf einem Feld an der Stahfast in Lutzhorn. „Der Mais liegt kreuz und quer im Feld“, sagt er und deutet auf die abgeknickten Pflanzen. Schuld daran sei unter anderem Sturm „Xavier“ Anfang Oktober gewesen. „Diese Pflanzen sind schwer zu ernten“, so Kröger. Den Widrigkeiten zum Trotz: Er erwarte eine gute, aber keine herausragende Ernte, da der Mais in den vergangenen Monaten durch den vielen Niederschlag gut gewachsen sei.

Auch für Wohlert, der aus Kronsmoor kommt, seit zehn Jahren beim Lohnunternehmer arbeitet und seit sieben Jahren Häcksler fährt, bedeuten die liegenden Pflanzen neben dem aufgeweichten Boden Probleme. Das Gebiss des Häckslers hänge fest und stoppe, stellenweise müsste quer zur Koppel angefahren werden. „Das kostet viel Zeit und Energie. Und auch die Messer werden schneller stumpf“, erzählt Wohlert. Dieses Jahr sei die Ernte durch die äußeren Umstände „nervig und anstrengend“.

Auch gestern waren die Ernte-Teams trotz Regen wieder am Werk, wie Kröger mitteilte. „Wir können nicht aufhören. Wir haben ein Silo angefangen.“ Und das müsse gefüllt werden. Geerntet werde nun in den trockeneren Ecken. „Das geht noch“, so Kröger. Etwa vier bis fünf Tage dauere es noch, bis die ganze Ernte eingebracht sei, schätzt er.

Parallel zu den Erntern sind auch die Jäger im Einsatz. „Während der Maisernte bietet sich für uns Jäger die Gelegenheit, die Tiere, die durch das Dröhnen der Maschine aufgescheucht werden, zu erlegen“, erläutert Carsten Brandemann von der Jagdgemeinschaft Lutzhorn. „In diesem Jahr haben wir bereits fünf Tiere erlegen können, allerdings nicht direkt während der Wache an den Feldrändern, sondern vom Ansitz aus“, ergänzt Jäger Jörg-Uwe Bünting. In der Woche seien es nur verhältnismäßig wenig Jäger, die Wachdienst leisteten, am Wochenende naturgemäß mehr.

Die Wildschäden, die das Schwarzwild in diesem Jahr verursacht hat, halten sich, wie beide Jäger berichten, in ihrem Revier in Grenzen. Wie es in den Maisfeldern aussehe, die man aufgrund der Nässe bisher kaum betreten habe, stelle sich jetzt heraus, so Brandemann.

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