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Rettungshunde im Einsatz : Lutzhorner Spezialisten auf vier Pfoten

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Gemeinsam mit Rettungshündin „Laurie“ arbeitet Cornelia Böge für das DRK Hamburg-Altona. Das Duo war unter anderem bei der Suche nach dem Barmstedter Dieter K. im Einsatz - und nach der Explosion in Itzehoe.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 06:00 Uhr

barmstedt | Der 10. März in Itzehoe: Gegen 9 Uhr explodiert in der Kreisstadt ein Mehrfamilienhaus. Vier Menschen sterben bei dem Unglück, überall in der Straße liegen Schutt und Splitter. In den Trümmern suchen Rettungskräfte nach Überlebenden. Mit dabei sind auch die Lutzhornerin Cornelia Böge (46) und ihre Rettungshündin „Laurie“ vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Hamburg-Altona. „Laurie“ – ein sechs Jahre alter Border-Collie-Australian-Shepherd-Mix – ist speziell darauf trainiert, in Trümmern oder weitläufigen Gebieten verschollene Menschen zu finden „Wir machen das alles ehrenamtlich“, sagt Böge. „Bei Wind und Wetter sind wir im Einsatz, wenn wir von der Polizei gerufen werden.“

In Itzehoe gingen die Retter an ihre Grenzen: „Ich habe es so etwas noch nie gesehen“, berichtet die 46- Jährige. „Ich war erschüttert. Man musste davon ausgehen, dass wir an diesem Tag Leichen sehen.“ Auch für „Laurie“ sei der Einsatz überaus stressig und gefährlich gewesen. „Es herrscht viel Lärm; die Hündin spürt den Stress der Helfer“, so die 46-Jährige. Zudem hätten die Tiere aufgrund der vielen Menschen überall Witterung aufgenommen.

Da „Laurie“ so klein und wendig ist, wurde Böge gefragt, ob sie die Hündin trotz Einsturzgefahr auch in ein Kellerloch schicken könne. „Da kann es passieren, dass sie dort nie wieder rauskommt und man ohne Hund wieder nach Hause kommt.“ Doch „Laurie“ meisterte auch diese Herausforderung mit Bravour. „Es war toll zu sehen, wie so viele Menschen Hand in Hand arbeiten“, sagt Böge.

Vor sechs Jahren hat „Laurie“ ihren Eignungstest für Rettungshunde absolviert. Nach der jahrelangen Ausbildung war sie 2009 zum ersten Mal bei einer Flächensuche im Einsatz, ein halbes Jahr später folgte die erste Trümmersuche. Mindestens einmal in der Woche wird trainiert. „Wenn der Hund sagt, da ist niemand, dann darf da auch niemand mehr sein“, so Böge. Daher sei es wichtig, dass die Halter ihren Hund „lesen“ können. Die Entscheidung, „Laurie“ zum Rettungshund ausbilden zu lassen, stand für die Lutzhornerin schnell fest: „Laurie will arbeiten“, sagt die 46-Jährige. Und auch sie möchte anderen Menschen helfen. „Wenn wir gerufen werden und es möglich ist, wird alles stehen und liegen gelassen“, sagt sie. „Dafür arbeiten und trainieren wir.“

Mit dem eineinhalb Jahre alten „Abayomi“, ein reiner Border Collie, bildet Böge mittlerweile den nächsten Rettungshund aus. Mit zehn Wochen sei der Rüde bereits zur Staffel gekommen. Das bedeutet aber nicht, dass „Laurie“ kurzfristig ihren Job an den Nagel hängen wird. Durchschnittlich würden die Hunde bis acht bis zehn Jahre ihren „Job“ ausüben. Die Professionalität der Tiere sei beeindruckend: „Wenn sie ihre Kenndecken bekommen, schalten sie um. Komme was wolle, die Tiere arbeiten dann und lassen sich von nichts stören.“

Als am 6. Februar der Barmstedter Dieter K. verschwand, suchten „Laurie“ und Cornelia Böge gemeinsam im Rantzauer Forst nach dem Rentner. „Bei einer Flächensuche läuft Laurie frei Gelände umher“, so Böge. „Wenn sie menschliche Witterung aufgenommen hat, soll sie mir das anzeigen.“ Ein Mensch, der in Not geraten sei, rieche ganz anders als ein vorbeilaufender Jogger. Entdeckt die Hündin eine Spur, gehen Rute und Nase hoch, und sie rast los. „Laurie“ überprüft ihr Ziel dabei immer auch optisch – um so festzustellen, ob es sich bei Spur um eine in Not geratene Person oder eben doch nur um einen Jogger handelt. Im Fall des vermissten Seniors blieb die Suche ergebnislos.

In einem anderen Fall fand „Laurie“ nach langer Suche eine Person, die Suizid begangen hatte. „Das gehört dazu“, sagt Böge. Trotzdem seien diese Einsätze ein Erfolg: „Besser wir finden die Leiche, als dass Kinder es tun. Außerdem wissen die Angehörigen dann, was passiert ist.“ Ihr Ehrenamt bezeichnet Böge als „Hobby mit Sinn“: „Man muss zu 100 Prozent da hinter stehen. Es gibt immer wieder tolle Momente, aber auch welche, in denen man tief Luft holen muss.“

25 Einsätze im Jahr
17 Mitglieder und zwischen 22 und 24 Hunde gehören der Rettungshundestaffel des DRK Hamburg-Altona an. Im Schnitt haben Cornelia Böge und „Laurie“ etwa 25 Einsätze pro Jahr, vielfach suchen sie  nach demenzkranken Personen, die aus Seniorenheimen verschwunden sind. Die Einsatzorte liegen meist im Hamburger Raum. Die Einsätze der Staffel sind kostenlos. Bei einer Vermisstensuche können Angehörige die Polizei bitten, die Rettungshunde des DRK in den Einsatz einzubeziehen.
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