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Barmstedter Zeitung

23. Oktober 2017 | 01:24 Uhr

Barmstedt : Lufteinsatz bei der Schwan-Suche

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Stadt Barmstedt lässt Krückau abfliegen. Redaktionsmitarbeiter sitzt mit im Gyrokopter. Tier weiter verschwunden.

Barmstedt | „Wir starten jetzt zur Operation Schwan“, kündigt Axel Schröder der Flugleitung an. In der Antwort des Lotsen ist sogar durch den Kopfhörer das Grinsen noch wahrnehmbar, als er die Startfreigabe erteilt. Auf dem kleinen Flugplatz „Hungriger Wolf“ bei Itzehoe hat sich Schröders Auftrag schon herumgesprochen. Der Tragschrauber rollt auf die Startbahn, der kleine Motor im Heck heult auf, das Gefährt setzt sich in Bewegung und hebt ab. In 800 Fuß Höhe, das sind rund 240 Meter, geht es die 25 Kilometer Luftlinie vom Hungrigen Wolf nach Barmstedt. Die Mission: einen vermissten Schwan aufspüren.

„Es war eine Chance“, meint Barmstedts Bürgermeisterin Heike Döpke zwei Stunden später. Sie fragt per Telefon nach, ob die Suche aus der Luft Erfolg hatte. Hatte sie nicht, der Schwan bleibt verschwunden. „Wir können uns absolut nicht erklären, wo der abgeblieben ist“, rätselt sie.

Barmstedt hat zwei Schwäne auf dem Rantzauer See, sie sollen dort die Gänse vertreiben. Sie waren vor wenigen Wochen schon mal vermisst, tauchten dann aber wieder auf. Jetzt schwimmt nur noch einer auf dem See, dabei sind Schwäne keine Einzelgänger. Was ist mit dem anderen? Auch eine Suche per Kanu brachte kein Ergebnis.

Mit einem Tragschrauber kann der Pilot sehr langsam und niedrig fliegen, gute Voraussetzungen für die Schwanensuche. (Foto: Roolfs)
Mit einem Tragschrauber kann der Pilot sehr langsam und niedrig fliegen, gute Voraussetzungen für die Schwanensuche. (Foto: Roolfs)
 

Über den Barmstedter Horst Doering kam der Kontakt zu Tragschrauber-Pilot Axel Schröder zustande; Doering arbeitet auf dem Gelände des Flugplatzes Hungriger Wolf. Suchaufträge hatte der schon öfter, aber nach einem Schwan hat er noch nie gefahndet. Sein erster Weg führt ihn zum Rantzauer See: Aus 250 Metern Höhe ist der verbliebene Schwan deutlich zu erkennen, also sollte sich der andere auch finden lassen, sofern er irgendwo auf der Krückau schwimmt. Flussauf darf Schröder von Barmstedt aus nicht weit mit seinem Tragschrauber, da beginnt der Hamburger Luftraum. Flussabwärts geht es dann über Elmshorn bis zur Krückaumündung, eine wunderschöne Tour bei herrlichstem Fliegerwetter.

Für einen Laien sieht so ein Tragschrauber oder Gyrokopter aus, als hätte jemand zwei Gartenstühle in ein Gehäuse gesetzt und einen Rotor drauf und einen dahinter. Schröder erklärt vor dem Abheben das Prinzip: Der Fahrtwind bringt den oberen Rotor ins Drehen, der sorgt für den Auftrieb. Der Heckpropeller, angetrieben von einem 100-PS-Motor, sorgt für den Schub. Bei Gegenwind kann er mit dem Gefährt auf der Stelle stehen bleiben, er kann es auf der Stelle um 360 Grad drehen und sehr niedrig fliegen. Über offenem Gelände muss er mindestens eine Reiseflughöhe von 150 Metern einhalten, über Städten 300 Meter.

Wer Hinweise zum Aufenthalt des vermissten Barmstedter Schwans geben kann, möge sich an den städtischen Bauhof wenden unter Tel. 04123-9390222 oder an die Redaktion der Barmstedter Zeitung, Tel. 04101-5356190.

Schröders Hinweis, dem Gleichgewichtssinn erstmal fünf Minuten zum Eingewöhnen zu gönnen, erweist sich als sinnvoll. Um den Gartenstuhl herum ist schlichtweg nichts, 200 Meter drunter Wiesen und Maisfelder, das kleine Gefährt pöttert über die Landschaft. Windböen führen lediglich dazu, dass der Rotor sich schneller dreht und der Tragschrauber ein Stück aufsteigt. Aber Physik ist das eine, Gefühl das andere; vor allem, wenn es nicht einmal einen Griff zum Festhalten gibt. Zwischendurch empfiehlt sich ein Blick in Richtung Horizont, um die eigenen Wahrnehmungssysteme wieder auszurichten.

Da waren sie noch zu zweit – jetzt ist einer der beiden Schwäne vom Rantzauer See verschwunden. (Foto: Schönstedt)
Da waren sie noch zu zweit – jetzt ist einer der beiden Schwäne vom Rantzauer See verschwunden. (Foto: Schönstedt)
 

Zur Belohnung gibt es wunderschöne Anblicke. Die Krückau glitzert im Nachmittagslicht, Barmstedt und Elmshorn sehen aus wie zu groß geratene Modellbahnstädte. Man hat einerseits einen unglaublichen Weitblick und kann andererseits viele Details am Boden erkennen. „Ist das ein Schwan?“, fragt Schröder ein Stück hinter Elmshorn: Ein weißer Fleck ist auf einer Wiese direkt am Fluss zu erkennen. Er dreht eine Runde, aus anderer Perspektive kommen zwei weitere weiße Flecken dazu, die sich unter eine Weide ducken: Schafe, kein Schwan. Im Rantzauer Forst ist die Krückau beim ersten Überfliegen kaum auszumachen, auf dem Rückweg hat Schröder den Flusslauf gut im Blick: kein Schwan.

Er dreht ab für den Heimweg. Dabei fliegt er einen Bogen über die Lägerdorfer Kalkgruben – „die muss man von oben gesehen haben“ – und dreht vor dem Landen noch ein paar flotte Runden in doppelter Baumwipfelhöhe. Er legt den Tragschrauber in die Kurven, lässt ihn über Knicks hüpfen und jubelt: „Das ist das wahre Fliegen.“

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