Karin Weißenbacher im Porträt : Leben ohne Kunst ist nicht möglich

Ihre Wahrnehmung der Welt geht oft über das Alltägliche hinaus: Künstlerin Karin Weißenbacher.
Ihre Wahrnehmung der Welt geht oft über das Alltägliche hinaus: Künstlerin Karin Weißenbacher.

Kunst ist für Karin Weißenbacher eine Lebenseinstellung – und der Versuch, Kommunikation herzustellen.

shz.de von
22. Juli 2018, 16:00 Uhr

Barmstedt | Die in Barmstedt lebende und arbeitende Malerin und Bildhauerin Karin Weißenbacher (49), Tochter einer Brasilianerin und eines Deutschen, entwickelte sich im reichen Spannungsfeld dieser sehr unterschiedlichen Kultureinflüsse: Sie beeinflussten ihr Werk nachhaltig. Zu besichtigen ist es in der Galerie III am Rantzauer See sowie im öffentlichen Raum.

Die Künstlerin arbeitet nach intensiven Arbeitsstudien und Projektbegleitungen bei und mit unterschiedlichen Künstlern in Südamerika (Brasilien) und Deutschland seit 1994 hauptberuflich. Spezialisiert hat sie sich auf die keramische Plastik, Bronzen und die Öl-Lasurmalerei auf Holzgrundlage. Weißenbacher malt auf Holzplatten unterschiedlicher Baumarten. Sie erfindet ihre Motive auf der gewachsenen Holzstruktur und bezieht die Maserung organisch-transparent und gestalterisch in ihre Bilder ein, so das durch Freilegungen der pastosen und dickschichtigen Farbpartien immer wieder auch Blicke auf die darunterliegende Struktur möglich sind. Ihre farbenprächtigen Bildwerke haben breitgefächerte Themen: Motivistisch zeigt Weißenbacher immer wieder den weiblichen Akt, großformatige Tierdarstellungen und ornamentale Welten. „Farbe, Struktur, Ausdruck, Haltung und die Spannung, die ein Bild zum Betrachter aufzubauen vermag: Das ist für mich die Stimmung, das Herz eines Bildes, und immer wieder auch eine magische Erfahrung – wie ein Fenster in eine andere Welt“, sagt Weißenbacher.

Mit Granit und Stahl arbeitet sie erfolgreich an „Kunst-am-Bau-Projekten“ im öffentlichen Raum. So gestaltete sie an der Barmstedter Grund- und Gemeinschaftsschule ein etwa vier Meter hohes Monument aus schwedischem Vanga-Granit, Findlingen und großen Stahlobjekten, das menschliche Hände thematisiert. Es trägt den Titel „Hand in Hand – Das grüne Klassenzimmer“ und dient den Schülern nicht nur als Kunstwerk, sondern auch als bespielbare Platzgestaltung. Das Werk wurde im März diesen Jahres feierlich von der Bürgermeisterin Heike Döpke eingeweiht. Ein weiteres hochaktuelles Kunstwerk Weißenbachers, aus hohen Granitsteinen und Stahlobjekten, wurde Ende Juni am Schäferhof Appen eingeweiht: Es zeigt mehrere abstrahierte Stahlschafe auf jeweils drei hohen Sockeln, eingefasst in weiteren Granitsteinen.

„Es ist eine wunderbare Aufgabe ein bildhauerisches Werk, eine Figur, einen Platz für den Außenbereich zu schaffen und dies mit Natursteinen und Pflanzen zu kombinieren. Es zentriert den Ort und schafft einen Neuen gestalterischen Punkt, der nicht nur repräsentativ ist, sondern auch aktiv von den Menschen genutzt und bespielt werden kann", so Karin Weißenbacher.

Kunst ist für sie eine Lebenseinstellung beziehungsweise geistige Einstellung – und der Versuch, Kommunikation herzustellen. Ein Leben ohne Kunst ist für sie nicht vorstellbar. In der Galerie Atelier III auf der Schlossinsel in Barmstedt hat sie Weißenbacher ihre Künstlerwerkstatt und gibt dort auch bildhauerischen Unterricht. Mit überregionalen und internationalen Kunstausstellungen im historischen Gerichtsschreiberhaus auf der Barmstedter Schlossinsel setzt Weißenbacher ebenfalls nachhaltige Impulse in der Kulturlandschaft des Kreises Pinneberg.

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