Entertainerin in Barmstedt : Launiger Bar-Abend mit Tine Wittler in der Kulturschusterei

Mit ihrem Programm „Lokalrunde – Tresenlieder schlückchenweise“ kam Tine Wittler in Barmstedt gut an.
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Mit ihrem Programm „Lokalrunde – Tresenlieder schlückchenweise“ kam Tine Wittler in Barmstedt gut an.

Tresenlieder und Anekdoten: 120 Zuschauer sehen Auftritt der Entertainerin.

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09. Februar 2018, 13:00 Uhr

Barmstedt | Amüsanter Abend mit Tine Wittler am Marmortresen ihrer Kulturbar „Parallelwelt“ in Barmstedt: Etwa 120 Besucher waren am Samstagabend in die Kulturschusterei gekommen und haben das Chansonprogramm der Künstlerin, Schauspielerin, Chansonnière, Autorin und Filmemacherin genossen. Wittler ist als Veranstalterin sowie als Expertin für lebensnahe Wohnkonzepte und Design-Ideen (RTL) bekannt geworden. Der Titel ihres Programms: „Lokalrunde – Tresenlieder schlückchenweise“.

Ihre erste launige Ansprache an das Publikum fand ein lebhaftes Echo, so dass Wittler feststellte: „Hier ist Stimmung in der Hütte.“ Von einem melancholisch-liebevollen Ton getragen war das erste Lied, das sie anstimmte: „Parallelwelt“, eine Hommage an die kleine Bar um die Ecke. „Bei Tag, da ist sie unscheinbar, ist nicht romantisch, ist nicht schön. Doch wenn die Sonne sinkt, dann schlägt ihre große Stunde. Kleine Bar, oh treue Seele…“

Es gibt Tage für eine Wirtin, an denen absolut gar nichts klappt: Besser, man wäre nicht aufgestanden. Davon handelte der nächste Song, der auf heitere Art und Weise auflistet, was alles schief gehen kann: Das Bier ist aus, der Müll muss raus, der Kellner kommt nicht und die Kaffeekanne hat eine Panne. Das ist wirklich ein bisschen viel. Eine Bar ist immer auch eine Flirtbörse. Wenn ein Lied zu diesem Thema mit der Aussage endet, „dass ihre einstige große Liebe in ihrem Nachttischfach wartet“, gibt dies Anlass zu Spekulationen: Was ist damit gemeint? Die Künstlerin versuchte dem Publikum auf die Sprünge zu helfen: „Ein Buch? Ein Bild des Geliebten? Oder etwas anderes?“

Für die Wirtin Tine Wittler ist die Frühlings- und Sommerzeit einfach geschäftsschädigend: „Dann kommt niemand, alle sitzen draußen.“ Mit Grausen sehe sie das Frühjahr heraufziehen: „Jetzt geht es wieder los. Die Vögel…bäh!“ Sie legt dem „gelben Ding am Himmel oben“, von ihr auch „gelbe Sau“ tituliert, nahe, sich vom Acker zu machen: „Verfotz’ Dich doch.“ Eine bestimmte Sorte Gäste ließe sich nur im Lokal sehen, wenn es etwas umsonst gebe, so Wittler weiter. Diese nahm die Künstlerin in ihrem Song „Schmarotzertango“ aufs Korn. Nicht angenehmer sind sicherlich die Gäste, die an allem etwas zu mäkeln haben. Diese besang die Westfalin ebenfalls.

Die Künstlerin bot ihrem Publikum in der Kulturschusterei Unterhaltung vom Feinsten. Mit ihren heiteren, melancholischen und bisweilen auch provokanten, aber niemals verletzenden Liedern zog sie das Publikum auf ihre Seite, das insbesondere auch für die leisen Töne empfänglich war, die in ihrem Programm überwogen.

Die Künstlerin und Autorin Tine Wittler aus Rahden wurde Anfang der 2000er bekannt. Die verkaufte Gesamtauflage ihrer Romane, Ratgeber, Sach- und Hörbücher beträgt bis heute weit über eine halbe Million Exemplare. Mit ihrer Sendung „Einsatz in vier Wänden“ (2003-2013) erhielt sie den Deutschen Fernsehpreis und inspirierte zehn Jahre lang eine ganze Nation in Sachen „Home Design“.

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