Straßensanierung in Barmstedt : „Lasst uns in Ruhe mit den Beiträgen“

Etwa 70 Anlieger und interessierte Bürger der Stadt waren zum Ortstermin gekommen, um Politikern Fragen zu stellen und ihre Position zu verdeutlichen.
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Etwa 70 Anlieger und interessierte Bürger der Stadt waren zum Ortstermin gekommen, um Politikern Fragen zu stellen und ihre Position zu verdeutlichen.

Die Kampstraßen-Anlieger sprechen sich vehement gegen Erneuerung der Straßenoberfläche aus und betonen die Vorteile der Pflastersteine in ihrer Straße.

shz.de von
15. April 2018, 18:00 Uhr

Barmstedt | Der Ton in Sachen Erneuerung der Kampstraße in Barmstedt wird hitziger. Die Ortsbegehung am Donnerstagabend haben zahlreiche Anwohner und interessierte Bürger genutzt, um anwesenden Politikern vor Ort Fragen stellen zu können und ihre Meinung zu vertreten. Denn die Straße soll voraussichtlich im kommenden Jahr saniert werden (wir berichteten). Der AZV Südholstein will die Regenwasserkanäle erneuern. Gleichzeitig sollen auch die Leitungen für Strom, Gas und Wasser von den Stadtwerken Barmstedt ausgetauscht werden. Beide Maßnahmen werden von den Unternehmen finanziert. An der Kostenaufteilung für eine neue Straßenoberfläche müssten sich nach jetzigem Stand aber die Anlieger beteiligen. Dagegen und gegen die Erneuerung des Straßenbelags gibt es Protest. Er fällt in eine Zeit, in der Barmstedt über das Für und Wider einer Abschaffung der Ausbaubeiträge diskutiert.

In einer Sache herrschte größtenteils Einigkeit unter den Anliegern der Kampstraße: „Es geht hier lediglich um die Erneuerung von Sielleitungen. Keiner der Anwohner möchte eine neue Straße haben“, fasste einer von ihnen die Stimmungslage zusammen und erntete Applaus. Es sei die Baustelle des AZV Südholstein sowie der Stadtwerke Barmstedt und nicht die derer, die in der Kampstraße leben. „Wir wollen nur, dass die längst überfälligen Reparaturen gemacht werden. Mehr nicht“, betonte eine Anwohnerin.

Laut Bürgervorsteher Christian Kahns (FWB) sei der Unterboden der Straße marode, weshalb die Maßnahme notwendig sei. „Allerdings bin ich kein Fachmann. Ich kann nur das wiedergeben, was die Verwaltung uns gesagt hat“, erklärte er den teils aufgebrachten Anwohnern. Die sehen das anders. Reinhard Siegmeier lebt seit vielen Jahren in der Kampstraße und „die Straße hat sich in den Jahrzehnten nicht groß verändert und ist auch nicht abgesackt.“ Er sei überzeugt, wenn sich ein Geologe den Unterbau der Straße anschaue, würde dieser feststellen, dass der noch vollkommen in Ordnung sei.

„Die Frage, die wir uns stellen müssen ist, was Barmstedt als Stadt eigentlich ausmacht? Es sind doch gerade solche historischen Straßen, die die Stadt prägen und nicht so eine x-beliebige Betonstraße“, sagte Siegmeier im Gespräch mit unserer Zeitung. Während der Ortsbegehung sagte er zu den Politikern: „Es wird für die Kirche und die Schlossinsel Geld ausgegeben und das ist vollkommen in Ordnung. Doch hier gibt es die Altstadtstruktur. Hier spielt die Musik“, betonte er.

Die Pflastersteine haben für viele Einwohner gleich mehrere Vorteile. Zum einen stimmten einige Siegmeier zu, dass es eine historische Straße sei. „Außerdem ist die Straße dadurch verkehrsberuhigt. Wenn Sie hier eine Betonstraße hinsetzen, wird sie zu einer Durchgangsstraße“, vermutete eine Anwohnerin.

Auch die Frage, was nach einer möglichen Abschaffung der Straßenausbaubeiträge passieren würde, beschäftigte die Anwohner. Bereits während des Hauptausschusses wurde festgestellt, dass bei einem Verzicht auf die Beitragspflicht der Stadt jährlich 500 000 Euro weniger zur Verfügung stünden (wir berichteten mehrfach). „Können wir das nicht an anderer Stelle ausgleichen?“, fragten gleich mehrere Anwohner die Politiker. Auch eine Umverteilung auf alle Barmstedter für künftige Straßenerneuerungen in der Stadt wurde vorgeschlagen.

Eine Antwort darauf gab es nicht. So einfach sei die Angelegenheit nicht, waren sich die anwesenden Politiker einig. Dazu zählten außer Kahns auch Hans-Christian Hansen (SPD), Hauke Schmidt (CDU), Peter Gottschalk (FWB) sowie Helmut Welk und Klaus Kuberzig (beide BALL). Alle Parteien seien sich zwar grundsätzlich einig, dass die Straßenausbaubeiträge abgeschafft werden sollen. Doch die Frage, wie die bereits jetzt finanzschwache Stadt dann mit dem erheblichen Einnahmenverlust umgehen kann, sei weiterhin ungeklärt. Wie berichtet, wurde während der Sitzung des Hauptausschusses empfohlen, das Thema in die nächste Legislaturperiode zu verschieben.

Zum Ende der Veranstaltung in der Kampstraße appellierte Siegmeier erneut an die Politik: „Wir wollen, dass die Leitungen in der Straße funktionieren. Aber lasst uns in Ruhe mit den Beiträgen.“

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