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Barmstedter Zeitung

22. Oktober 2017 | 17:36 Uhr

Heede : Landwirte sitzen immer mehr im Büro

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Tiere anmelden, Arbeitszeiten dokumentieren, Pflanzenschutz protokollieren: Bürokratischer Aufwand nimmt zu.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2015 | 10:00 Uhr

Heede | „Früher hatten wir drei Ordner in einem Schrankfach“, sagt Landwirt Werner Kruse aus Heede. Langsam stellen er und seine Frau Silke immer mehr Akten auf den Tisch, bis die gesamte Platte voll ist. „Heute haben wir ein ganzes Büro.“ Dokumentieren, nachweisen, protokollieren – der bürokratische Aufwand für Landwirte wächst immer weiter an, kritisiert der Kreisbauernverband Pinneberg. „Jede neue Regelung, jedes neues Gesetz führt dazu, dass wir wiederum Aufwand betreiben müssen“, sagt Geschäftsführer Peer Jensen-Nissen.

Gemeinsam mit seiner Frau führt Werner Kruse einen Hof an der Hemdinger Chaussee in Heede. „Wir sind ein sehr vielseitiger Betrieb“, sagt Kruse. Unter anderem baut er Raps, Winter-Roggen, Mais und Braugerste an, außerdem hat er 130 Milchkühe, die täglich gemolken werden. Auch im Stall gibt es noch ein extra Büro. So vielfältig der Hof ist, so groß sei auch der bürokratische Aufwand. „Man muss heutzutage viel Lust auf die Landwirtschaft haben“, so Kruse.

Die Bürokratie im Stall gehe schon bei der Geburt eines Kalbes los. Eine Ohrmarke werde eingezogen, eine kleine Gewebeprobe ins Labor geschickt und das Tier in der Datenbank angemeldet, berichtet Kruse. „Dann bekommen sie ihren Rinderpass“, ergänzt seine Frau. Der müsse immer mitgeführt werden, auch bei einem Halterwechsel. Komme ein Tier zur Schlachtung, falle noch mehr Bürokratie an. „Mit zwei bis drei Stunden Büroarbeit am Tag sind wir dabei“, sagen die beiden.

Beim Pflanzenschutz sei es genauso: „Egal, was man macht, man muss alles dokumentieren“, so Werner Kruse. Über alles müsse lückenlos Protokoll geführt werden. Auch der Mindestlohn beschäftigt die Familie: „Wir haben noch keine 450-Euro-Kräfte“, berichtet Kruse. „Aber wir denken darüber nach.“ Die damit verbundene Aufzeichnungspflicht war bereits vor Kurzem während einer Tagung des Landwirtschaftlichen Buchführungsverbands in Ellerhoop kritisiert worden. Vor allem die Arbeitszeiten müssten genau aufgezeichnet werden, so Silke Kruse. „Wir lassen uns da auf viel Schreibkram ein. Ich bin für den Mindestlohn, aber es steckt viel Aufwand dahinter.“ Zu alledem komme die normale Büroarbeit wie das Einholen von Angeboten für Futter, der Kauf von Betriebsmitteln und die TÜV-Abnahme des Treckers.

Bis zur Hälfte eines Arbeitstages im Büro

Auch Peer Jensen-Nissen vom Bauernverband weist auf die bürokratischen Auswirkungen des Mindestlohns hin. „An allen Ecken und Kanten gibt es mehr Bürokratie“, sagt der Geschäftsführer. Die Landwirte seien somit nicht mehr primär aktiv beschäftigt, sondern müssten stattdessen bis zur Hälfte eines Arbeitstages im Büro sitzen. „Es wird in der Politik immer viel vom Bürokratie-Abbau gesprochen“, so Jensen-Nissen. „Tatsächlich findet er aber nicht statt.“ Der Landwirt werde immer gläserner, das sei aber mit immer mehr Aufwand verbunden.

Weil Kruse für den Betrieb Fördergelder erhält, wird der Hof zudem im Rahmen von sogenannten Cross-Compliance-Kontrollen (CC-Kontrollen) überprüft. „Es wird geschaut, ob wir alles einhalten und weiter förderfähig sind“, so Silke Kruse. Zwischen drei und vier Stunden würden derartige Kontrollen dauern. Wie umfangreich diese sind, zeigt eine zweiseitige Übersicht des Bauernverbands, die Werner Kruse hervorholt. Sie zeigt den Landwirten, welche Unterlagen man bei einer CC-Kontrolle parat haben sollte. Die zwei Seiten sind eng beschrieben, die Liste reicht von Lieferscheinen für Futtermittel bis zu Milch-Untersuchungsergebnissen. „Wir haben noch nie ein Problem gehabt, aber manchmal sind die Kontrollen schon gerechtfertigt“, sagt Werner Kruse. „Für den Verbraucher sind die Kontrollen verständlich“, so seine Frau weiter. „Sie bedeuten aber auch viel Aufwand.“

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