Landwirte hoffen auf Regen

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In der Region Barmstedt warten die Landwirte seit Wochen dringend auf ergiebigen Regen für ihre Pflanzen (Foto aus Sparrieshoop). Wegen des ausbleibenden Niederschlags vertrocknet allmählich das Getreide. Vor allem im Norden bei Bokel und Lutzhorn gibt es bereits Trockenschäden.

shz.de von
02. Juni 2018, 16:00 Uhr

Die seit Wochen andauernde Trockenheit macht den Landwirten in der Region Barmstedt zunehmend zu schaffen. „Der Regen wird hier überall sehnlichst erwartet“, sagte Peer Jensen-Nissen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Pinneberg, auf Anfrage unserer Zeitung. Besonders auf den sandigen Böden im Norden des Kreises Pinneberg – etwa bei Bokel und Lutzhorn – gebe es wegen des ausbleibenden Regens bereits erste Trockenschäden, wie Landwirt Christof Kirst erklärte, der einen Hof in Brande-Hörnerkirchen betreibt. „Vor allem das Getreide wird stellenweise gelb – das ist außergewöhnlich im Mai.“

Ertragseinbußen seien schon absehbar, sagte Jensen-Nissen. In welchem Umfang, sei aber unklar. „Die Qualität der Böden ist unterschiedlich, und es hängt natürlich auch von der Pflanze ab.“ Mais zum Beispiel brauche erst im Juli, August viel Wasser, erklärte Kirst. Die momentane Lage „mag er an sich ganz gern“. Er könne die Hitze und Trockenheit besser ab als beispielsweise Roggen auf sandigem Boden. Auf seinen Feldern gehe es noch, „weil sie in der Au-Niederung liegen, wo der Grundwasserspiegel wegen des nassen Herbstes noch relativ hoch ist“, wie er erklärte. Daher führten auch die Gräben noch etwas Wasser. Allerdings habe er in diesem Jahr bereits den zweiten Grasschnitt gemäht, was sehr ungewöhnlich sei. „Normalerweise machen wir Anfang Juni den ersten.“

Eine Folge der Trockenheit sei, dass die Qualität der Pflanzen sinke, sagte Kirst. „Sie rollen sich ein, und die Blattmasse wird geringer.“ Zwar habe Getreide etwa 30 bis 40 Zentimeter lange Wurzeln, „aber irgendwann reicht auch das nicht mehr“. Und wenn kein Wasser mehr ankomme, „werden die Spitzen braun“, so Jensen-Nissen. Manche Landwirte dächten daher bereits darüber nach, das Getreide anders zu verwerten, berichteten Kirst und Jensen-Nissen. Statt es zu dreschen und nur das Korn für die Mehlproduktion zu verwenden, könnte es komplett gehäckselt und als Viehfutter genutzt werden. „Dadurch könnte auch einem drohenden Futtermangel vorgebeugt werden“, sagte Kirst, der selbst auch einen Milchviehbetrieb betreibt.

Seine Tiere seien bisher noch ausreichend versorgt, sagte er. „Wichtig ist, dass sie auf der Weide Schatten haben und genügend Wasser bekommen.“ Eine Kuh trinke täglich zwischen 100 und 150 Liter Wasser, die die Landwirte den Tieren über Pumpen oder in Wannen zur Verfügung stellen. „Wir beregnen unsere Kühe im Moment auch ab und an“, so Kirst.

Beregnungsanlagen für die Felder seien für die hiesigen Landwirte dagegen eher keine Option, sagte Jensen-Nissen. „Die Schwierigkeiten dabei sind, dass es aufwändig zu installieren und teuer ist. Und wenn man es dann nur ein-, zweimal braucht, rentiert es sich nicht.“ Schließlich sei eine so lange Trockenphase die Ausnahme. „In den meisten Jahren hatten wir dieses Problem nicht.“ So habe es beispielsweise im vergangenen Jahr zu viel geregnet.

Sollte es demnächst regnen, dann hofften die Landwirte auf „einen schönen, langen, flächendeckenden Landregen“, sagte Jensen-Nissen. „20 Millimeter würden wir begrüßen. Mehr kann der Boden auf einmal gar nicht aufnehmen, dazu ist er viel zu verhärtet“, ergänzte Kirst. Ein Grund dafür sei auch der Wind, der seit einiger Zeit meist aus Osten wehe. „Das dörrt das Land neben der Hitze zusätzlich aus.“ Ein Starkregen sei daher „eher kontraproduktiv“, bilanzierte Kirst.

Er wolle die Lage nicht dramatisieren, betonte Jensen-Nissen. „Wir haben Sorgen, aber wir wissen ja noch nicht, wie das Wetter sich entwickelt. Wenn demnächst ausreichend Regen fällt, erholt sich die Natur relativ schnell.“ Sollte die Trockenheit allerdings noch vier, fünf Wochen anhalten, „dann ist es vorbei“. Kirst ergänzt: „Falls es noch zehn, 14 Tage so bleibt, gibt es Ausfälle. Ansonsten kommen wir mit einem blauen Auge davon. Aber mehr als durchschnittlich wird die Ernte auf keinen Fall.“

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