Barmstedt : Lärmschutzwände vor die Meierei?

Das Betriebsgelände der Meierei sollte hinter einer Lärmschutzwand verschwinden, fordert die Anwohner-Initiative.
Foto:
1 von 2
Das Betriebsgelände der Meierei sollte hinter einer Lärmschutzwand verschwinden, fordert die Anwohner-Initiative.

Zu viele Brummis durch Barmstedt: Eine Anwohner-Initiative stört sich am zunehmenden Lkw-Verkehr und stellt Forderungen.

shz.de von
27. November 2013, 12:00 Uhr

Die Meierei Barmstedt produziert an der Grenzen dessen, was für die Anwohner erträglich ist: Das meint die Initiative „Mut zur Vernunft“ (MzV), nachdem Mitglieder an zwei Tagen den Lkw-Verkehr zum und auf dem Betriebsgelände an der Mühlenstraße beobachtet hatten. Ergebnis: Die Meierei überschreite hinsichtlich der an- und abfahrenden Lastwagen-Bewegungen die genehmigten Grenzwerte. „Eine Produktionserweiterung dürfte unserer Meinung nach nicht mehr genehmigt werden“, schreiben Björn Gebert und Frank Herzog (beide MzV) in einer Pressemitteilung. Zudem fordert die Initiative den Bau einer Lärmschutzwand.

Am 17. September und am 12. November hatten MzV-Mitglieder jeweils von 6 bis 22 Uhr gezählt, wie viele Laster die Meierei ansteuerten und wieder verließen. Am ersten Tag seien es 134, am zweiten 128 gewesen. Erlaubt seien laut Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) aber maximal 125 Lkw pro Tag, so Gebert und Herzog.

Außerdem hat die Initiative beim Zählen festgestellt, dass mehr als 60 Prozent der Lkw durch die Innenstadt zur Meierei und zurück fahren. „Die Lieferfirmen müssen endlich verpflichtet werden, den innerstädtischen Bereich zu meiden und den Autobahnanschluss Horst zu nutzen“, so  die Initiative. Zumindest nächtliche Fahrten durch die Innenstadt könnten künftig weniger werden: An der Königstraßen stehen mittlerweile Schilder, die auf das Nachtfahrverbot für Lkw hinweisen (siehe nebenstehender Bericht).

Besonders belastend für die Anwohner der Mühlenstraße sei es, wenn Lasterfahrer auf dem Meiereigelände die Wagen neu starten würden, schreibt die Initiative. Das sei am ersten Zähl-Tag 380, am zweiten 348 Mal der Fall gewesen. Zudem hätten 21 (19) Fahrer den Motor unnötig lange laufen lassen. „Wir fordern den Bau schallschluckender Lärmschutzwände und eine regelmäßige Überprüfung der Dieselruß- und Feinstaubbelastung“, schreiben Gebert und Herzog.

Unternehmen lehnt Lärmschutzwände ab

„Der Bau der Meierei inmitten von Wohngebieten stellt sich von Tag zu Tag mehr als große Fehlplanung dar“, so die Initiative. Deshalb müsse die Stadtvertretung die Meierei dazu bewegen, auf weitere Standortvergrößerungen zu verzichten. Stattdessen müsse die Produktion perspektivisch schrittweise in ein geeignetes Industriegebiet mit Autobahnanschluss verlegt werden.

Meierei-Geschäftsführer Dirk Rowedder sagte auf Anfrage unserer Zeitung, der Bau einer Lärmschutzwand sei vor Jahren umfangreich geprüft und verworfen worden. „Das hätte nämlich eher negative Folgen für die Anwohner, weil die Mauer den Verkehrslärm von der Mühlenstraße quasi auf die Anwohner zurückwerfen würde“, so Rowedder.

Eine Betriebserweiterung sei zurzeit nicht geplant, betonte er. „Aber wir hätten die Option, und Stillstand kann für ein Unternehmen auch schwierig werden.“ Die Kritiker müssten sich auch darüber im Klaren sein, dass an der Meierei mehr als 100 Arbeitsplätze hingen. Sollte der Betrieb verlagert werden, „würden die Jobs aus Barmstedt verschwinden. Davon redet aber keiner.“

Zum Vorwurf, es würden mehr Lkw als erlaubt die Meierei anfahren, sagte Rowedder: „Das bezweifle ich. Wir haben hier täglich im Schnitt 100 bis 110 Lkw. 134 scheint mir zu hoch. Aber um die genauen Zahlen zu besorgen, bräuchte ich etwas mehr Zeit.“ Und ob die Fahrer die Motoren unnötig lange laufen lassen, sei schwer zu beurteilen. „Wir achten jedenfalls immer sehr darauf, alle unnötigen Belastungen zu vermeiden.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen