Bauarbeiten bald beendet : L 75-Ausbau sorgt für Ärger in Bokholt-Hanredder

in den letzten Zügen: So sah es gestern auf der L  75 kurz hinter der Autobahnbrücke in Richtung Offenau aus. Mehrere Autofahrer mussten wenden.
in den letzten Zügen: So sah es gestern auf der L 75 kurz hinter der Autobahnbrücke in Richtung Offenau aus. Mehrere Autofahrer mussten wenden.

Anwohner beklagen mangelnde Informationen: Ihre Grundstücke seien kaum erreichbar gewesen.

shz.de von
07. Juni 2018, 12:00 Uhr

Bokholt-Hanredder | Gabriele Stammerjohann aus Bokholt-Hanredder ist aufgebracht und enttäuscht. Seit rund zwei Monaten ist die Landesstraße 75 (L75) direkt vor ihrer Tür eine Baustelle. Immer wieder hatte sie deshalb Probleme, abends nach der Arbeit ihre Wohnung mit dem Auto zu erreichen oder morgens das Grundstück pünktlich zu verlassen – und das, obwohl das laut Vorankündigung seitens des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV) möglich sein sollte. Die L 75 wird zwischen dem Abzweig Kaltenweide bei Elmshorn und dem Krittelmoor in Offenau seit Anfang April saniert. Ursprünglich sollten die Arbeiten am 18. Mai enden – sie verzögerten sich aber um mehrere Wochen.

Stammerjohann betreibt eine Praxis für Naturheilkunde in Horst. „Ich muss meine Patienten pünktlich behandeln“, sagt sie. Abends habe sie mitunter schwere Wäschekörbe dabei, daher sei es für sie wichtig, mit dem Auto an ihre Wohnung heranfahren zu können. Immer wieder habe es jedoch Probleme gegeben. Insgesamt habe sie drei Info-Schreiben bekommen. Informationen zum Radweg-Ausbau oder zur generellen Verzögerung der Bauarbeiten habe sie nicht erhalten, kritisiert sie.

Aufgerissener Radweg: Die Baustelle in Offenau.
Stammerjohann
Aufgerissener Radweg: Die Baustelle in Offenau.
 

Verärgert ist Stammerjohann, die in einem Haus mit zwei Zufahrten zur Straße nahe der Gastwirtschaft „Zur Linde“ wohnt, auch über die Info-Politik seitens des LBV und der beteiligten Firmen. „Es gab zu wenig Informationen. Und wenn sie kamen, stimmten sie oft nicht“, sagt sie. Die vergangenen Wochen seien „eine sehr hohe nervliche Belastung“ gewesen. Ihre Nachbarn hätten die gleichen Probleme gehabt, berichtet die Offenauerin. Die anderen Anlieger in dem Bereich hätten ihre Grundstücke häufig von hinten anfahren können – sie aber nicht.

Probleme habe es zum Beispiel am 7. April gegeben, so Stammerjohann: Beide Ausfahrten seien ausgebaggert gewesen. Es habe weder eine Rampe gegeben, noch sei das Ganze abgesichert gewesen, kritisiert sie. Beim Herunterfahren vom Grundstück stürzte sie mit ihrem Wagen ab, da sie die Kante nicht habe sehen können. Nachbarn mussten ihr helfen.

Als sie am 10. April abends von der Arbeit gekommen sei, habe sie weder von der Kaltenweide noch von Barmstedt aus das Grundstück erreichen können, weil beide Seiten abgesperrt waren. Eine Benachrichtigung habe es nicht gegeben. Sie habe daher mit zitternden Händen den engen Radweg nutzen müssen. Im Anschluss habe sie sich an die im Info-Brief genannte Nummer der Firma Eurovia gewandt und um Abhilfe gebeten. Doch es sei nichts passiert. Man habe ihr unter anderem mitgeteilt, sie solle sich nicht anstellen und den Radweg nutzen.

Ihre Auffahrt konnte Gabriele Stammerjohann lange nicht nutzen.
Stammerjohann
Ihre Auffahrt konnte Gabriele Stammerjohann lange nicht nutzen.
 

Am 3. Mai habe es erneut Probleme gegeben: „Ich wollte zur Arbeit fahren und sah, dass beide Ausfahrten ausgebaggert sind“, berichtet Stammerjohann. Sie habe daraufhin einen Baggerfahrer gebeten, ihr eine Rampe aufzuschütten, was dieser aber nach Rücksprache ablehnen musste. Stattdessen sollte sie über den Radweg fahren, was sie auch getan habe, so die Offenauerin. Da sie sehr unter Zeitdruck gestanden habe, sei sie in Richtung Elmshorn abgebogen, da sie hoffte, dass es dort eine Auffahrt zur Straße gibt. Allerdings hätte ihr dann ein Messgerät den Weg versperrt. Da niemand zu sehen war, sei sie ausgestiegen und habe das Gerät vorsichtig beiseite gelegt. Daraufhin sei ein Bauarbeiter erschienen und habe begonnen, sie anzubrüllen. Sie habe zwar versucht, die Situation zu erläutern, so Stammerjohann, habe damit aber keinen Erfolg gehabt. Als sie weiterfahren wollte, habe der Bauarbeiter gedroht, die Polizei zu rufen. Sie habe ihm ihre Adresse gegeben und sei vorsichtig weitergefahren. Das anschließende Gespräch mit der Baufirma sei nicht besser verlaufen. Als sie dort ihre Adresse nannte, sei ihr ebenfalls mit einer Anzeige gedroht worden. „Ich hatte Angst“, sagt Stammerjohann. Später habe sie dann bei einer weiteren, im Info-Brief genannten Firma angerufen. „Dort hat man mich beruhigt.“ Mittlerweile sei ihr Grundstück von der Straße aus wieder erreichbar, so Stammerjohann.

Kai-Uwe Schacht, Leiter der LBV-Niederlassung in Itzehoe, erklärte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, die Vorfälle würden geklärt. „Wir werden dazu auch die Dame anrufen.“ Oft seien die Baufirmen vor Ort sehr kulant und ließen mit sich reden, „aber wenn es um sensible Dinge wie zum Beispiel empfindliche Messgeräte geht, kann das schon mal anders aussehen“.

Eine gute Nachricht für alle von der Sperrung betroffenen Autofahrer hatte Schacht auch: Ein Ende ist in Sicht. „Die Arbeiten sollen am 11. Juni beendet sein“, so der LBV-Chef. Allerdings droht dann neues Ungemach: Voraussichtlich gleich im Anschluss soll die L 75 zwischen dem Kreisel am Spitzerfurth und der Moltkestraße innerhalb Barmstedts ausgebaut werden. Auch das werde mehrere Wochen dauern, so Schacht.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen