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Biomüll in Barmstedt : Kritik an der Pflicht-Tonne

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Barmstedts Grüne fordern jetzt kostenlose Behälter.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Barmstedt | Bisher konnten Hauseigentümer sie sich freiwillig anschaffen – ab Januar 2015 soll sie für alle zur Pflicht werden: die Biotonne. Gegen diese Vorgabe, die bundesweit gelten wird, regt sich in Barmstedt Widerstand. Die Grünen halten eine Pflicht zur Tonne für übertrieben. „Wir sind hier nicht in der Großstadt, sondern im Flächenland. Viele haben Gärten und kompostieren selbst“, sagte Fraktionssprecherin Marina Quoirin-Nebel.

Grundsätzlich sei das getrennte Sammeln von organischem Abfall zwar sinnvoll, „weil manche ihren Bioabfall bisher in der Restmülltonne oder auf öffentlichen Flächen entsorgen, was ja nicht sein muss“, sagte Quoirin-Nebel. Auf mehr Akzeptanz würde die Pflicht-Tonne aber stoßen, wenn sie nichts kosten würde, vermutet sie – zumal Bioabfall ein wertvoller Rohstoff sei. „Wie Altpapier, und die Blaue Tonne kostet ja schließlich auch nichts.“

Herbert Schultze von der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung (GAB) in Tornesch erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, eine kostenlose Biotonne sei nicht möglich, weil die Verwertung wesentlich aufwändiger als bei Altpapier und die Erlöse wesentlich geringer seien. Der Bioabfall werde bei der GAB kompostiert und anschließend als hochwertiger Kompost verkauft, so Schultze. „Dazu muss der Müll aber erstmal sauber getrennt werden. Bei Altpapier haben Sie wesentlich weniger Fremdstoffe drin.“

Schultze weist aber darauf hin, dass Grundstückseigentümer sich von der Pflicht zur Biotonne befreien lassen können. „Wer beim Kreis versichert und nachweist, dass er alles selbst kompostiert, muss keine Tonne nehmen.“ So hätten etwa Landwirte oft keine Biotonne, „weil die alles auf den Misthaufen werfen“. Auch sei es möglich, sich mit Nachbarn eine Tonne zu teilen. Nur kostenlos, „das geht leider nicht“.

GAB plant Biogasanlage

Der Vorschlag der Barmstedter Grünen, den im Kreis gesammelten Biomüll auch für eine Biogasanlage auf dem Gelände der GAB zu verwenden, könnte dagegen Realität werden. „Dafür gibt es schon Planungen“, sagte Schultze. Vorteil wäre, dass der Abfall mehrfach genutzt würde: Er würde zunächst „entgast“ und anschließend kompostiert. Bis es so weit sei, werde es aber noch dauern, so Schultze. „Eine solche Anlage bedarf umfangreicher Genehmigungen.“

Für die GAB sei die Pflicht-Biotonne im Kreis Pinneberg kein Problem, sagte Schultze. „Wir rechnen nicht damit, dass es dadurch wesentlich mehr Abfallbehälter werden als bisher. Und selbst, wenn es 1000 mehr werden, kriegen wir das hin.“ Zurzeit besitzen laut GAB etwa 80 Prozent aller Haushalte im Kreis eine Biotonne – was ungefähr 64.000 Behälter und rund 29.000 Tonnen Müll bedeutet. In Barmstedt gibt es rund 2560 Biotonnen, wodurch ebenfalls etwa 80 Prozent der Haushalte abgedeckt sind.

Die Biotonnen werden im Kreis Pinneberg alle zwei Wochen geleert. Die monatliche Gebühr ist in jeder Gemeinde gleich hoch. Eine 80-Liter-Tonne kostet 4,76 Euro, eine 120-Liter-Tonne 7,14 Euro und eine 240-Liter-Tonne 14,28 Euro.
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