Hofserie "Unsere Landwirte" : Kohl und Erdbeeren vom Kartoffelhof

Eine Halle voller Kartoffeln: Stockfinster ist es normalerweise  im Lager – damit die Knollen nicht grün werden.
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Eine Halle voller Kartoffeln: Stockfinster ist es normalerweise im Lager – damit die Knollen nicht grün werden.

Thomas Ladiges bewirtschaftet seinen Hof in Lutzhorn in dritter Generation. Der Landwirt hat sich auf Erdbeeren und Kartoffeln spezialisiert.

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30. November 2013, 16:47 Uhr

Rund 960 landwirtschaftliche Betriebe gibt es im Kreis Pinneberg. In unregelmäßigen Abständen stellt die Barmstedter Zeitung Höfe in den Ämtern Rantzau, Hörnerkirchen sowie der Stadt Barmstedt vor. Im vierten Serienteil erzählt Thomas Ladiges aus Lutzhorn, warum er sich mit seinem Hof auf Kartoffeln und Erdbeeren spezialisiert hat – und warum junge Menschen heutzutage immer weniger Kartoffeln kaufen.

Kistenweise liegen sie im 450 Quadratmeter großen Lager von Thomas Ladiges. Ob Belana oder Linda, ob mehlig kochend oder festkochend – überall in der dunklen Halle fällt der Blick auf Kartoffeln. Doch mit den Knollen läuft das Geschäft nicht mehr so gut wie früher. „Junge Menschen essen die selten“, sagt der 55-Jährige. Mindestens eine halbe Stunde brauche man zum Schälen und Kochen – zu lange in der heutigen Zeit, meint er.

Aus diesem Grund hat sich der Landwirt zusammen mit Frau Brigitte (56) und Sohn Felix (23) im Jahr 2005 ein zweites Standbein aufgebaut. „Wir pflanzen Erdbeeren an“, berichtet Ladiges. Die Saison fange Mitte Mai an, dann arbeiten 25 Menschen für ihn im Verkauf und als Pflücker auf den Feldern. „Wenn man die Erdbeeren – wie wir – direkt vermarktet, ist das ein gutes Geschäft“, erläutert er. Verkauft werden die Früchte im Hofladen, außerdem hat Ladiges drei Stände in Kaltenkirchen und Ulzburg. Ein Stand in Elmshorn soll im nächsten Jahr eventuell dazukommen. Auf einer Fläche von acht Hektar wachsen die Erdbeeren, auf vier Hektar wird nur geerntet, auf den anderen vier nur gepflanzt. Zehn Tonnen ernten er und seine Helfer pro Saison.

Insgesamt hat der Hof eine Größe von 60 Hektar, zehn Hektar davon seien Grünland, berichtet Ladiges. Seine Kartoffeln pflanzt er ebenfalls auf zehn Hektar an. Zwischen 40 und 50 Tonnen Rohware kommen im Jahr zusammen, schätzt der Landwirt. Dieses Jahr sei die Ernte unterdurchschnittlich gewesen: „Das Frühjahr war zu kalt und zu nass“, erläutert er. „Die Kartoffeln sind gut, aber die Stückzahl ist gering.“

Ihre Produkte vermarktet Familie Ladiges selbst. „Wir haben seit 15 Jahren einen Hofladen“, erzählt der Landwirt. So umgehe man die teureren Großhändler. „Es ist viel Arbeit, aber die Kunden aus der Region Barmstedt haben das Angebot gut angenommen.“ Zusätzlich wird im Laden saisonales Gemüse angeboten, das Ladiges zum Teil von anderen Betrieben aus der Region dazukauft. „Grünkohl aber haben wir zum Beispiel selber.“ Die Ernte des Kreuzblütengewächses ist die letzte in diesem Jahr.

Auch Eier bietet Ladiges an, seine mehr als 400 Hühner laufen am Tag frei draußen herum. Weitere Tiere hat der Hof aber kaum noch – nur einige Enten und Gänse zu Weihnachten, sagt Ladiges. Früher sei die Situation anders gewesen: „1910 hat mein Urgroßvater den Hof gekauft, da war das schon eine kleine Hofstelle“, erklärt er. „Anfangs ist es ein reiner Milchviehbetrieb gewesen.“ Sein Vater habe noch Mastbullen besessen, während der BSE-Krise seien diese aber abgeschafft worden. „Kartoffeln gab es hier auch schon immer, diese rückten dann aber in den Vordergrund.“

Über seine Nachfolge muss sich Ladiges wenig Gedanken machen: Sein Sohn Felix ist auf dem Hof angestellt, er besucht derzeit die Landwirtschaftsschule und wird dort zum Landwirt ausgebildet. „Er möchte in meine Fußstapfen treten“, sagt Ladiges. Auch die Zukunft des Betriebs sei gesichert – „weil wir die Erdbeeren haben.“

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