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Dauenhof : „Kleine Siegesfeier“ für den Bahnhof

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Das historische Bahnhofsgebäude Dauenhof wird aufwändig saniert. Kay Sierk: „Mir liegt daran, dass unser Dorf im Kern lebt."

Westerhorn | „Klasse, Kay!“ Ein Besucher klopft Gastgeber Kay Sierk anerkennend auf die Schulter. „Tolle Idee“, lobt Ernst Dieter Rossmann, Bundestagsabgeordneter aus Elmshorn. Dabei stehen die rund 30 Gäste quasi in einem Rohbau: viele Fensterlöcher sind leer, die Wände bestehen aus nackten Ziegeln, es gibt weder Fußböden noch Deckenverkleidungen. Trotzdem lud Kay Sierk am Freitag zur „kleinen Siegesfeier“ mit Suppe, Häppchen, Wein und Bier nach Dauenhof, in das Bahnhofsgebäude des Dorfes Westerhorn.

Der größte Sieg besteht darin, dass das Haus noch steht. Schon seit mehr als 20 Jahren soll es abgerissen werden; genauso lange machen sich einigen Westerhorner für den Erhalt des Gebäudes stark, dessen ältester Teil 1847 errichtet wurde, der Haupttrakt stammt von 1901. Kay Sierk hat in zähen Verhandlungen Auflagen und Bedenken der Deutschen Bahn erfüllt und ausgeräumt.

„Jetzt haben wir den Salat hier“, kommentierte er die Situation: Ihm gehören jetzt der Bahnhof und die benachbarte ehemalige Bahnhofsgaststätte Fölster, erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts. Mit beiden Gebäuden will er seinem Heimatdorf zu einer attraktiven Mitte verhelfen.

Sierk gehört der Westerhorner Landhandel Otto Frauen, er ist Wehrführer und Gemeinderat. „Mir liegt daran, dass unser Dorf im Kern lebt“, erklärt er. Dafür will er sorgen: Im Bahnhof soll oben eine Wohnung ausgebaut werden; unten sähe er gern eine Fahrradwerkstatt, die Glückstädter Werkstätten hätten schon Interesse signalisiert. Im ehemaligen Festsaal bei Fölster will Sierk ein „Grünes Warenhaus“ einrichten. In den ersten Stock will er dort vier Monteurs-Wohnungen bauen, für den zweiten Stock plante er weitere zwei Wohnungen. Fürs Erdgeschoss träumt er von einem schönen Café. In seinem schriftlichen Konzept denkt er auch schon an die Gestaltung des Areals zwischen den Häusern: „Ich möchte den Platz mit Kopfsteinpflaster und geschorenen Linden im Stil der Jahrhundertwende angemessen gestalten.“

Für die Finanzierung hofft Sierk auf Fördermittel der Aktivregion Auenland; für den Bahnhof hat er schon grünes Licht bekommen, ob das Gesamtprojekt unterstützt wird, stellt sich heute heraus, erklärte Sierk bei seiner Feier.

Reinhard Jung blickte bei der Feier im ehemaligen Wartesaal schon viel weiter voraus: Am 12. Juli 2022, am 175. Geburtstag des ältesten Gebäudeteils, soll der Bahnhof „Kulisse für ein rauschendes Dorffest“ sein. Jung hatte schon Mitte der 1990-er Jahre beschlossen: „Der Bahnhof bleibt“. Aber eine realistische Perspektive bekam diese Forderung erst, als er im vergangenen Jahr Sierk ansprach und für seine Idee begeisterte.

Sierk und Jung werden nicht müde, ihre Gäste durch den Bahnhof zu führen, die anstehenden Arbeiten und die Aussichten zu erläutern. „Die Fenster sind über 100 Jahre alt“, sagt Sierk und zeigt auf drei frisch gestrichene Holzfenster. Jedes von ihnen wurde von Hand aufgearbeitet, ausgebessert und mehrfach mit Anstrichen versehen. Drei Fenster sind fertig, weitere 14 in Arbeit. Fürs Sandstrahlen der historischen Belege hat sich der Bauherr sogar eine kleine Kammer gekauft.

Im Erdgeschoss steht noch der Badeofen, der früher zur Wohnung des Bahnhofsvorstehers gehörte. Das angebauter Stellwerk und das Schrankenwärterhäuschen sind abgerissen, dahinter bringt das 170 Jahre alte Mauerwerk Reinhard Jung zum Strahlen. Bei aller Modernisierung: Das Haltestellenschild „Dauenhof“ an der Gleisseite, die Außenlampe und der Lautsprecher an der Fassade des ehemaligen Bahnhofs werden erhalten bleiben, stellen Sierk und Jung klar.

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