Kirche will auf Menschen zugehen

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18. Januar 2013, 01:14 Uhr

Kreis pinneberg | Die Pinneberger und Steinburger halten treu zur evangelischen Kirche. Mehr als jeder zweite im Gebiet des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf ist evangelisch (53,5 Prozent). Auch Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrisen haben diesem Wert in den vergangenen Jahren wenig anhaben können. Zwischen 2005 und 2012 schwankt der Wert zwischen 57,5 und 53,5 Prozent. "Wir müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir weiter von einer Volkskirche sprechen", bewertet Propst Dr. Thomas Bergemann die konstanten Zahlen.

Allerdings nimmt die Mitgliederzahl - ebenso wie auch die Zahl der Gesamtbevölkerung - leicht ab. Waren es im Jahr 2000 noch 123 000 Gemeindeglieder, so registrierten Dr. Bergemann und Kirchenkreis-Verwaltungsleiter Thomas Pomarius im vergangenen Jahr noch 107 997. Im Schnitt also 1,2 Prozent weniger Mitglieder pro Jahr.

Der Rückgang geht zum einen auf Sterbefälle und zum anderen auf Austritte zurück - auch hier gibt es jeweils konstante Mittelwerte. Die Zahl der Austritte lag im Jahr 2000 bei 1196, 2011 verließen 919 Menschen die evangelische Kirche. Bestattungen gab es 1468 im Jahr 2000, elf Jahre später waren es 1217.

Während die Kirche also 2011 insgesamt 2136 Mitglieder verloren hat, kamen nur 1033 hinzu - 884 durch Taufen und 149 durch Neuaufnahmen. Auch diese Differenz ist stabil, denn auch im Jahr 2000 verlor die evangelische Kirche gut 1000 Mitglieder. Es gab 1641 Taufen und Neuaufnahmen und 2664 Bestattungen und Austritte.

Der Kirchenkreis will den Verlust an Mitgliedern nicht einfach hinnehmen. "Wir müssen zunehmend offensiv werden und die Angebote der Kirche an die Menschen herantragen", sagt Propst Bergemann. Hier denkt er vor allem an Taufen und Konfirmationen. Gab es früher einen Automatismus, "bröckelt heute die Selbstverständlichkeit von Taufen und Konfirmationen weg". Deshalb müsse sich unter anderem Gedanken um die Art des Konfirmandenunterrichts gemacht werden. Auch die Zusammenarbeit Kirche und Schule müsse ausgebaut werden. "Wir müssen auf die gesellschaftlichen Veränderungen reagieren. Auch in dem Bewusstsein, dass die Mitgliederzahlen nicht nach oben schnellen."

Trotz einer leicht rückläufigen Mitgliederzahl - die Steuereinnahmen sind davon zurzeit nicht betroffen. "Im Moment steht der Kirchenkreis gut da", sagt Thomas Pomarius. Elf Millionen Euro gab es im Jahr 2011, für das vergangenen Jahr rechnet er mit einer ähnlich hohen Summe. Im Jahr 2000 nahm der Kirchenkreis 9,8 Millionen Euro ein, bis 2004 sank die Summe sogar auf 7,6 Millionen Euro. "Ab zehn Millionen Euro können wir gut arbeiten", sagt Dr. Bergemann.

Die Steuer geht jeweils an die Nordkirche, jedes Kirchenmitglied zahlt neun Prozent von der Lohn- beziehungsweise Einkommensteuer, maximal jedoch nur drei Prozent vom Gesamt-Jahreseinkommen. Die Nordkirche zieht ihre Kosten ab und gibt die verbleibende Steuer an die Kirchenkreise weiter - berechnet nach Wohnbevölkerung und Mitgliederzahl. Der Kirchenkreis behält Teile für übergemeindliche Aufgaben (Kirchenmusik, Jugendarbeit), Diakonisches Werk, Verwaltung und Gehälter für Mitarbeiter, danach gibt es eine Pro-Kopf-Verteilung auf die Kirchengemeinden.

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