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Barmstedter Zeitung

19. November 2017 | 09:58 Uhr

Kinder aufklären und stärken

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Gäste beim offenen Elternabend des Kindergartens Hemdingen diskutieren über frühe sexuelle Aufklärung und Kindesmissbrauch

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2014 | 17:00 Uhr

Wie und wann sollen Kinder aufgeklärt werden? Und wie kann ich mein Kind vor sexuellem Missbrauch und Übergriffen schützen? Diese und weitre Fragen sind vor Kurzem während eines offenenen Elternabend im gemeinnützigen Kindergarten Hemdingen beantwortet worden. Zu Gast waren zwei mit Sonderpädagoge Sven-Ole Carstens und der systemischen Beraterin Sabine von Reibnitz (Foto) zwei Referenten vom Wendepunkt Elmshorn, Anlauf- und Beratungsstelle unter anderem bei sexuellem Missbrauch

Nachdem sie die Eltern über ihr Aufgabengebiet beim Wendepunkt informiert hatten, stellten sie eine These in den Raum, mit der sich dann die Veranstaltungsbesucher in so genannten Murmelgruppen auseinandersetzten. Sie lautete: „Kinder sollten nur dann aufgeklärt werden, wenn sie Fragen dazu stellen.“ Nach etwa zehn Minuten intensiven Austausches wurden die Ergebnisse präsentiert. Die Meinungen waren geteitl: Während die einen sich dafür aussprachen, nur dann mit den Kindern über das Thema zu sprechen, wenn diese ihr Interesse durch gezieltes Fragen bekundeten, waren andere der Auffassung, dass man aktiv an sie herantreten und aufklären sollte – und zwar, wie eine Mutter sagte, nicht mit Hilfe von Blumen und Bienen, sondern realitätsnah.

Eine andere Diskutantin wies darauf hin, dass man bei dieser Thematik immer den Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigen müsse. Die Wendepunkt-Mitarbeiterin Sabine von Reibnitz ging auf die verschiedenen Meinungsäußerungen aus der Zuhörerschaft ein und kommentierte sie. Alle Kinder seien neugierig, erläuterte sie – und diese Neugier beziehe sich selbstverständlich auch auf ihren eigenen Körper. Sie empfahl eine offene Aufklärung, die allerdings altersgemäß und sprachlich angepasst sein müsse. „Die Furcht, dass ein Kind zu früh zu viel weiß, ist unbegründet: Was ein Jungen oder Mädchen nicht versteht, rauscht an ihm vorbei.“

Nach der ersten stellten die beiden Wendepunkt-Mitarbeiter noch eine zweite These in den Raum: „Kinder sollen frühzeitig auf Gefahren, die im Sexuellen liegen, aufmerksam gemacht werden.“ Wieder tauschten sich die anwesenden Mütter und Väter in Murmelgruppen aus und meldeten sich anschließend zu Wort.

Von Reibnitz sprach sich im Anschluss daran dafür aus, dass man bei der Betrachtung der kindlichen Sexualität die Erwachsenenbrille absetzen sollte. „Wenn man zwei Kinder dabei überrascht, wie sie sich gegenseitig angucken, so ist das völlig normal“, unterstrich sie. Allerdings gelte grundsätzlich, dass es freiwillig geschehe und die beteiligten Kinder in etwa gleichaltrig seien.

Was die Warnung der Kinder vor Sextätern betrifft, so geht es laut von Reibnitz darum, die Kinder stark zu machen, auf ihre eigenen Gefühle zu hören und „Nein“ zu sagen, wenn sie etwas nicht wollen. Es müsse präventive Aufklärung stattfinden und zu Hause eine Sprache dafür geben.

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