Vandalismus : Keine Überwachung von Chaoten an Barmstedter Schule

Der Schulleiter des Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasiums beantragte bei der Stadt zwei Videokameras, um herausfinden zu können, wer die Schäden nachts und am Wochenende verursacht. Den Antrag zog er jedoch zurück, weil einige Eltern vehement gegen die Kameras waren.
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Der Schulleiter des Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasiums beantragte bei der Stadt zwei Videokameras, um herausfinden zu können, wer die Schäden nachts und am Wochenende verursacht. Den Antrag zog er jedoch zurück, weil einige Eltern vehement gegen die Kameras waren.

Direktor des Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasiums wollte eine Videoanlage. Doch einige Eltern hatten Bedenken.

shz.de von
25. Januar 2018, 12:30 Uhr

Barmstedt | Sie trinken und konsumieren Drogen – Jugendliche, die außerhalb der Schulzeiten auf dem Gelände des Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasiums ihr Unwesen treiben. Nun wollte die Schulleitung zwei Videokameras installieren lassen, um wenigstens zu wissen wer sich nachts und an den Wochenenden herumtreibt und Schäden verursacht. Doch nach Bedenken von Eltern nahm Schulleiter Jan Skendzic von seinem Plan Abstand. 

Skendzic hatte sich sogar an die Stadt gewandt und eine Videoanlage beantragt. Es sei „vermehrt dazu gekommen, dass unter anderem Jugendliche – meist an Wochenenden – unbefugt das Schulgelände betreten haben“, hatte er geschrieben. „Bisher kam es zu kleineren Schäden, meist zerbrochene Flaschen. Es wurden aber auch schon Tütchen gefunden, in denen Cannabis aufbewahrt wurde“, schrieb Skendzic weiter. Er sei deshalb in Sorge um den Schulhof. In dessen Verschönerung hätten Eltern, Lehrer und Schüler viel Geld und Zeit investiert.

Die ebenso simple wie einleuchtende Forderung des Schulleiters: Eine Videoüberwachung für den Innenhof der Schule, „um Vandalismus und Straftaten“ nachvollziehen zu können. 1650 Euro für zwei Kameras sowie eine Beschilderung über die Aufstellung der Kameras, würde die Realisierung seiner Forderung kosten, so der Schulleiter. Die Technik hätte so programmiert werden können, dass nur in den Abendstunden und an den Wochenenden, also außerhalb des Schulbetriebs hätte aufgenommen werden dürfen.

Videoanlage an Gemeinschaftsschule

Das Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasium wäre nicht die erste Barmstedter Schule gewesen, die eine Videoüberwachung gehabt hätte. In der Grund- und Gemeinschaftsschule, der Gottfried-Semper-Schule, wird bereits zum Schutz vor Chaoten auf Videoüberwachung gesetzt. „Da gab es Zerstörungen in größerem Ausmaß“, berichtet Wolfgang Heins, Pressesprecher der Stadt. Doch ehe sich Verwaltung und politische Gremien mit dem Wunsch befassen konnten, zog Skendzic seinen Antrag wieder zurück. „Es gab einige, die vehement dagegen waren“, berichtet der Schulleiter. Sie hätten eine allgemeine Überwachung des Schulgeländes befürchtet. Zudem sei es fraglich gewesen, ob es rechtlich möglich gewesen wäre, rein präventiv eine Videoüberwachung zu installieren. Völlig freie Bahn haben die Chaoten dennoch nicht. „Jeder Vorfall wird der Polizei gemeldet. Und wenn es nur kaputte Flaschen sind“, so der Schulleiter. Darum habe die Polizei gebeten.

Das Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasium ist nicht die einzige Schule im Kreis Pinneberg, in der nachts Chaoten ihr Unwesen treiben. Besonders schlimm war es an der Pinneberger Berufsschule: Scheiben waren eingeschlagen und es war eingebrochen worden. Dort sieht nun ein Sicherheitsdienst nach dem rechten und auch das Aufstellen einer Videoanlage ist eine Option. Eine Spur der Verwüstung hinterließen Täter in der Wedeler Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule. Immer wieder war die Elmshorner Boje-C.-Steffen Gemeinschaftsschule Ziel von Randalierern: Scherben, kaputte Spielgeräte, Einbruch und Brandstiftung – Schulleiter Volker Pohlmann hatte sogar von einem „rechtsfreien Raum“ an den Wochenenden gesprochen. Nun soll ein Zaun um das Gelände Abhilfe schaffen.

Wo ist das Problem?

Ein Kommentar von Bernd Amsberg

Unabhängig  von möglichen rechtlichen Vorbehalten, wo ist das Problem bei einer Videoüberwachung am Gymnasium?  Es ging   um zwei Kameras,  die lediglich   nachts  und am Wochenende in Betrieb sein    sollten. Zu Zeiten, an denen  Schüler, Lehrer und Eltern ohnehin nicht auf dem Schulgelände sind.  Aber Jugendliche, die sich dort    herumtreiben. Noch belassen sie  es beim Biertrinken,  zerdeppern manchmal ein paar Flaschen, was auch schon nicht  in Ordnung ist. Sollte aber randaliert werden, wären die  Chaoten per Videoaufzeichnung  leichter zu ermitteln. Prima! Was bitte, spricht dagegen? Nichts! Mit der Realisierung   orwellscher Fantasien seines Buchs „1984“ hat das nicht das Geringste zu tun. Offensichtlich ist aber bei manchen Menschen das Misstrauen  gegenüber  staatlichen Stellen größer als der Wunsch, Straftäter schnell dingfest  zu machen. Verkehrte Welt.

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