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Pferdeseuche auf Gut Aspern : „Kein Grund zur Hysterie“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Kreis Pinneberg hat den Sperrbezirk um das Gut Aspern eingerichtet. Wie an der Barmstedter Brunnenstraße weisen Schilder darauf hin. Tierhalter im Sperrbezirk müssen sämtliche Einhufer aufstallen und Anzahl sowie Standort an den Kreis durchgeben. Einen Grund zur Hysterie gebe es aber nicht, betont Sprecher Oliver Carstens.

shz.de von
erstellt am 30.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Gross Offenseth-Aspern | Die Schilder stehen, die Sperrzone ist eingerichtet: Nachdem am vergangenen Montag die Ansteckende Blutarmut der Einhufer (siehe Info-Kasten) bei einem Polo-Pferd auf dem Gut Aspern festgestellt worden war, hatte der Kreis Pinneberg in den vergangenen Tagen um den von der Pferdeseuche betroffenen Stall ein Gebiet mit einem Radius von mindestens 1000 Metern als Sperrbezirk festgelegt. Er umfasst große Teile der Gemeinde Groß Offenseth-Aspern. Kleinere Teile der Stadt Barmstedt (Foto) und der Gemeinde Bokholt-Hanredder sind ebenfalls betroffen. Der Sperrbezirk kann frühestens in drei Monaten aufgehoben werden.

Derweil standen die Fernsehteams auf dem Gut Aspern Schlange, um über den ersten Fall der Pferdeseuche in Schleswig-Holstein zu berichten. „Wir müssen nach vorn schauen“, sagte Gutsbesitzer Christopher Kirsch. „Es muss halt irgendwie gehen. Wir kriegen das schon hin.“ Die diesjährige Polo-Saison sei zwar gelaufen und finanziell müsse der Gürtel nun enger geschnallt werden. Aber: „Es wird auch 2018 wieder weitergehen. Die Nachfrage nach Polo ist gestiegen.“

Der Kreis Pinneberg betont derweil, dass es wichtig sei, ruhig zu bleiben, die Situation solle aber auch nicht verharmlost werden. „Ein Grund zur Hysterie besteht nicht“, so Sprecher Oliver Carstens. „Alle erforderlichen Maßnahmen wurden getroffen. Unsere Veterinäre arbeiten die Lage in enger Abstimmung mit dem Polo-Hof konzentriert ab.“ Aber: „Es handelt sich hier um eine unheilbare Krankheit. Und auch wenn sie nicht unbedingt ausbrechen muss und nicht so hochinfektiös ist wie die Geflügelpest, so handelt es sich doch um eine ansteckende Tierseuche, deren Ausbreitung unbedingt zu verhindern ist.“ Kirsch betont zusätzlich, dass Menschen – auch Spaziergänger mit Hunden – keine Angst haben müssten, sich Gut Aspern zu nähern. „Das ist eine reine Pferdekrankheit.“ Auch bei der betroffenen Stute sei die das Virus nicht ausgebrochen. Das Tier habe Antikörper gebildet.

Die Stimmung bei anderen Pferdehaltern rund um Groß Offenseth-Aspern sei zwiegespalten, wie Birte Glissmann, Pressewartin des Reit- und Fahrvereins Lutzhorn, berichtete. „Die einen sind sehr entspannt. Die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung ist eher gering.“ Eine Bremse müsse schon mehrfach dasselbe Pferd stechen, um die Krankheit zu übertragen. Andere Pferdebesitzer seien mehr in Sorge. Von Einschränkungen durch den Ausbruch der Seuche sei der Verein ihres Wissens nach nicht betroffen. Das liege daran, dass die Sperrzone nur einen Radius von einem Kilometer habe – dem Einzugsgebiet einer Bremse.

Darauf weist auch Hans-Joachim Ahsbahs vom Morgenländer Hof in Bokel hin. „Wir sind nicht von Einschränkungen betroffen. Wenn der Radius aber an die zehn Kilometer gehen würde, wäre es schwierig, alle Pferde aufzustallen.“ Auf ihrem Hof kümmern sich Hans-Joachim und Deike Ahsbahs um die Zucht und Ausbildung von Pferden. 100 Tiere leben dort, davon 20 eigene. „Klar macht man sich Gedanken“, sagt Ahsbahs mit Blick auf die ausgebrochene Krankheit. „Wir hoffen, dass das betroffene Pferd die Krankheit nicht weiterverbreitet hat.“

Die betroffene Zuchtstute war laut Kirsch in den vergangenen Tagen eingeschläfert worden. Am vergangenen Montag seien erneut alle Tiere des Guts auf die Krankheit getestet worden. Die Ergebnisse würden Ende nächster Woche vorliegen. „Wir hoffen darauf, dass sie negativ sind.“ Denn finanziell sei der Hof hart getroffen. So habe es zusätzlich zum Ausfall der Polo-Turniere zu Beginn des Jahres eine höhere Steuernachzahlung gegeben, zudem sei ein großer Polo-Sponsor in Düsseldorf abgesprungen. Zwei Mitarbeiter hätten bedauerlicherweise schon entlassen werden müssen.„Das trifft richtig“, so Kirsch. Froh sei er darüber, dass man auf dem Hof selbst züchten könne. Kirsch hofft, bei negativen Einhufer-Blutarmut-Tests und dem Ablauf der Sperre das Zuchtprogramm nach vorn zu bringen und mit dem Training der Pferde fortfahren zu können. Denn die Tiere seien schließlich auch das Kapital des Hofs.

Die Ansteckende Blutarmut der Einhufer  – auch Equine infektiöse Anämie (EIA) genannt – ist  laut Friedrich-Loeffler-Institut eine systemische Viruserkrankung, die Pferde, Ponys, Esel, Maultiere und Zebras betrifft. Menschen sind nicht gefährdet. Hauptverbreitungsgebiete der unheilbaren Infektionskrankheit sind Nord- und Südamerika, Afrika, Asien, Australien sowie Süd- und Osteuropa. In Deutschland treten nur vereinzelte Fälle auf. Die Infektion erfolgt laut Institut vor allem über den Austausch von Blut. Als Überträger fungieren vorrangig große blutsaugende Insekten wie Pferdebremsen, die das Virus von erkrankten wie auch von gesund erscheinenden Virusträgern weiterverbreiten können. Eine Übertragung  über Distanzen von mehr als 100 bis 200 Metern komme nicht vor. Eine direkte Übertragung von Tier zu Tier setze einen sehr engen direkten Kontakt voraus.
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