Grund- und Gemeinschaftsschule Barmstedt : Kein Geld für digitale Medien

Politik lehnt weitere Ausstattung für die Grund- und Gemeinschaftsschule ab. Grund: Stadt kann sich die 140.000 Euro nicht leisten.

shz.de von
17. Juli 2015, 10:00 Uhr

Barmstedt | Der Versuch von Schulleiter Bernd Poepping, „seine“ Barmstedter Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS) mit mehr digitalen Medien auszustatten, ist vorerst gescheitert. Dafür habe die Stadt kein Geld, entschied der Schulausschuss. Laut Poepping würde die gewünschte Austattung – acht Smartboards (siehe Info-Kasten) für die Grundschule und weitere Tablets für alle Klassenstufen – in diesem Jahr 37.000 und in den folgenden Jahren bis 2018 jährlich etwa 33.000 Euro kosten, insgesamt also etwa 140.000 Euro. Zu viel, befanden die Politiker. „Es ist positiv, dass Sie diese innovativen Ideen haben“, sagte Patrick Laas (SPD). „Aber Investitionen in dieser Größenordnung können und dürfen wir uns zurzeit nicht leisten.“

Poepping hatte argumentiert, der Umgang mit digitalen Medien sei mittlerweile „eine Schlüsselkompetenz. Sie begegnen uns überall, und viele Schüler haben schon in der Grundschule ein Smartphone und einen Internetzugang.“ Bildung sei das Wichtigste, und „um nicht hinterherzuhinken, müssen die Schüler alles bekommen, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein“. Hinzu komme, dass die Recherche im Internet für die Schüler „ein Mittel zur Motivation“ sei. Zurzeit verfüge die GGS über 48 Internet-Plätze für die 1000 Schüler, sagte Poepping. „Das ist noch zu wenig, da müssen wir nachrüsten.“ Auch die Kollegen stünden hinter den Vorhaben und seien bereit, sich fortzubilden, betonte er.

Christian Schönfelder (FWB) bezweifelte indes, ob die Digitalisierung schon für Grundschüler notwendig und sinnvoll sei. „In dem Alter sollten Kinder vielleicht erstmal lesen und schreiben lernen.“ Auch Günter Thiel (BALL) äußerte Bedenken. „Ist es die zentrale Aufgabe von Schulen, Kinder im Umgang mit digitalen Medien zu schulen?“, fragte er.

Anke Bothe, Leiter der James-Krüss-Schule, berichtete von Erfahrungen der Rellinger GGS, die komplett mit Smartboards ausgestattet sei. „Am Anfang waren viele Lehrer nicht begeistert, aber nach einigen Monaten schon“, so Bothe. Grundsätzlich seien Tablets ab der dritten Klasse sinnvoll.

Problematisch sei auch die mikrobielle Belastung, die von den Geräten ausgehe, sagte Thiel. „In Hamburg hat das Bundesamt für Strahlenschutz die Digitalisierung in Schulen deshalb gestoppt. Bei einzelnen Geräten ist es wohl nicht so schlimm, aber bei 20 in einer Klasse schon.“

In Anbetracht der finanziellen Lage der Stadt und der Ermahnung der Kommunalaufsicht, nicht zwingend notwendige Investitionen zu unterlassen, beschloss der Ausschuss schließlich mehrheitlich, die Mittel vorerst nicht bereitzustellen. Ganz vom Tisch soll das Vorhaben aber nicht sein: Später könne wieder über das Thema diskutiert werden, so die Politiker.

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