Kein bisschen amtsmüde

Siegfried Winter ist seit 2003 Bürgermeister in Hörnerkirchen.
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Siegfried Winter ist seit 2003 Bürgermeister in Hörnerkirchen.

Bürgermeister Siegfried Winter (CDU) lenkt seit 2003 die Geschicke der Gemeinde Brande-Hörnerkirchen

shz.de von
20. Juli 2018, 16:00 Uhr

Sie sind Chefs und Repräsentanten ihrer jeweiligen Kommunen: 15 Bürgermeister und Bürgermeisterinnen machen in der Stadt Barmstedt sowie den Ämtern Rantzau und Hörnerkirchen größtenteils ehrenamtlich ihre Arbeit. Unsere Zeitung stellt im Zuge einer die Serie die Menschen vor, die hinter den Ämtern stehen. Heute: Siegfried Winter aus Brande-Hörnerkirchen.

Seit 2003 ist Christdemokrat Siegfried Winter Bürgermeister von Brande-Hörnerkirchen. Auch nach 15 Jahren ist von Amtsmüdigkeit bei ihm nichts zu spüren. Zum Gespräch mit unserer Zeitung lädt der 69-Jährige in seinen Garten ein. Vögel zwitschern, Wasser plätschert und Winter erzählt von den Projekten, die er sich für die kommenden fünf Jahre vorgenommen hat. Wobei er stets von „wir“ spricht, nie von „ich“. Ohnehin betont Winter die gute Zusammenarbeit im Gemeinderat, in dem neben der CDU, der der Bürgermeister angehört, als zweite politische Kraft die SPD vertreten ist.

Der neue Edeka-Markt, das Bauvorhaben an der Rosentwiete und der Wohnpark im Grünen sind drei Projekte, die in der Gemeinde noch lange Zeit Thema sein werden. Läuft alles nach Plan, wird Winter bei allen drein die Vollendung noch als Bürgermeister miterleben. „Dies wird meine letzte Amtszeit sein“, kündigt er an. In fünf Jahren, zur nächsten Kommunalwahl 2023, werde er 74 Jahre alt sein – da sei es dann Zeit für einen Generationswechsel.

„Es ist schön, dass wir schon jetzt so viele junge Leute in der CDU haben“, sagt Winter mit Blick auf dem bereits begonnen Umbruch bei den heimischen Christdemokraten. Das Wahlergebnis, das Hökis CDU die absolute Mehrheit bescherte, sieht er als Erfolg und Bestätigung seiner Arbeit. Und wieder geht es um das „Wir“: „Das wirklich gute Miteinander in der Gemeindepolitik ist mir ganz wichtig.“

Generell sei er „kein Parteimensch“. Winter kommt eher aus der kirchlichen Ecke. Bis heute ist er als Tenor im Kirchenchor aktiv, 30 Jahre war er Mitglied im Kirchenvorstand.

Das Singen ist bei Winters ein wichtiger Bestandteil des Alltags. Schon bei seinen Eltern seien „zu allen drei Hauptmahlzeiten zwei Strophen aus Kirchenliedern gesungen“ wurden, erzählt der 69-Jährige. Winter ist auf einem Bauernhof in Bokelseß geboren worden. Dort lebt er bis heute. Gemeinsam mit seiner Frau Marlis, die die Flüchtlingsarbeit im Amtsgebiet koordiniert. Und mit Kindern und Enkeln. „Sieben Personen sind wir hier zurzeit“, sagt Winter über seinen Dreigenerationenhof. 1972 übernahm er den Hof, 2004 übergab er ihn an seinen Sohn.

Familie ist ihm nicht nur wichtig sondern hat „einen extrem hohen Stellenwert“. Der gelernte Landwirtschaftsmeister hat vier Kinder und neun Enkel. Und obwohl Winter auf einem Hof lebt, der rundherum von Wiesen und Weiden umgeben ist, legt er Wert auf „gute Nachbarschaft“. Still ist es in seinem Garten. Kein Auto ist zu hören. Natur pur. „Ich habe nie die Sehnsucht verspürt, in einer Großstadt leben zu wollen“, sagt er im Brustton der Überzeugung. Auch seine Frau fühle sich auf dem Land pudelwohl – „obwohl sie aus Berlin kommt“.

Vor genau zehn Jahren führte unsere Zeitung ein Interview mit Siegfried Winter. Auf die Frage, worüber er sich richtig aufregen könne, sagte er damals: „Viel Gerede und wenig Taten“. Freuen würde er sich hingegen über „Menschen, die mitdenken und anpacken“. Vor Verantwortung hat sich Hörnerkirchens Bürgermeister nie gescheut. Ehrenamtlichkeit war dabei immer eine Selbstverständlichkeit. Ein gutes Jahrzehnt war er Hilfsrichter am Schleswiger Sozialgericht. Bis heute ist er Vorsitzender des Vereins „Kreuz und Quer“, den er 1999 aus der Taufe gehoben hatte.

Auf die Frage, was andere Menschen von ihm lernen könnten, sagte Winter vor zehn Jahren: „Fröhlichkeit.“ Diese Freude am Leben ist dem 69-Jährigen nach wie vor anzumerken. Winter lacht gern und gesteht sich zu, „dass ich nicht immer alles richtig mache“. Fehler gehörten dazu. Im Leben, in der Politik, in der Freizeit. Apropos Freizeit: Zeit für Hobbys bleibt auch noch. Winter spielt Trompete. 56 Jahre schon. Eigentlich sollte er als Kind Klavier lernen. „Aber das war nichts für mich“. Also stieg er um. Ganz unaufgeregt.

Genau so erzählt er auch von seinen politischen Erfolgen der zurückliegenden Jahre als Bürgermeister von Brande-Hörnerkirchen. Der Breitbandausbau gehört zweifellos dazu. Im Zusammenspiel mit den Stadtwerken Neumünster wurden amtsweit Glasfaserkabel verlegt, die den Norden des Kreises Pinneberg fit für die Zukunft machen sollen. Auch das Flüchtlingshaus neben dem Landhaus Mehrens erwähnt er. Das sei inzwischen „voll belegt“ und wie erhofft „gemischt besetzt“. Ein gelungenes Integrationsprojekt für Flüchtlinge und Einheimische, die sich keine teure Wohnung im Hamburger Speckgürtel leisten können.

Gefragt nach seinem Lebensmotto sagte Winter vor zehn Jahren: „Alles im Leben hat seine Zeit.“ Dieses In-sich-ruhen ist eine seiner Stärken. Der 69-Jährige ist spürbar mit sich im Reinen. Politik, Kirche, Privatleben. Auf diese drei Säulen stützt sich seine Welt. Und daran wird sich sicherlich auch in den fünf Jahren nichts ändern, die als Bürgermeister noch vor ihm liegen.

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