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Barmstedter Zeitung

18. November 2017 | 17:07 Uhr

Karpfenernte am Bokeler Teich

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

AbfischenDieses Mal in kleinerem Rahmen

Für Reinhold Abel war es der „Tag der langen Arme“. Auf jeden Fall war es der Tag der Wathosen und der dreckigen Hände, Arme und Gesichter. Vor allem Hannes Müller und Phil Marx sahen bald aus, als hätten sie sich im Matsch gesuhlt. Die beiden jungen Männer standen an einem großen Tisch, auf den kescherweise geschüttet wurde, was aus dem See kam: Modder, Laub und Karpfen. Die Fische zappelten und spritzten dabei den Dreck auf die Arme und Gesichter. Es nützte ihnen nichts, sie wurden in Bütten geschoben, die Bütten per Handwagen hinters Hotel zum Teich gefahren. Für viele der Karpfen ging es von dort aus auf die Waage und dann war es das: Hans brauchte nur wenige Sekunden, um einen zappelnden Fisch mit einer Keule zu töten, mit einem langen Messer aufzuschlitzen und auszunehmen.

Abfischen in Bokel – das war viele Jahre lang ein Volksfest, das mit Herbstmarkt mehr als zehntausend Besucher anlockte. Bis Rainer Erich, Besitzer des Bokeler Sees und des daran liegenden Hotels, die Bremse zog: „Das beißt sich mit dem Hotelgeschäft, die Gäste kommen nicht ans Hotel ran“. Im vergangenen Jahr wurde zwar auch abgefischt, aber ohne öffentliche Veranstaltung. In diesem Jahr unternahm Erich das „Experiment“, das Abfischen im kleineren Rahmen zu halten: Nur ein Bierstand und ein Wurstgrill waren aufgebaut, die Besucherzahl hielt sich in Grenzen. Aber gleich drei Fernsehteams berichteten von der Karpfenernte. Ein großes Fest ist das Abfischen auf alle Fälle für die rund 20 Helfer, die teilweise seit Jahrzehnten dabei mitmachen. „Wir freuen uns freitagabends, wenn wir uns treffen“, erzählte Reinhold Abel aus Lübeck.

Dorf-Elektriker Günter Pohlmann regulierte am Mönch den Abfluss des restlichen Wassers aus dem See. Der Mönch ist ein Betonbauwerk, durch das der Bach abfließt, der vorher den Bokeler See durchquert. Vor dem Abfischen wurde der Wasserstand des Sees über sechs Wochen abgesenkt, bis nur noch der Bachlauf Wasser führte. Am Sonnabend zog Pohlmann die letzten Bretter aus ihren Führungen, das Bachwasser lief durch ein Rohr unter dem Wall am Seeufer hindurch. Am Auslass des Rohres war ein Netz befestigt. Zunächst kam vor allem Laub durch das Rohr, die Karpfen kämpften im See noch gegen die Strömung an. Aber von hinten schoben Carsten Bohn aus Osterhorn und Lars Hauschildt aus Barmstedt Drahtgestelle durch den Bach und schnitten den Rückweg ab, so dass schließlich die allermeisten Fische im Netz landeten. Zur Freude des Feinschmeckers: „Wegen des Bachs müssen die Fische nicht gewässert werden“, der gefürchtete modrige Karpfen-Geschmack komme in Bokel nicht vor, schwärmte Rainer Erich.

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