Frischlinge in Bokel : „Junge Tiere sollten auf jeden Fall im Wald gelassen werden“

Lea und Lilli kümmern sich derzeit intensiv um die Frischlinge, die Spaziergänger am Bokeler See gefunden hatten. Der Hegering I hatte die Tiere vermittelt, appelliert anlässlich des Verhaltens der Spaziergänger aber: Wildtiere sollten im Wald gelassen werden.
Lea und Lilli kümmern sich derzeit intensiv um die Frischlinge, die Spaziergänger am Bokeler See gefunden hatten. Der Hegering I hatte die Tiere vermittelt, appelliert anlässlich des Verhaltens der Spaziergänger aber: Wildtiere sollten im Wald gelassen werden.

Spaziergänger finden drei Wildschweine und nehmen sie mit. Jäger helfen bei der Unterbringung und rufen zur Umsicht auf.

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13. März 2018, 12:15 Uhr

Barmstedt | Zwei Mädchen und ihre Schützlinge: Lea und ihre Schwester Lilli aus der Region Barmstedt kümmern sich derzeit intensiv um drei Frischlinge. Vor etwa zwei Wochen waren die kleinen Wildschweine zu ihnen gebracht worden. Spaziergänger hatten sie allein am Bokeler See gefunden, mit nach Hause genommen, nur um dann aber festzustellen, dass sie sich gar nicht um sie kümmern können. Also rief die Familie bei der Polizei an, die wiederum die Jäger des Hegerings I verständigten. Sie vermittelten die Tiere weiter, nun kümmert sich das Geschwisterpaar um die Frischlinge. Hinsichtlich des Verhaltens der Spaziergänger weisen die Jäger aber darauf hin: „Junge Tiere sollten auf jeden Fall im Wald gelassen werden“, sagt Philip Alsen, Pressesprecher des Hegerings I.

Happy End, aber keine ideale Lösung

Etwa drei Wochen alt, noch im braun-beige gestreiften Pyjama, ziemlich quirlig und mit einem gesunden Appetit: Das sind die Tiere, um die die beiden Mädchen sich jetzt kümmern. „Mehrmals am Tag brauchen sie eine große Schüssel Spezialfutter“, erzählt die acht Jahre alte Lea. Und ihre Schwester Lilli ergänzt: „Danach ist immer alles eingesaut.“ Seit etwa zwei Wochen leben die Frischlinge unter Rotlicht in einem warmen Stall. Ein Happy End, aber keine ideale Lösung, sagen die Jäger: „Wenn Wildtiere von Menschen aufgezogen werden, ist es immer ein Kompromiss“, berichtet Jan Hachmann, der Leiter des Hegerings 1. „Denn selbst wenn eine Auswilderung später möglich wäre, so ist das Tier doch auf den Menschen geprägt. Von Menschen aufgezogenen Kitzen zum Beispiel fehlt meist auch als erwachsenes Reh die Scheu vor Menschen und Hunden. Ricken werden häufig gerissen und manche Böcke greifen sogar Spaziergänger an, weil sie diese als Eindringlinge in ihr Revier betrachten.“ Besser wäre es gewesen, die Frischlinge im Wald zu lassen, betont Pressesprecher Alsen, da die Mutter normalerweise wiederkomme. Sei man sich als Spaziergänger unsicher, sei es auch möglich die weitere Situation zu beobachten.

Warum die drei kleinen Frischlinge alleine am Bokeler See herumliefen, kann Hegeringleiter Hachmann nur vermuten: „Dort sind viele Spaziergänger mit ihren Hunden unterwegs.“ Möglich sei es, dass einer der Hunde die Bache verscheucht habe. Wenn das der Fall gewesen war, müsse es allerdings eine noch sehr junge, komplett unerfahrene Bache gewesen sein: „Wildschwein-Mütter haben sehr ausgeprägte Instinkte, sind sehr kämpferisch und können, wenn ihr Nachwuchs in Gefahr ist, für Hunde und Spaziergänger gefährlich werden.“

Wie die Zukunft der drei kleinen Frischlinge aussieht, weiß der Jäger noch nicht: „Das Gesetz verbietet das Auswildern von Tieren die Schaden anrichten können“, sagt er. Bleiben Zoos oder Wildparks. „Eine Lösung für die drei haben wir noch nicht, sicher aber ist, dass es ihnen gut gehen wird. Dafür werden Lea und Lilli schon sorgen.“

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