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Barmstedt : John Mülverstedt geht in den Ruhestand

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Nach 35 Jahren als selbstständiger Friseur in Barmstedt hat sich John Mülverstedt an Weihnachten aus dem Berufsleben zurückgezogen.

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2016 | 16:00 Uhr

John Mülverstedt hat an Weihnachten um 12 Uhr die Türen seines Friseursalons zum letzten Mal abgeschlossen. Nach 49 Jahren – 35 davon als selbstständiger Friseur in der Stadt – zieht sich der 64-jährige Barmstedter aus dem Berufsleben zurück. „So richtig verstehen werde ich es auch erst, wenn ich den Salon zwischen Weihnachten und Neujahr leerräume“, sagt er. Der Friseurmeister hat Generationen von Barmstedtern die Haare geschnitten. Nun verabschiedet er seit drei Wochen seine Kunden; einige gehen sogar mit Tränen in den Augen.

Am 1. Mai 1982 hatte Mülverstedt seinen Salon am Kuhberg 10 in Barmstedt eröffnet. 1992 folgte der Umzug in die Räume in der Feldstraße 6, wo noch heute die Barmstedter frisiert werden. Seine Meisterprüfung hatte der 64-Jährige am 20. Dezember 1976 in Hamburg abgelegt. Erlernt hat der gebürtige Barmstedter sein Handwerk aber in Elmshorn. „Ich hatte mit Erwin Prieß einen guten Lehrmeister“, sagt Mülverstedt. „Ich war sein erster Lehrling.“ Während seiner Lehre sei er immer wieder zum Preis-Frisieren gewesen und habe schnell Spaß daran gefunden, so Mülverstedt. „Trainiert wurde nach der Arbeit. Es hat mich nach vorn gebracht.“ Und Freude an seinem Job habe er auch nach 49 Berufsjahren weiterhin. „Es macht immer noch Spaß. Ich würde es immer wieder tun“, sagt er über seine Entscheidung, sich zum Friseur ausbilden zu lassen.

Mülverstedt schätzt, dass er in seinem Berufsleben etwa 50 000 Mal Kunden die Haare geschnitten hat. Immer an seiner Seite: Seine Frau Jutta. „Wir haben das immer zusammen gemacht. Meine Frau hat mir den Rücken freigehalten, die Kunden betreut und sich um alles rundherum im Salon gekümmert. Sie ist die gute Seele des Ladens.“ Zum Friseurhandwerk kam der Barmstedter unter anderem über seine Großeltern. „Ich komme aus einer Friseurfamilie. Schon mein Großvater ist hier Friseur gewesen.“

Verändert habe sich „sein“ Handwerk in den vergangenen knapp 50 Jahren eher wenig. „In der Mode kommt alles in abgewandelter Form neu wieder“, sagt er. Im Gegensatz zu den 70er-Jahren sei heutzutage aber der Individualismus stark ausgeprägt. Jeder habe seine individuelle Frisur. Der Job sei dadurch noch vielseitiger und interessanter geworden. Technische Revolutionen habe der Beruf kaum erlebt. „Wir schneiden immer noch mit Schere und Kamm“, so Mülverstedt.

Als Friseur komme man den einzelnen Menschen sehr nahe, sagt er. „Das ist eine Vertrauensgeschichte. Wir dürfen Menschen anfassen.“ Als Friseur müsse man daher auf Menschen zugehen und mit ihnen umgehen können. „Der Mensch muss sich wohlfühlen.“

Für alle seine sechs Mitarbeiter gebe es nach Schließung des Salons Perspektiven, so Mülverstedt weiter. Einige kämen beispielsweise in anderen Läden unter oder gingen selbst in Rente. Alle hätten sich über Jahre hinweg bis zum letzten Tag für den Salon eingesetzt, so Mülverstedt. Daher sei der Abschied auch so emotional.

Der Friseurmeister wird sich in seiner neu gewonnenen Freizeit an einen Ort zurückziehen, an dem er sich besonders wohlfühlt: seinen Wintergarten. „Meine Frau und ich fahren zudem gern Fahrrad“, so Mülverstedt. Dem Hobby will das Paar künftig intensiver nachgehen. Der Barmstedter schwärmt zudem für Skandinavien. „Norwegen ist ein Wunschland, das ich noch stärker kennenlernen möchte“, sagt er.

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