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Barmstedter Kino gerettet : „Jetzt sind auch die Bürger gefragt“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Stadt gibt das nötige Geld für die Modernisierung - aber langfristig müssen die Besucherzahlen stimmen.

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Die monatelange Hängepartie ist vorbei. Seit gestern steht fest: Das Barmstedter Kino kann weiterleben. Betreiber Reinhard Klietz unterschrieb am Vormittag einen Vertrag mit der Stadt, der ihm die Anschaffung eines etwa 48 000 Euro teuren Projektors ermöglicht, der für die von Klietz angestrebte Digitalisierung des großen Saal notwendig ist (wir berichteten). Die Stadt übernimmt demnach 45 Prozent der Kosten (21 600 Euro) und gewährt Klietz ein Darlehen über 16 400 Euro. Den Restbetrag zahlt er so. „Das Ganze ist zu unserer vollsten Zufriedenheit gelöst worden“, sagte Klietz, der im Vorfeld stets betont hatte, keinen Kredit aufnehmen zu wollen. Dass er doch eingewilligt habe, liege daran, dass ihm die Stadt sehr entgegengekommen sei. „Es ist ein absolut fairer Vertrag, da konnte man nicht Nein sagen. Und es sind alle Risiken bedacht.“

Am 23. September soll der Projektor eingebaut werden. „Den hatte ich mir schon reserviert, als sich eine Lösung abzeichnete“, so Klietz. Drei Tage später soll der erste Film im großen Saal digital abgespielt werden. „Dann werden wir bild- und tontechnisch auf dem modernsten Stand sein“, freut sich Klietz – der sich bei der Politik für die Unterstützung und bei der Verwaltung für die schnelle Umsetzung des Beschlusses bedankt.

Mithilfe der neuen Technik werde er künftig publikumswirksame Filme wesentlich früher als bisher erhalten, sagte Klietz. „Statt nach 14 bis 16 Wochen schon nach drei bis sechs.“ Sein Programm werde er aber nicht grundlegend ändern, betonte er. Den einen oder anderen Blockbuster mehr als bisher werde er wohl zeigen, „aber ansonsten bleibt alles, wie es ist, vor allem bei den Kinderfilmen“. Und auch 3 D-Filme werde es nicht geben.

Der von mehreren Politikern und Bürgern geäußerten Idee, einen Förderverein für das Kino zu gründen, stehe er offen gegenüber, sagte Klietz – mit einer Einschränkung: „In die Filmauswahl würde ich mir nicht reinreden lassen. Denn wer das Programm aus der Hand gibt, gibt den Betrieb aus der Hand.“

Für einen Förderverein müsste sich vor allem erst einmal jemand finden, der ihn ins Leben rufen würde – und das scheint nicht so einfach. „Stadtvertreter aller Fraktionen haben Unterstützung für einen Verein signalisiert und würden sich entsprechend einbringen, wenn sich eine Initiative findet“, teilte Stadtsprecher Wolfgang Heins mit – doch selbst gründen würden sie ihn nicht, wie die Anfragen unserer Zeitung ergaben. Als Begründung hieß es meist, es sollte nicht der Eindruck entstehen, es könnten politische Interessen hinter der Arbeit des Vereins stecken.

„Wenn sich drei, vier, fünf Leute finden, die einen Verein gründen wollen, wäre das super, und wir würden das natürlich unterstützen“, sagte etwa SPD-Ortsvereinschef Stefan Bolln. „Der Verein wäre auch enorm wichtig, um die Identifikation der Barmstedter mit ihrem Kino zu erhöhen.“ Ein einzelner Betreiber habe es schwer, „aber mit 20 Leuten im Rücken sähe das schon anders aus.“ Ein Förderverein könne „eine große Hilfe für die längerfristige Existenz des Kinos sein“, sagte FWB-Fraktionschef Michael Schönfelder. Wichtig sei dabei aber, „dass die Mitglieder das mit einer gewissen Freude machen“.

CDU-Fraktionschef Hauke Johannsen sieht auch Klietz in der Pflicht. „Er muss sich auch selbst bemühen, Leben ins Kino zu bringen. Es nützt ja nichts, wenn wir was fördern, und das wird dann nicht angenommen.“ Zudem seien die Bürger gefragt: „Es liegt an ihnen, das Kino zu nutzen – am besten natürlich noch mehr als bisher.“ Das sieht auch die Verwaltung so. „Letztlich erhalten die Gäste das Kino“, sagte Heins.

Verwaltung, FWB, CDU, SPD, BALL und Grüne begrüßten den Erhalt des Kinos als „wichtigen kulturellen Faktor in der Stadt“. SPD-Fraktionschef Hans-Christian Hansen bleibt trotz aller Freude skeptisch. „Ich denke, das Gemeindeprüfungsamt wird den hohen städtischen Anteil an der Finanzierung kritisch sehen und uns dafür Auflagen aufdrücken“, sagte er. Es dürfte „bei der Begründung der Förderung schwierig werden, das Kino vom Eisladen abzugrenzen“. Das sieht Schönfelder anders: „Es ist zwar ein Privatbetrieb, aber mit wichtigen kulturellen Angeboten.“

Heins erklärte, das Saturn-Kino habe sich „ mit diversen Aktionen wie Angeboten zu Sucht- und Gewaltprävention oder den Schulfilmtagen hervorgetan“. Für Letztere, die im November stattfinden werden, lägen bereits mehr als 900 Anmeldungen vor, berichtete Klietz stolz. Bevor er nachschob, „dass es jetzt wieder Eintrittskarten-Gutscheine gibt“. Fast ein Jahr lang hatte er darauf verzichtet – weil nicht sicher war, wie lange sein Kino noch leben würde.

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