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Barmstedter Zeitung

20. Oktober 2017 | 11:01 Uhr

Bokel : Jäger zählen weniger Wildunfälle

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

330 Wildreflektoren im Norden des Kreises Pinneberg zeigen ihre Wirkung.

shz.de von
erstellt am 18.Mär.2015 | 12:00 Uhr

Brande-Hörnerkirchen | Sie hängen mittlerweile an einigen Stellen der Kreisstraße 2 zwischen Lutzhorn und Bokel oder der Landesstraße 112 zwischen Groß Offenseth-Aspern und Brande-Hörnerkirchen. Und sie wirken, sagen die Jäger des Hegerings 1. 330 blaue Wildreflektoren haben sie während der vergangenen Monate an den Straßen im Norden des Kreises Pinneberg angebracht. „Die Unfallzahlen sind rapide zurückgegangen“, sagte Hegeringsleiter Hermann Maaß-Hell im Vorwege der Jahreshauptversammlung des Hegerings 1 im Ringhotel Bokel-Mühle.

Festmachen lasse sich der Erfolg unter anderem an der L  112, so Pressesprecher Philip Alsen. 2013 habe man noch 19 Unfälle an der Straße registriert, im Jahr 2014 sei es nur noch einer gewesen, berichtete er. „Die Wildunfälle sind drastisch zurückgegangen. Dennoch werden im Hegering 1 jährlich rund 100 Rehe totgefahren und weitere 30 bis 40 angefahren“, so Alsen weiter. „Teils überleben sie, teils sterben sie später an inneren Verletzungen und werden dann im Revier gefunden.“

Die 330 Reflektoren habe die Jägerschaft auf eigene Kosten angeschafft, so Maaß-Hell. Etwa 1250 Reflektoren sollten es insgesamt sein, noch sei aber kein Sponsor gefunden. Um zu testen, ob das blaue Licht auch eine Wirkung auf Hasen hat, hätten die Jäger bislang hochpreisigere Reflektoren für 5,50 Euro pro Stück angeschafft. „Die Spiegelung des Lichts kann auch vom Boden aus gesehen werden“, so Maaß-Hell.

Seit zwei Jahren erstellt die Jägerschaft zudem ein sogenanntes „Totfund-Kataster“, um den tatsächlichen Erfolg der Reflektoren statistisch zu erfassen. Anfang Mai sollen die Daten ausgewertet sein. Ab diesem Jagdjahr gibt es im Hegering 1 außerdem eine revierübergreifende Wildfolgevereinbarung. „Künftig kann bei einem Verkehrsunfall im Hegering 1 jeder Jäger aus dem Hegering 1 gerufen werden, um das angefahrene Tier schnell von seinen Leiden zu erlösen. Bisher durften das nur die Revierinhaber. Fremde Reviere waren für die Jäger rechtlich tabu, weil das den Tatbestand der Wilderei erfüllt hätte“, so Alsen.

Scharfe Kritik äußerte Hegeringsleiter Maaß-Hell während der Jahreshaupversammlung an der geplanten Änderung des Naturschutzgesetzes, die vorsieht, dass künftig jedermann ein Betretungsrecht für nicht genutzte Flächen haben soll. „Zum einen ist es vielen Spaziergängern unmöglich zu erkennen, ob Flächen im Frühjahr eingesät sind oder nicht. Zum anderen ist es schon fast ein Verstoß gegen den Tierschutz, wenn man in den Brut- und Setzzeiten eine derartige Beunruhigung aller freilebenden Tiere zulässt“, sagte er. Außerdem unterliege das Jagdrecht und das Jagdausübungsrecht in Europa dem Grundeigentum: „Rein rechtlich ist es gar nicht hinnehmbar, dass künftig jeder über das Grundstück eines anderen gehen darf, ohne zu fragen.“ Sollte die derzeit geplante Änderung tatsächlich in Kraft treten, appelliert die Jägerschaft an alle Naturnutzer, auf die Ruhezonen der wildlebenden Tiere Rücksicht zu nehmen. Maaß-Hell: „Nicht alles, was rechtlich erlaubt ist, muss man auch tun. Zum Naturschutz gehört eben auch, den Tieren ihre Ruhezonen zu lassen.“

Unzufrieden sind die Jäger überdies mit der aus ihrer Sicht vorschnellen Entscheidung, in Schleswig-Holstein ab dem 1. April nur noch bleifreie Kugelmunition verwenden zu dürfen, so Alsen. Grund dafür: Bleifreie Munition sei derzeit technisch noch nicht so ausgereift und hat teilweise eine schlechtere Wirkung als die bisher genutzte Bleimunition. Außerdem sei das Abprallverhalten unkontrollierbar.

Grundsätzlich haben die Jäger des Hegerings 1 nichts gegen die Umstellung, so Alsen. Man hätte es aber besser gefunden, bundeseinheitlich zu einem Zeitpunkt umzustellen, an dem alle bis jetzt vorhandenen Sichterheits- und Tierschutz-Probleme der Bleifrei-Munition beseitigt seien. Zudem müsse der Schießstand der Jäger in Heede aufgrund der neuen Munition entsprechend umgebaut werden, was mit erheblichen Kosten verbunden sei.

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