zur Navigation springen

Bokholt-Hanredder : Jäger suchen Sponsoren für Wild-Reflektoren

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Jäger wollen Autofahrer und Tiere auf Straßen im Hegering I vor Unfällen schützen. Das Projekt kostet etwa 16.000 Euro.

Bokholt-Hanredder | Etwa 1250 blaue Reflektoren zum Schutz vor Wildunfällen wollen die Jäger des Hegerings I an den Straßen im Norden des Kreises Pinneberg anbringen. Doch das Projekt stockt derzeit: Ein Sponsor – ein norddeutsches Versicherungsunternehmen – sei auch bereits gefunden gewesen, habe seine Zusage aber wieder zurückgezogen, teilten Hegeringsleiter Hermann Maaß-Hell und Pressesprecher Philip Alsen jetzt mit. Die Begründung des Unternehmens: Man sei für die Sicherheit auf den Straßen nicht zuständig. Die Kosten für Maßnahmen zu übernehmen, die andere treffen müssten, setze ein falsches Zeichen. Aus diesem Grund suchen die Jäger jetzt einen neuen Sponsor.

Die Kosten für das Projekt sind laut Maaß-Hell überschaubar: Exakt 1257 Reflektoren im Wert von jeweils 5,30 Euro bräuchte man, um alle Straßen in den zehn zum Hegering I gehörenden Orten abzusichern. Hinzu kämen 72 Leitpfähle für 12,50 Euro in der Gemeinde Osterhorn, 20 in Lutzhorn, 16 in Klein Offenseth-Sparrieshoop und 32 in Bokholt-Hanredder. „Insgesamt kämen Kosten von etwa 16 000 Euro auf uns zu“, sagt Maaß-Hell. Für das Aufstellen und die Pflege würden keine Kosten anfallen: „Das würden die Jäger übernehmen.“

Dem Argument, dass die Wirksamkeit der blauen Wildwarn-Reflektoren noch gar nicht bewiesen sei, treten die Jäger entschieden entgegen: „Der schleswig-holsteinische Landesjagdverband testet die Reflektoren seit zwei Jahren und verzeichnet auf allen Teststrecken 60 bis 90 Prozent weniger Wildunfälle“, so Maaß-Hell. Und auch auf den vom ADAC unBokterhaltenen Teststrecken würden ähnliche Erfolge erzielt werden.

Für jeden Autofahrer sei es eine schlimme Vorstellung plötzlich ein Reh oder einen Hirsch vor sich auf der Straße zu haben. „Dieses Jahr vermuten wir fünf Hirsche zwischen Brande und Barmstedt“, so Alsen. „Wir haben immer wieder Fährten gefunden. Zudem hat mittlerweile die Paarungszeit der Rothirsche begonnen.“

Wer trägt später die Verantwortung, wenn man nichts tut, um Unfälle zu verhüten? Für den Sprecher der Jägerschaft liegt die Verantwortung je nach Straßentyp beim Land, dem Kreis oder der Gemeinde. Die aber wollten davon nichts wissen, so Maaß-Hell: „Nach Gesprächen und vielen Erklärungen haben wir zwar die Genehmigung erhalten, an den auf den Landes- und Kreisstraßen vorhandenen Leitpfosten Reflektoren anzubringen, von einer Kostenübernahme oder zumindest einer finanziellen Beteiligung aber möchte niemand etwas wissen.“ Dabei sei auch den Mitarbeitern der Straßenbaulastträger das Problem bewusst, und auch sie würden gerne Reflektoren anbringen – doch würden sie aus Kiel kein Geld dafür erhalten.

Einigen Gemeindevertretern sei das Thema ebenfalls nicht wichtig. Auch in Ortschaften wechsele das Wild die Straßenseite. Dort aber würden aus Kostengründen die beim Mähen hinderlichen Leitpfosten entfernt werden, die man braucht, um einen Reflektor zu befestigen, so der Hegeringsleiter in seiner Mitteilung.

„Mit Ausnahme von Lutzhorn und Bokholt haben alle Gemeinden entschieden, dass ein Schutz vor Wildunfällen grundsätzlich zwar wünschenswert, unterm Strich aber zu teuer sei, und nur Arbeit mache. Schließlich muss dann jemand beim Mähen vom Trecker steigen, um den Pfosten rauszuziehen und ihn später wieder in die Hülse zu stecken“, so Maaß-Hell.

Das Projekt „Wildwarn-Reflektoren“ hat im Hegering I im Augenblick Priorität. Um zumindest einige Unfallschwerpunkte abzusichern, haben die Jäger jetzt 330 Reflektoren bestellt und aus eigener Tasche bezahlt. „Wenn der Mais weg ist, suchen die jetzt noch in den Feldern stehenden Tiere neue Einstände“, berichtet Uwe Lohmann, Revierpächter in Barmstedt. „Spätestens dann wird es auch bei uns wieder krachen.“
Karte
zur Startseite

von
erstellt am 10.Sep.2014 | 15:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen