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Barmstedter Zeitung

23. Oktober 2017 | 19:27 Uhr

Kreis Pinneberg : Ist der Wolf zurück?

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Immer wieder Hinweise auf Wölfe in der Region. Noch ist im Kreis Pinneberg kein Wolf nachgewiesen. Beim Untersuchen möglicher Spuren kommt es auf Schnelligkeit an.

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2015 | 16:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Ob Pfotenabdrücke in Brande-Hörnerkirchen oder mehrere plötzliche Wild-Unfälle zwischen Langeln und Heidmoor sowie Heede und Hoffnung: Hinweise darauf, dass Wölfe sich im Kreis Pinneberg aufgehalten haben könnten, gibt es einige. Ein echter Nachweis fehle bislang aber, berichtet Hans-Albrecht Hewicker, Wolfsbetreuer aus Bokholt-Hanredder. „Es gibt viele Hinweise, auch konkrete, aber keine Bestätigung“, sagte er.

Die Wolfsbetreuer seien an allen Spuren, Losungen oder Rissen interessiert, die auf einen Wolf hinweisen könnten. „Je häufiger die Wolfsbetreuer benachrichtigt werden, desto größer ist die Chance“, sagt Hewicker. Schleswig-Holstein sei auf die Ankunft der Tiere gut vorbereitet, trotzdem habe er das Gefühl, dass noch zu wenige Informationen bei den Wolfsbetreuern einträfen. „Wir wissen von den Dänen, dass dort 19 verschiedene Wölfe nachgewiesen sind“, sagt er. Die Tiere müssten vorher durch Schleswig-Holstein gewandert sein. „Es sind also mehr Wölfe hier durchgekommen als wir mitbekommen haben.“ Wer etwas sehe, solle sich daher in jedem Fall beim Wolfsinformationszentrum melden.

Landesweit hat es in jüngster Zeit zwei Nachweise für Wölfe in Schleswig-Holstein gegeben. Außerdem kam es vergangene Woche zu einem  Angriff auf eine Schafsherde bei Rodenbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Etwa 30 Schafe und Lämmer wurden dabei gerissen. Ob ein Wolf oder ein Hund die Herde angegriffen hat, ist bislang nicht geklärt. Erste Ergebnisse der Untersuchungen seien frühestens in der nächsten Woche zu erwarten, hieß es.

War es ein wilder Hund oder ein Wolf?

Pfotenabdrücke – gefunden in Brande-Hörnerkirchen – stellen Jäger, Landwirte und Wolfsbetreuer derzeit vor ein Rätsel. Anfang März hatte ein Landwirt morgens bemerkt, dass drei seiner Pferde über Nacht aus ihrer Koppel ausgebrochen waren. Dabei hatten sie einen Zaun auf einer Länge von etwa 300 Metern niedergerissen. Sechs Pfähle waren abgebrochen, ein Eckpfahl aus dem Boden gerissen. „Da war richtig Druck drauf“, sagt der Landwirt. Freiwillig würden die Pferde das nicht tun. „Die Tiere sind in Panik geraten.“ Doch was hat die Pferde so sehr in Panik versetzt?

Laut Hans-Albrecht Hewicker, Wolfsbetreuer aus Bokholt-Hanredder, könnte der Vorfall durch einen Wolf ausgelöst worden sein. Am Morgen nach dem Ausbruch der Pferde seien Spuren gefunden worden, die von einem Wolf stammen könnten – aber auch von einem Hund. „Das lässt sich nicht unterscheiden“, sagt Hewicker. „Wir brauchen einen längeren Spurenverlauf.“ In der Region seien häufig nur verstreute Abdrücke zu finden. Auf Truppenübungsplätzen mit ihren sandigen Böden – wie zum Beispiel bei Bergen im Landkreis Celle – oder im Schnee sei die Spurensuche einfacher.

Das Ereignis in Brande-Hörnerkirchen ist dabei nur ein Mosaikstein in einem großen Bild möglicher Wolfssichtungen. In anderen Regionen Schleswig-Holsteins sind die Tiere bereits nachgewiesen worden, im Kreis Pinneberg bislang nicht. „Ja, Hinweise gibt es“, sagt Hewicker, „aber Nachweise in diesem Sinne gibt es nicht.“

Zur gleichen Zeit des Ereignisses in Brande-Hörnerkirchen habe ein Jäger im Süden des Kreises Pinneberg in einer sogenannten Spritzspur ebenfalls Abdrücke gefunden. „Das passt von den Maßen“, so Hewicker. „Aber der Spurenverlauf ist von der Spritzspur vorgegeben und sagt auch nichts aus.“

Viele Hinweise kommen von Spaziergängern
oder Landwirten

Um einen Nachweis für einen Wolf zu erbringen, ist vor allem Schnelligkeit gefragt. Hinweise träfen bei ihm unter anderem von Spaziergängern oder Landwirten ein, sagt Hewicker. „Das passiert meistens aber leider zu spät“, bedauert er. „Wenn jemand eine Spur findet und sich erst drei Tage später meldet, ist das zu spät.“ Ein Riss müsse ebenfalls frisch sein, um anhand des Speichels DNA-Proben nehmen zu können. Zwölf Stunden lang sei das Zeitfenster dafür. „Auch das kann schwierig sein“, sagt Hewicker.

Wölfe seien außerdem über ihre Losung (Kot) identifizierbar, so der Wolfsbetreuer weiter. „Sie nutzen sie zur Markierung – häufig mitten auf Wegen oder Kreuzungen“, berichtet der Experte. Sei der Kot nicht älter als zwölf Stunden und habe es nicht geregnet, bestehe die Möglichkeit einer DNA-Analyse. Weiter auffällig: „Markant für eine Wolfslosung ist der hohe Anteil an Haaren von Kleintieren, die er frisst.“ Bei Hunden seien normalerweise keine Haare zu finden. Auch Hinweise dieser Art wären sehr interessant. „Wie bei einem Riss ist das Ganze aber sehr zeitempfindlich“, sagt Hewicker.

Wer eine Spur gesichtet hat, kann sich laut Hewicker beim Wolfsinformationszentrum des Wildparks Eekholt (siehe Info-Kasten) melden. 38 Wolfsbetreuer gebe es derzeit in Schleswig-Holstein. „Sie bemühen sich, all diesen Hinweisen nachzugehen“, so der Wolfsbetreuer aus Bokholt-Hanredder. Er und seine Kollegen seien aber auch Ansprechpartner bei Fragen und Problemen. Schäfer, Jäger, Landwirte, Pferde- und Haustierbesitzer – all diese Gruppen würden den Wolfsbetreuer als Ansprechpartner nutzen. Was muss ein Schäfer tun, um bei einem Riss Ersatz vom Land zu bekommen? Was gibt es für Fördermöglichkeiten für Schutzmaßnahmen? Diese und weitere Fragen beantworten die Wolfsbetreuer, so Hewicker.

Diese Spuren wurden nach dem Ausbruch der Pferde in Brande-Hörnerkirchen entdeckt. Ob es sich dabei um die Abdrücke eines Wolfs oder eines Hundes handelt, ist nicht ermittelbar.  (Foto: PT)
Diese Spuren wurden nach dem Ausbruch der Pferde in Brande-Hörnerkirchen entdeckt. Ob es sich dabei um die Abdrücke eines Wolfs oder eines Hundes handelt, ist nicht ermittelbar. (Foto: PT)
 

Nachdem im März 2007 der erste wilde Wolf, der nach 200 Jahren seine Pfoten auf den Boden von Schleswig-Holstein gesetzt hatte, bei Eutin (Kreis Ostholstein) überfahren worden war, habe man sich mit dem Thema Wolf intensiv auseinander gesetzt, so Hewicker. Das Land sei auf die Initiative des Landesjagdverbands hin daher gut vorbereitet gewesen, als weitere Tiere auftauchten. „Trotzdem habe ich das Gefühl, dass zu wenig Informationen bei uns ankommen“, meint Hewicker. Als Beispiel nennt er das Nachbarland Dänemark: „Wir wissen von den Dänen, dass dort 19 verschiedene Wölfe nachgewiesen sind. Die müssen auch durch Schleswig-Holstein gelaufen sein. Es sind also mehr Wölfe hier durchgekommen als wir mitbekommen haben.“ Daher sollten Beobachtungen auf jeden Fall gemeldet werden, sagt Hewicker, „damit wir den Überblick behalten und die Schäfer warnen können“. Die Zahl der Hinweise, die er erhalte, sei unterschiedlich. „Manchmal gibt es monatelang nichts, dann wieder eine ganze Reihe.“

Wildunfälle würden beim Wolfsmonitoring nicht auftauchen, so Hewicker weiter. Aber auch ein Blick darauf sei interessant, wie er anhand eines Beispiels aus dem vergangenen Oktober erläutert. So habe es auf der Kreisstraße 48, die von der B4 bei Langeln nach Heidmoor im Kreis Segeberg führt, innerhalb kurzer Zeit gleich sechs Unfälle mit Wild gegeben – die einzigen im gesamten Jahr dort. Hinzu komme unter anderem eine mögliche Sichtung eines Taxifahrers auf der L  114 zwischen Brande-Hörnerkirchen und Bokel. Auch dort stelle sich die Frage: War es ein Wolf oder ein wilder Hund? Vier weitere Reh-Unfälle zwischen Heede und Hoffnung binnen einer Woche sprächen ebenfalls dafür, dass in dieser Zeit ein Wolf oder ein wilder Hund in der Region unterwegs war. „Deswegen ist jede Beobachtung höchst interessant“, betont Hewicker.

Auf der Internet-Seite des Wolfsinformationszentrums finden sich Vorlagen zur Meldung von Wölfen. Sie können an das Wolfsinformationszentrum im Wildpark Eekholt, Eekholt 1, 24623 Großenaspe, oder per Mail an wolfsbetreuer@wildpark-eekholt.de geschickt werden. Für die Meldung von Hinweisen gibt es zudem eine Notfallnummer; sie lautet 0174-6330335.
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