Innenstadt: Ärger über Falschparker

Typische Szene in Barmstedts Innenstadt: Der VW vor Glismann (links) steht im Halteverbot. Der Ford (rechts) muss auf den Gehweg ausweichen.
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Typische Szene in Barmstedts Innenstadt: Der VW vor Glismann (links) steht im Halteverbot. Der Ford (rechts) muss auf den Gehweg ausweichen.

Senioren kritisieren: Autofahrer zwingen Fußgänger und Radler zu riskanten Ausweichmanövern / Polizei verwarnt auch ohne „Ticket“

shz.de von
23. Mai 2015, 15:57 Uhr

Das Auto hält vor Glismann, die Fahrerin steigt aus und geht – über die Straße – zu Rossmann. Nur kurz etwas einkaufen. Derweilen kurven draußen Radfahrer und andere Autos um ihren Wagen herum. Dass sie im Halteverbot steht, weiß die Fahrerin vermutlich nicht mal. Alltag in Barmstedts Innenstadt – zum Ärger vor allem der Senioren, die ihren Unmut während der jüngsten Sitzung ihres Beirats äußerten.

„Die parken vor Rossmann oder vor dem Blumenladen, und Mütter mit Kinderwagen müssen auf die Fahrbahn ausweichen. Und die Polizei geht vorbei und tut nichts“, schimpfte Dieter Kammann. Außerdem hielten sich viele Autofahrer nicht an das Tempolimit. In der verkehrsberuhigten Innenstadt sind maximal 20 Stundenkilometer erlaubt. „Viele fahren aber schneller“, sagte Kammann. Besonders gefährlich sei es an der schlecht einsehbaren Einmündung Küsterkamp/ Marktplatz, ergänzte Annemarie Wresz. „Da düsen manche mit mindestens 30, 40 um die Ecke, ohne Rücksicht auf Fußgänger.“

Manfred Schildt, stellvertretender Leiter der Barmstedter Polizeistation, wies den Vorwurf der Untätigkeit zurück. „Wir schreiben auch Falschparker auf, ohne denen einen Zettel an die Windschutzscheibe zu klemmen“, sagte er. Außerdem würden die Beamten viele Autofahrer direkt ansprechen. „Die meisten sind dann auch einsichtig, wenn sie erfahren, dass sie auf dem Gehweg stehen.“ Manchmal könne es allerdings sein, dass die Polizei Falschparker ignoriere, sagte Schildt: Nämlich dann, „wenn wir schnell zu einem Einsatz müssen“.


HGB: Marktplatz zum Parken freigeben


Doch nicht nur Autofahrer missachteten die Verkehrsregeln, wie Barmstedts Polizcichef Peter Kroll anmerkte. Ein Problem seien auch die Radfahrer, „die in der Innenstadt in der falschen Richtung unterwegs sind“.

Theoretisch könnte auch die Stadt den ruhenden Verkehr überwachen und so die Polizei entlasten. Gespräche darüber habe es bereits 2012 gegeben, teilte Stadtsprecher Wolfgang Heins mit. Doch nach Prüfung der notwendigen Voraussetzungen – Genehmigung durch den Innenminister, Beschaffung der EDV-Systeme, Kosten für die Mitarbeiter – habe die Politik die Idee im vergangenen Jahr verworfen.

Da die meisten Autofahrer anscheinend nicht wissen, dass sie verbotenerweise auf einem Gehweg parken – der sich nur durch eine leicht unterschiedliche Pflasterung von der Fahrbahn unterscheidet – und viele Kunden gern so nah wie möglich vor den Läden parken wollen, plädiert der Handels- und Gewerbeverein (HGB) dafür, in der Innenstadt mehrere Kurzzeitparkplätze einzurichten – oder gleich den Marktplatz zum Parken freizugeben. „Das gab’s früher auch, und der Platz wird ja nur einmal in der Woche zum Wochenmarkt genutzt“, sagte HGB-Chef Axel Clausen. Die nahe gelegenen Parkplätze der Supermärkte „reichen den Kunden nicht. Die wollen am liebsten in die Geschäfte reinfahren.“

Kurzzeitparkplätze wird es wohl nicht geben: „Auch das wurde geprüft und von der Politik abgelehnt“, so Heins. Und ob Parkplätze auf dem Marktplatz das ,Schnell-mal-eben-Halten’ vor Rossmann & Co. verhindern würden, darf bezweifelt werden.  .  .

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