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Strandbad : In diesem Jahr kein Badespaß im Rantzauer See

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Werkleiter entscheidet: Das Strandbad wird nicht geöffnet – obwohl die Wasserqualität zurzeit gut ist.

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Barmstedt | Das Strandbad Rantzauer See wird in dieser Saison nicht öffnen. Das hat Barmstedts Stadtwerkeleiter Fred Freyermuth am Mittwoch auf Anfrage der Barmstedter Zeitung mitgeteilt. Zurzeit ist die Wasserqualität zwar laut einem Gutachten – das die Stadt bei einem Bioanalytiklabor in Auftrag gegeben hatte – in Ordnung. „Aber diese Bewertung ist absolut kurzsichtig. Es geht doch darum, wie es sein wird, wenn wir über Tage und Wochen hinweg 20 bis 25 Grad haben“, sagte Freyermuth. Er gehe davon aus, dass die Wasserqualität spätestens dann „wieder so schlecht sein wird wie letztes Jahr“. Ein Badegewässer müsse höhere Temperaturen verkraften können, „aber das kann der See zurzeit nicht“.

Außerdem sei die Schwermetallbelastung des Sees bedenklich hoch, sagte Freyermuth. „Wenn man sich die Werte anschaut, sieht man das Problem.“ Darüber hinaus entziehe die wachsende Schlammschicht dem See Sauerstoff, was die Bildung von Blaualgen begünstige. Aus diesen Gründen habe er sich entschieden, das Bad gar nicht erst zu öffnen, sagte Freyermuth. Stattdessen solle die Zeit genutzt werden, um den zerzausten Rasen zu sanieren. „Das wollten wir sowieso gern.“

Die Politik hatte bereits das grundsätzliche Okay für die Rasensanierung gegeben – hätte das Bad allerdings gern so lange wie möglich geöffnet. Doch daraus wird nichts. „Ich habe es jetzt so entschieden und werde das im nächsten Werkausschuss mitteilen“, sagte Freyermuth.

Für die SPD steht trotzdem fest: „Der See muss Badesee bleiben – das ist nicht verhandelbar.“ Unter diesem Motto hatte der Ortsverein zu einem Fachgespräch in den „Seegarten“ eingeladen. Die etwa 50 Besucher diskutierten darüber, ob die hohe Zahl der Kanadagänse zur schlechten Wasserqualität beiträgt und wie sie gesenkt werden könnte. Abschießen sei keine Lösung und am See nicht erlaubt, sagte Kreisjägermeister Wolfgang Heins. Selbst bei einer Sondergenehmigung machten zu viele Passanten sowie die nahe Umgehungsstraße und Bebauung das Schießen mit Schrot unmöglich. Kreisnaturschutzbeauftragter Hans-Albrecht Hewicker erklärte, Jäger müssten kontinuierlich arbeiten. Das sei in Barmstedt versäumt worden. Auch er hält die Jagd auf die Gänse für nahezu unmöglich. „Menschen halten sich selbst im Wald nicht an Absperrungen“, sagte er. Wie sollte das bei einer großräumigen Sperrung im am See funktionieren? „Wer hier mit einer Flinte auftaucht, wird als Mörder beschimpft“, sagte er.

Vertreiben ließen sich die Gänse nur, wenn über Lautsprecher Todesangstschreie der eigenen Artgenossen ertönten, so Heins. Das sei aber nicht von Dauer. Hewicker schlug vor, über andere Lösungen nachzudenken. Vielleicht sei eine Entschlammung eine Maßnahme, um den Nährstoffgehalt aus dem Gewässer zu holen.

Jürgen Wulf (Verwaltung) berichtete, dass laut einer Untersuchung 18.000 Kubikmeter Schlamm aus dem See geholt werden müssten. „Das sind knapp 11.000 Kubikmeter Trockenmasse, die Lagerfläche benötigt – das kostet weit mehr als eine Million Euro“, sagte er. Das Problem sei „vielschichtiger als nur Gänse und Enten“, sagte auch er und plädierte dafür, die von der Politik in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie abzuwarten. „Alles andere ist Kaffeesatz-Leserei.“

Henning Mohr, Mitglied in der AG Wasserrahmenrichtlinie, plädierte für einen Schilfgürtel am Damm, der die Krückau vom See trennt. Das Schilf würde Nährschichten aus dem Wasser ziehen.

2013 hatte das Strandbad wegen hoher Blaualgenbelastung mehrfach für mehrere Tage und schließlich ganz schließen müssen. Das Wachstum der Algen wird durch die Hinterlassenschaften der Kanadagänse begünstigt – deren Zahl sich auf 200 bis 300 beläuft. Die Gänse werden landesweit bejagt. 1994 sind in Schleswig-Holstein laut den Jägern 78 Kanadagänse erlegt worden, 2013 bereits 1345.
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