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Barmstedt : In den Kitas wird das Personal knapp

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Zu wenig qualifizierte Bewerber: Die Barmstedter Kindertagesstätten haben Probleme, freie Stellen zu besetzen.

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2013 | 16:00 Uhr

Jeden Tag Lärm und Geschrei, stundenlang. Häufig bücken, schwer heben, viel laufen. Schuhe binden, Windeln wechseln, aufräumen. Formulare ausfüllen, genervte Eltern beruhigen. Ihr Beruf verlangt Erzieherinnen einiges ab. Für durchschnittlich 2200 Euro brutto im Monat. Nach drei, teilweise sogar sechs Jahren Ausbildung. Die Folgen spüren auch die Barmstedter Kitas: Sie haben zunehmend Probleme, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

„Die Bewerbersituation ist schlecht“, sagt Patrick Laas, Leiter der Awo-Kita. Erst seit Ende April sei sein Team wieder komplett, „worüber wir sehr froh sind. Vorher war es katastrophal.“ Es werde zunehmend schwerer, „den Stand zu halten“ und offene Stellen neu zu besetzen, bestätigt Adelheid Ritter, Leiterin des evangelischen Kindergartens Bahnhofstraße. „Unser letztes Verfahren war sehr, sehr schwierig. Es gab nur acht Bewerber, von denen wir fünf nicht ernsthaft in Erwägung ziehen konnten.“ Schließlich sei eine Mitarbeiterin gefunden worden, „aber im gesamten Kirchenkreis gibt es die gleichen Probleme“.

Dass viele Bewerber nicht ausreichend qualifiziert seien, beklagte auch Doris Renner, Leiterin der Arche-Noah-Kita. „Wir hatten auf unsere Stellenanzeigen ziemlich maue Rückmeldungen. Einige scheinen das nicht ernst zu nehmen und zu denken: ,Ach, das kriege ich auch so hin, wozu brauche ich da eine Ausbildung?’“ Für die neue Krippe mit 20 Kindern, die im November den Betrieb aufnehmen soll, habe sie das Personal aber schon zusammen, sagte Renner. „Das lief früh über Mund-zu-Mund-Propaganda.“

Auch in der Rasselbande-Kita ist die Personalsituation zurzeit entspannt. „Das liegt daran, dass wir sehr wenig Wechsel und viele Praktikanten haben“, erklärte Leiterin Heike Engel. „Wir nehmen aber wahr, dass Erzieher Mangelware sind und es daher in vielen Einrichtungen Personalmangel gibt.“ Wenn hingegen in der Rasselbande eine Stelle frei werde, „gibt es meist schon jemanden, der seinen Fuß in der Tür hat“. Was daran liegen könnte, dass der Personalschlüssel besser ist als in den anderen Barmstedter Kitas. „Wir haben wegen der Waldgruppe und den altersgemischten Gruppen kleinere Gruppen mit 15 bis 16 Kindern, die jeweils von zwei Erziehern betreut werden“, erklärt Engel. Dass die Beiträge dennoch nicht höher sind, liege daran, dass die Eltern mit anpacken müssen. „Es gibt bestimmte Dienste, die geregelt sind, zum Beispiel Kochen und Gartenarbeit“, so Engel. Der Umfang sei zwar „überschaubar, aber viele wollen oder können das trotzdem nicht und nehmen dann größere Gruppen in Kauf“.

Hörstürze und Rückenleiden

In einer regulären Kita sollen laut Ritter nach dem Kindergartengesetz von 1991 auf eine Gruppe mit 16 bis 18 Kindern rechnerisch 1,5 Erzieher kommen. „Das bedeutet in der Praxis, dass eine Erzieherin einen halben Tag mit der Gruppe allein ist. Und in der Regel sind nicht 16 bis 18, sondern 20 bis 22 Kinder in einer Gruppe.“

Während die Anforderungen an die Arbeit der Erzieher „politisch gewollt“ stets stiegen, hätten die Rahmenbedingungen sich nicht verändert, sagt Ritter. Dieses Auseinanderklaffen von Wunsch und Wirklichkeit zeige sich in den vermehrten „Verschleißerscheinungen“, mit denen die Mitarbeiter zu kämpfen hätten. „Die körperlich harte Arbeit führt zum Beispiel zu Hörstürzen und Rückenleiden.“ Erschwerend komme hinzu, dass viele Kinder heute verhaltensauffälliger seien als früher. „Die Erzieher sind zwar auch besser ausgebildet als früher, aber trotzdem bedeutet das natürlich mehr Arbeit.“

Sie und ihre Kollegen wünschen sich, „dass sich die Bedingungen für den Erzieherberuf viel schneller und radikaler verbessern“, sagt Ritter. Dazu gehöre sowohl das Gehalt als auch die gesellschaftliche Akzeptanz des Berufs, der von vielen immer noch gering geschätzt werde. Sollte sich nichts ändern, werde sich wohl ein Trend verschärfen, der seit einiger Zeit zu beobachten sei, fürchtet Ritter: „Viele Erzieher gehen nach ihrer Ausbildung gar nicht erst in diesen Job – weil sie gemerkt haben, was für ein hartes Brot das ist.“

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