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Bahnübergänge in Barmstedt : „Immer muss erst was passieren“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach der tödlichen Tragödie: Die Bahnübergänge am Bornkamp und Beim Reihergehölz sollen beschrankt werden - die Bürokratie bremst das Verfahren jedoch aus.

Grünes Licht für neue Schranken: Die Barmstedter Stadtvertreter haben die Mittel für die zusätzliche Sicherung der AKN-Übergänge Bornkamp und Beim Reihergehölz am Dienstagabend einstimmig genehmigt.

Während der Einwohnerfragestunde hatte zuvor Karl-Heinz Naujoks Bürgermeisterin Heike Döpke mehrere Listen mit Unterschriften von 1900 Bürgern überreicht, die sich für Schranken am Bornkamp einsetzen. Es bringe ihm seinen Sohn nicht zurück, „aber in der Nähe wohnen viele Familien mit kleinen Kindern. Deshalb müssen da Schranken hin!“ Am 3. Oktober war Naujoks’ Sohn Thorsten auf dem unbeschrankten Übergang von einer AKN erfasst worden, nachdem er offenbar das Blinklicht übersehen hatte. Es war nicht der erste tödliche Unfall: 1987 starben an der gleichen Stelle zwei junge Mofafahrer.

Nach dem Tod ihres Vaters hatte Naujoks’ Tochter Anika die Unterschriftenlisten in zahlreichen Barmstedter Geschäften ausgelegt – und sie ständig austauschen müssen, weil sie so schnell voll waren. Mit Hilfe der Unterschriften wollte die 16-Jährige nötigenfalls ein Bürgerbegehren anstrengen, um den Wunsch nach Schranken zu verwirklichen. Doch das wird wohl nicht mehr nötig sein: Die AKN signalisierte umgehend Zustimmung, und jetzt ist auch die Stadt offiziell beteiligt. Nun fehlt noch die Zusage des Landes, das ein Drittel der Kosten tragen müsste. „Der Entscheidung kann ich zwar nicht vorgreifen, aber es gibt positive Signale, und ich gehe davon aus, dass der Bedarf dringend gesehen wird“, sagte Döpke.

Und zwar nicht nur für den Bornkamp: Im gleichen Zug soll auch der AKN-Übergang Beim Reihergehölz beschrankt werden. „Wir haben das tragische Unglück zum Anlass genommen, auch dort Schranken zu fordern“, sagte Döpke. Deren Bau wäre allerdings erheblich teurer, weil die Straßenführung geändert werden müsste. Statt 150 000 Euro wie am Bornkamp würde das Vorhaben etwa 350 000 Euro kosten. „Wir müssen dort außerdem noch die genauen Eigentumsverhältnisse klären“, sagte Döpke. Am Übergang verläuft die Grenze zu Bokholt-Hanredder. „Die Schranken dürfen auf keinen Fall daran scheitern, dass zehn Quadratzentimeter Bokholt-Hanredder gehören“, mahnte Günter Thiel (BALL). Er sei aber optimistisch. „Ich gehe von einem guten Ende aus.“

Beide Vorhaben sollen so schnell wie möglich umgesetzt werden, betonte Döpke. „Dafür werden wir alles tun.“ Die AKN werde das notwendige Planfeststellungsverfahren „sofort“ in die Wege leiten. Erfahrungsgemäß werde es aber dennoch mehrere Monate dauern, räumte sie ein. Die Politiker begrüßten das schnelle Handeln der Verwaltung und die „enorme Unterstützung“ durch die Bürger. Bei ihm mische sich in die Betroffenheit – „es ist eine einzige Tragödie“ – aber auch „Wut und Empörung“, sagte Michael Schönfelder (FWB). 20 Jahre lang sei es nicht möglich gewesen, die Übergänge zu beschranken. „Und jetzt geht es auf einmal ganz schnell.“ Daran zeige sich „wieder einmal, dass erst etwas Schlimmes passieren muss, ehe gehandelt wird“. Dabei hätten unbeschrankte Bahnübergänge an wenig befahrenen Straßen schon immer ein „erhöhtes Unfallrisiko“ dargestellt, so Schönfelder. „Das war damals nicht anders als heute.“ Der Übergang am Bornkamp war zuletzt im Juni von Vertretern der AKN und der Behörden besichtigt worden. Ihr Urteil: Schranken sind nicht nötig.

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erstellt am 24.Okt.2013 | 12:00 Uhr

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