Ihr Glück begann beim Kinderfest

Glücklich nach 60 Jahren Ehe: Ursula und Eduard Vollstedt feierten gestern ihre Diamante Hochzeit.
Glücklich nach 60 Jahren Ehe: Ursula und Eduard Vollstedt feierten gestern ihre Diamante Hochzeit.

Ursula und Eduard Vollstedt sind seit der Barmstedter Traditionsveranstaltung 1949 ein Paar / Gestern feierten sie Diamantene Hochzeit

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11. Juli 2014, 14:11 Uhr

„Der ist zu mager“, meinten ihre Eltern. „Aber er hat schöne Augen“, entgegnete sie. Wie der Disput endete, zeigte sich gestern einmal mehr: Das junge Paar von damals – die Barmstedter Ursula und Eduard Vollstedt – feierte Hochzeitstag. Zum 60. Mal.

Beide kennen sich seit ihrer Kindheit. „Er war der Nachbarsjunge meiner Freundin“, erzählt Ursula Vollstedt. Ein Paar wurden sie 1949, nach dem Barmstedter Kinderfest. „Eduards und meine Eltern waren bei den Eltern meiner Freundin eingeladen. Uns wollten sie los sein“, berichtet Vollstedt, die damals 15 war, ein Jahr jünger als ihr späterer Ehemann. „Der Abend der Kinderfeste war damals ein Tanz- und Festabend für die ältere Generation. Da ging es immer hoch her. Aber wir hatten keine Lust, zum Abschluss auf den Marktplatz zu gehen. Also gingen wir zum Rudern.“

Die ersten Jahre ihrer Beziehung seien nicht leicht gewesen, so Vollstedt: Der Alltag war hart. „Es waren schlechte Zeiten damals. Ich habe Apothekenhelferin gelernt, aber aus unserer Berufschulklasse wurde keine nach der Lehre in ein Arbeitsverhältnis übernommen. Eduard verdiente als Maschinenschlosserlehrling zwei Mark in der Woche.“ 1954 heirateten sie. Und fanden eine Bleibe im Haus ihrer Eltern. „Weil Oma gestorben war, waren zwei Zimmer frei geworden.“

Um Geld zu verdienen, baute Eduard Vollstedt seiner Frau 1955 eine kleine Holzbude auf Rädern: die Hülle für einen Kiosk, den sie neben ihrem Elternhaus am Bahnhof Brunnenstraße eröffnete. „Geöffnet war von morgens um 5 Uhr bis abends 22 Uhr“, erzählt Vollstedt. Wegen der guten Resonanz habe der Laden bald vergrößert werden müssen. Erst 1990, nach fast 35 Jahren „mit viel Spaß als Kauffrau“, hörte sie auf.

Eduard Vollstedt war als junger Ehemann neun Jahre lang europaweit auf Montage unterwegs. „Das hat gutes Geld gebracht, und wir haben jede Mark, die wir entbehren konnten, auf die Bank getragen, denn wir wollten unbedingt ein Haus bauen“, so Vollstedt. Im August 1962 zogen sie in den Neubau ein – „aber es war nicht so wie heute, dass alles komplett eingerichtet war. Das Geld war knapp, und jedes Stück, das wir anschaffen konnten, war ein Erfolgserlebnis“, so Vollstedt. Doch die Widrigkeiten hatten auch ihr Gutes, meint sie rückblickend: „Das schweißt zusammen. Da weiß man, was man aneinander hat.“

1963 gab Eduard Vollstedt die Montage-Fahrten auf und wechselte zur Lufthansa-Technik in Hamburg. 30 Jahre Schichtdienst seien „auch nicht immer Zuckerschlecken gewesen“, sagt seine Frau. „Aber die Lufthansa war sein Leben, genau wie sein Garten in der Freizeit.“ Sie unternahm ausgedehnte Radtouren – „durch die Natur stromern, das war meins“ – und gründete später die Woopies, eine Radfahrgruppe für „Senioren, die gut drauf sind“. Das große gemeinsame Hobby des Paares ist das Reisen. „Unsere Silberhochzeit haben wir auf Hawaii gefeiert“, so Vollstedt. Andere Ziele seien die Niagarafälle, New York und die amerikanischen Nationalparks gewesen. „Und einmal im Jahr ging es immer nach Mallorca.“ Weite Reisen seien mittlerweile nicht mehr möglich, bedauert Vollstedt. Aber wenn sie Lust auf Abwechslung hätten, „dann fahren uns unsere Kinder an die Ostsee“. Das Paar hat zwei Söhne und eine Tochter und freut sich zudem über drei Enkel und zwei Urenkelinnen.

Vollstedts Tipp für 60 Jahre Ehe: „Nie die Achtung vor dem Ehepartner verlieren. Zwei Menschen haben auch mal verschiedene Meinungen, aber darüber muss man reden.“ Gefeiert hat das Paar seinen „Diamant-Tag“ gestern Vormittag mit den „Woopies“ und abends im Familien- und Freundeskreis.

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