Barmstedt : Ideenwerkstatt zur Steigerung der Attraktivität

Stefan Bolln (links) moderierte den Abend, den die HGB-Mitglieder Andreas Lenz, Claudia Gaertner, Heike Brinckmann und Lars Kurtzweil (rechts) organisiert hatten. Als Referent berichtete Pinnebergs Wirtschaftsförderer Stefan Krappa (Zweiter von rechts) über seine Erfahrungen mit Stadtmarketing.
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Stefan Bolln (links) moderierte den Abend, den die HGB-Mitglieder Andreas Lenz, Claudia Gaertner, Heike Brinckmann und Lars Kurtzweil (rechts) organisiert hatten. Als Referent berichtete Pinnebergs Wirtschaftsförderer Stefan Krappa (Zweiter von rechts) über seine Erfahrungen mit Stadtmarketing.

80 Bürger waren bei der Ideenwerkstatt des HGB. Kaufleute freuen sich über neue Impulse und wollen die Vorschläge weiterentwickeln.

shz.de von
05. Juni 2014, 10:00 Uhr

Barmstedt | Galloways auf der Lübbingschen Wiese, ein Licht auf dem höchsten Kühlturm der Meierei und ein Erdbeerfest: Das sind nur drei der zahlreichen Vorschläge, die am Dienstag bei der Ideenwerkstatt zur Steigerung von Barmstedts Attraktivität gemacht wurden. Der Handels- und Gewerbeverein (HGB) hatte dazu alle interessierten Bürger in die Kommunale Halle eingeladen – 80 waren erschienen – und war von der Resonanz begeistert. „Es war grandios und hat gezeigt, dass wir den Nagel auf den Kopf getroffen haben“, sagte Mitorganisatorin Heike Brinckmann. Die Vorschläge seien „ein klarer Arbeitsauftrag an uns“.

Mehrere Besucher äußerten den Wunsch nach einer Fußgängerzone in der Innenstadt – etwa ebenso viele sprachen sich aber dagegen aus. Auch mehr Kultur stand auf der Wunschliste: So wurden eine ständige Open-Air-Bühne am See, ein Weinfest und Lesetage genannt. Mehr Fachärzte könnten auch nicht schaden, meinten die Bürger – Lkw in der Innenstadt wollen sie dagegen verbannen. „Das ist besonders für Kinder gemeingefährlich“, sagte Kinderarzt Jörg Benzing, der seit einem Jahr in Barmstedt wohnt. Apropos Arzt: mehr Fachärzte wurden ebenso gewünscht wie eine Gesundheitsmesse.

Barmstedt vernachlässige die Ansiedlung von Gewerbe, kritisierte Egon Stach. „Der Tornescher Bürgermeister zieht einen dicken Fisch nach dem anderen an Land, und hier schlafen sie weiter.“ Der Wunsch sei verständlich, erwiderte Moderator Stefan Bolln. Die Frage sei allerdings, „wo das hin soll“.

Kritik am Ziel, Gewerbe und weitere Einwohner nach Barmstedt zu holen, übte Fritz Schröder. „Wir Alt-Barmstedter wollen hier keine Neubürger haben“, schimpfte er. Da „jede kleine Grünfläche“ zugebaut werde, „ist unsere Stadt heute nicht mehr grün und gemütlich.“

Pinnebergs Wirtschaftsförderer Stefan Krappa – der einen Vortrag über das Thema Stadtmarketing hielt – stellte Barmstedt ein gutes Zeugnis aus. „Als ich heute Nachmittag in der Innenstadt war, war einiges los. Es gibt kaum Leerstände, mehrere Nahversorger, und ausreichend Parkplätze.“ Zu den Umsätzen der Kaufleute könne er zwar nichts sagen, „aber vieles funktioniert, und die Innenstadt lebt“. Damit das so bleibe, müsse sie unbedingt eine Fußgängerzone werden, sagte Stach. „Sonst ist der Einzelhandel in zehn Jahren tot.“ Die örtlichen Händler sehen das indes anders. Sie fürchten vielmehr die Konkurrenz durch das Internet. Man müsse „die Internetkäufer aufrütteln“, lautete einer der Vorschläge.

Nachhaltig etwas zu bewirken, koste allerdings Geld, sagte Krappa. „Die Stadt muss eine Anschubfinanzierung geben.“ Die Stadt Pinneberg fördere die Aktionen des Stadtmarketing-Vereins zwischen 2012 und 2017 mit insgesamt 500.000 Euro. Zwar brächten Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt und der Summer-Jazz auch Geld in die Stadtkasse, „aber in erster Linie geht es darum, die Besucher auf Pinneberg aufmerksam zu machen und die Bekanntheit der Stadt zu erhöhen“. Dafür habe Pinneberg zudem ein Logo und einen Werbeslogan entwickelt. Wichtig sei, dass die Bürger sich mit ihrer Stadt identifizierten, sagte Krappa. „In Pinneberg ist es zum Beispiel so, dass die Leute gern hier leben. Aber ihren Freunden würden sie die Stadt als Wohnort nicht empfehlen.“

Was die Finanzierung möglicher Projekte betreffe, müssten sich zunächst alle einig sein, „dass sie das wollen. Und dann müssen wir gucken, wie wir das auf die Beine stellen können“, sagte Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos). Die Idee, ein Stadtmarketing zu gründen, gebe es bereits seit Ende 2013. „Jetzt müssen wir sehen, dass wir dranbleiben.“ Von Seiten der Verwaltung heiße es jedenfalls: „Leinen los!“

Auch der HGB will den Schwung des Abends nutzen. „Das war ein Impuls, und jetzt muss es weitergehen“, sagte Brinckmann. Zunächst sollen Arbeitsgruppen gebildet werden, die sich mit den diversen Ideen beschäftigen. Dafür hätten sich spontan mehr als 20 Interessierte gemeldet, so Brinckmann. Bolln ist jetzt schon sicher: „Wir werden Pinneberg abhängen. Weil Barmstedt einfach schöner ist.“

Zu Beginn des Abends drückten die HGB-Vertreter jedem Besucher eine Packung mit Tomatensaat in die Hand. Sie solle Querdenken symbolisieren, sagte Heike Brinckmann – und deutete an, dass künftig in der Stadt auch etwas anderes als Blumen und Sträucher sprießen könnte. „Es juckt uns in den Fingern.“
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