Mit Vorher- und Nachherfotos : Historisches Haus in Barmstedt saniert: „Es war Liebe auf den ersten Blick“

Ein Ehepaar aus Hamburg hat ein historisches Haus in Barmstedt gekauft und in jahrelanger Arbeit selbst saniert.

shz.de von
22. Juni 2018, 12:00 Uhr

Barmstedt | „Es war Liebe auf den ersten Blick – man musste nur einen Filter überwerfen und sich vorstellen, wie es mal aussehen könnte“, sagt Benjamin Becker. 2011 hatten seine Frau und er das Haus an der Brunnenstraße in Barmstedt zum ersten Mal besichtigt. „Es war ziemlich heruntergekommen“, erinnert sich Becker, der Architekt ist und bei der Stadt Hamburg im Bereich Denkmalschutz arbeitet.

Wochenlange, akribische Arbeit: Frank Becker reinigt einen der 2500 Dachziegel.
Becker
Wochenlange, akribische Arbeit: Frank Becker reinigt einen der 2500 Dachziegel.

Die Fassade benötigte einen neuen Anstrich, das Dach musste neu gedeckt werden, einige Fenster waren noch original, im Garten lagen Waschbetonplatten, es gab kein Bad – doch all das störte das Ehepaar nicht. „Es hatte totalen Charme, und die Substanz ist super“, sagt Becker. Daher beschlossen sie kurzerhand: Wir kaufen das Haus – und renovieren es selbst.

Stolz auf das Ergebnis: Benjamin Becker (44) und seine Tochter Lolo (11) in ihrem Garten vor dem sanierten Haus.
Elisabeth Meyer
Stolz auf das Ergebnis: Benjamin Becker (44) und seine Tochter Lolo (11) in ihrem Garten vor dem sanierten Haus.

Vorher hatte das Paar mit Tochter Lolo (11) in Hamburg gewohnt. Als Awa (8) geboren wurde, „wollten wir etwas Größeres, aber das war in Hamburg nicht finanzierbar“, sagt Becker. Über einen Makler stießen sie auf das Haus an der Brunnenstraße. „Uns wurde erzählt, dass die vorvorherige Eigentümerin 70 Jahre lang darin gewohnt hat“, sagt Becker. Der nachfolgende Eigentümer habe an dem Haus offenbar nicht viel gemacht. Seine Frau und er dagegen begannen gleich mit der Sanierung.

Zuerst musste ein Bad her. „Es gab nur eine Toilette mit Waschbecken im Treppenhaus, sehr kurios“, so Becker. Ihre Lösung sei jetzt „das schmalste Bad Schleswig-Holsteins“, wie er schmunzelnd meint: ein 70 Zentimeter schmaler Schlauch zwischen Küche und Flur. „Im nächsten Jahr bauen wir oben ein großes Bad ein“, so Becker. Doch zunächst waren die Räume im Erdgeschoss, das Dach, die Fassade und der Garten dran.

Das Haus vor der Sanierung und heute:



Das Dach war noch mit den original Ziegeln gedeckt. „Die haben mein Vater und ich alle runtergeholt und gesäubert“, sagt Becker. 2500 Stück, sechs Wochen Arbeit, zehn Prozent Schwund. „Man hätte es einfacher haben können“, sagt Becker. Aber auch der Dachdecker, der half, die Ziegel wieder zu montieren, war begeistert. „Er meinte, sie seien super, und er würde es sofort wieder so machen.“ Auch die alten Fenster ersetzte das Ehepaar nicht durch Kunststoff-, sondern durch Holzrahmen. „Die sind zwar teurer, werden dem Stil des Hauses aber gerechter und sind viel haltbarer“, sagt Becker.

Blick aus dem Erker – durch neue Holzfenster.
Meyer
Blick aus dem Erker – durch neue Holzfenster.

Die mehr als 100 Jahre alten Fußböden – teilweise Pitchpine, teilweise Fliesen – im Erdgeschoss blieben, wie sie waren. Sie seien quasi unkaputtbar, so Becker. „Wir mussten sie nur einmal überpolieren, das war’s.“ Mehr Arbeit wartete im Garten: Die Waschbetonplatten ersetzte Becker durch Sandsteinplatten, das Gartenhaus riss er ab und baute ein neues im alten Stil. Die Fassade des Wohnhauses erstrahlt nach dem Anstrich in creme statt in gelb, die Holzverkleidung in weiß statt in braun. „Wenn man perfektionistisch ist, muss man die alle paar Jahre neu streichen“, sagt Becker und lacht. Er habe jedenfalls Spaß an der Restaurierung, betont er und erklärt: „Wir hätten das Haus auch plattmachen dürfen.“

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