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Barmstedter Zeitung

24. Oktober 2017 | 06:02 Uhr

Barmstedt : Hilfe für Flutopfer

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Eine bosnische Familie aus Barmstedt will Verwandten im überfluteten Heimatort helfen. Offizielle Hilfe erreicht zuerst größere Orte.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2014 | 16:00 Uhr

Barmstedt | Von den Überschwemmungen auf dem Balkan dürften die meisten Barmstedter nur aus den Medien erfahren haben. Amena und Nedim Dezic sowie ihre Kinder Nermin und Emir erleben die Katastrophe in ihrer Heimat auf dem Balkan aus einem anderen Blickwinkel. Die bosnische Familie, die in Barmstedt lebt, erhält aktuelle Bilder aus ihrer Heimatgemeinde Janja in der serbischen Republik in Bosnien und Herzegowina, wo viele ihrer Verwandten leben.

„Das Wasser stand in den Straßen eineinhalb Meter hoch. Ganze Häuser sind mitgerissen und die Familien obdachlos geworden. Keller und niedrige Stockwerke sind voll Wasser gelaufen“, berichtet Nedim Dezic. In dem landwirtschaftlich geprägten Gebiet würden Tierkadaver das Wasser verseuchen und frei gespülte Landminen eine Bedrohung für die Menschen darstellen. „Die Bewohner dort haben kein Trinkwasser und kaum etwas zu essen“, sorgt sich Familie Dezic.

Die bisherigen, offiziellen Hilfsmaßnahmen würden zuerst in den größeren Orten anlaufen, sagt Nedim Dezic. „In Janja ist bis jetzt nichts angekommen.“ Am liebsten würde er sein Auto mit Wasser und Lebensmitteln vollladen und losfahren. Auch Amena Dezic steckt der Schock noch in den Gliedern. „Drei Tage lang hatten wir überhaupt keine Verbindung zu unseren Verwandten. Wir wussten nicht, ob sie noch leben“, sagt sie, die alle Angehörigen dort hat.

Nedim Dezic erklärt, wie es zur Überflutung des Ortes kam. „Die starken Regenfälle drohten, einen Staudamm in der Drina 40 Kilometer nördlich von Janja platzen zu lassen. Also wurden die Schleusen geöffnet, die Betroffenen jedoch zu spät informiert.“ Durch Janja fließt der gleichnamige Fluss, der hinter dem Ort in die Drina mündet. Die Wohnungen ihrer Verwandten seien unbeschädigt, aber was in den Kellern lagerte, sei durch das Wasser unbrauchbar geworden. Bekannte und Freunde hätten ihr gesamtes Hab und Gut verloren, sagt Nedim Dezic. „Wie kann ich sinnvoll helfen?“ fragt er bekümmert.

Dezic, Landvermesser aus Bosnien, kam vor 19 Jahren als Kriegsflüchtling nach Deutschland. Als Moslem war Dezic von serbischen Orthodoxen, die das Gebiet seiner Heimat ethnisch säubern wollten, in ein Internierungslager gesteckt worden, aus dem ein Verwandter ihn freikaufen konnte. Die muslimische Minderheit wurde in der späteren serbischen Republik verfolgt.

Deutschland war Dezics Ziel, weil dort bereits Verwandte wohnten. Die Schuhmachertechnikerin Amena Dezic, die er 1992 geheiratet hatte, wurde mitten in der Nacht gemeinsam mit anderen muslimischen Frauen und Kindern aus dem Ort gejagt. „Zu Fuß über ein Minenfeld“, erinnert sie sich, die damals den drei Monate alten Nermin auf dem Arm trug und mit ansehen musste, wie Menschen von Minen zerrissen wurden.

Freunde und Verwandte kratzten 40.000 D-Mark zusammen, um die kleine Familie mit Hilfe von Schleusern nach Deutschland zu bringen. Seit 18 Jahren Jahren wohnen sie jetzt in Barmstedt. Das Ehepaar arbeitet in der Meierei. Und jetzt möchten sie den Leuten in ihrem Dorf helfen.

Das Hochwasser auf dem Balkan hatte Mitte Mai mehrere Dutzend Menschen in den Tod gerissen. Wer Familie Dezic unterstützen möchte, kann sich per E-Mail (bzredaktion@ a-beig.de) an die Redaktion wenden. Wir stellen dann den Kontakt her.
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