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Barmstedter Zeitung

15. Dezember 2017 | 16:56 Uhr

Barmstedt : Hilfe für den Schiedsmann

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Stefanie Nagel ist die Stellvertreterin von Werner Münster / Sie arbeitet noch ehrenamtlich als Schöffin

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 14:30 Uhr

Barmstedt | Mit Streitigkeiten kennt Stefanie Nagel sich aus. „Ich habe zwei Katzen – die kriegen sich öfter mal in die Haare“, erzählt sie schmunzelnd. Sie habe es bisher aber immer geschafft, die Streithähne wieder zu besänftigen. Beste Voraussetzungen für ihr neues Amt: Die Chemielaboratin (49) ist seit Kurzem Barmstedts stellvertretende Schiedsfrau.

Die gebürtige Hamburgerin, die mehr als 30 Jahre lang in Elmshorn gewohnt hat, war im März zu ihrem Freund nach Barmstedt gezogen. „Da habe ich gelesen, dass die Verwaltung jemanden als Stellvertreter des Schiedsmanns sucht“, sagt Nagel, die in Hamburg arbeitet. Da sie sich „generell für das Thema Recht“ interessiere und es gut finde, sich ehrenamtlich zu engagieren, habe sie sich spontan gemeldet. Als einzige Bewerberin stellte sie sich im Juni dem Hauptausschuss vor, der sie einstimmig wählte. Mitte September wurde sie vor dem Amtsgericht Elmshorn vereidigt. Im November wird sie ein Einführungsseminar absolvieren, das der Bund Deutscher Schiedsleute anbietet.

Dadurch, dass ihr Beruf nichts mit Recht zu tun habe, habe sie „eine unbelastetere Sichtweise auf die Fälle“, meint Nagel, die in ihrer Freizeit gern Motorrad fährt und sich um ihren Garten kümmert. Streitigkeiten ist sie indes nicht nur von ihren Katzen gewöhnt: Seit sechs Jahren ist sie ehrenamtlich als Hilfsschöffin am Amtsgericht Elmshorn tätig. „Da hört man aber eher zu. Als Schiedsfrau werde ich mehr aktiv mitgestalten können“, sagt sie. Zwar laufe ihre zweite Amtszeit als Schöffin noch bis 2018, aber das werde sie in ihrem neuen Amt nicht einschränken. „Der Zeitaufwand hält sich in  Grenzen. Ich muss ungefähr einmal im Jahr zu einem Prozess.“

Als Stellvertreterin von Schiedsmann Werner Münster wird Nagel mehr zu tun haben: Nach Möglichkeit will sie bei den Sprechstunden dabei sein, die er einmal im Monat anbietet. Einen ersten Fall hat sie schon begleitet – „und erfolgreich gelöst“, wie Münster berichtet. Das sei aber nicht ungewöhnlich: Von den sechs Fällen, die er seit seinem Amtsantritt bearbeitet hat, seien alle erfolgreich abgeschlossen worden. Was anfangs oft nicht so aussehe: „Viele kommen mit einem hohen Blutdruck zum ersten Gespräch“, hat Münster festgestellt. Nachdem sich beide Parteien mit ihm unterhalten haben, „sieht es aber oft schon ganz anders aus“.

An jedem dritten Donnerstag in Monat bietet Schiedsmann Werner Münster eine Sprechstunde im Barmstedter Rathaus, Am Markt 1, an – in diesem Jahr also noch am 15. Oktober, 26. November und 17. Dezember. Sie dauern jeweils von 17 bis 18 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber unter der Telefonnummer (04123) 5318 oder per E-Mail an werner-muenster@gmx.de möglich.

Vielfach, sagt Münster, stecke hinter den Streitigkeiten „etwas anderes. Das kann schon ewig zurückliegen, und da geht es dann nur vordergründig um den Baum, dessen Zweig auf dem Nachbargrundstück hängt.“ Eine Partei stelle den Antrag auf Schlichtung, woraufhin er beide Parteien zu einem Gespräch einlade. „Damit sie nicht über-, sondern miteinander reden.“ Beide Parteien seien verpflichtet, persönlich zu erscheinen. „Sonst droht ein Zwangsgeld.“

In der Regel reiche ein Gespräch aus, um einen Fall zu schlichten, sagt Münster. Ein Verfahren sei meist nach wenigen Wochen erledigt. „Bei Gericht dauert sowas Jahre.“ Die Gerichte seien auch bestrebt, Fälle abzugeben, so Münster. „Es geht immer mehr in Richtung Schiedsverfahren, auch bei Scheidungen oder Streit zwischen Kunden und Geschäften.“ Obglitatorisch für Schiedsleute seien Nachbarschaftsstreitigkeiten, Beleidigungen, leichte Körperverletzungen und Verstöße gegen die Gleichbehandlung. Der größte Anteil an Fällen sei aber nach wie vor der klassische Ast-hängt-überm-Zaun-Streit, so Münster.

Die Kosten des Schiedsverfahrens werden auf beide Parteien verteilt, so Münster. Der Antrag und eine erfolgreiche Schlichtung schlagen mit jeweils 20  Euro zu Buche. „Dazu kommen noch etwa zehn Euro Gebühren für Porto, Kopien und ähnliches.“ Das sei zwar nicht umsonst, „aber natürlich kein Vergleich zu den Kosten eines Gerichtsprozesses“.

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