Übungsleiterin nimmt Abschied : Hilde Bünting sagt Tschüss

Auch der TuS Hemdingen-Bilsen verabschiedete Hilde Bünting. Schriftführer Reinhold Mattai (links) und der stellvertretende Vorsitzende Heiko Querling bedankten sich bei ihr für ihr Engagement.
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Auch der TuS Hemdingen-Bilsen verabschiedete Hilde Bünting. Schriftführer Reinhold Mattai (links) und der stellvertretende Vorsitzende Heiko Querling bedankten sich bei ihr für ihr Engagement.

Der BMTV und TuS Hemdingen-Bilsen verabschieden die langjährige Übungsleiterin mit großen Festen.

shz.de von
05. April 2018, 16:00 Uhr

Barmstedt/Hemdingen | Sie ist ein Urgestein des BMTV und des TuS Hemdingen-Bilsen. Doch nun hört sie im Alter von 80 Jahren schweren Herzens als Übungsleiterin auf, um sich mehr ihrem Mann zu widmen. Die Barmstedterin Hilde Bünting ist vor Kurzem von beiden Vereinen verabschiedet worden. Der 80. Geburtstag sei für sie der Zeitpunkt für den Schnitt gewesen, berichtet sie. Das Leben von Bünting dreht sich vor allem um ihre Familie, hat sich in den vergangenen Jahren aber auch viel in den Sporthallen der Region abgespielt. Für ihr jahrzehntelanges Engagement im BMTV wurde sie bei einer Kaffeetafel geehrt, die die Mitglieder ihrer Sportgruppen ausgerichtet hatten.

Der BMTV-Vorsitzende Hartmut Kinastowski und Susanne Hauschildt, Spartenleiterin für Turnen und Fitness als Büntings Nachfolgerin, würdigten Büntings Tätigkeiten. „46 Jahre Trainerarbeit ist keine Tätigkeit, das ist eine Einstellung“, so Kinastowski. Er hob hervor, dass Bünting 40 Mal das goldene Sportabzeichen bestand. Hauschildt betonte, dass der Verein es Bünting zu verdanken habe, dass so viele Senioren mitturnten. „Deine Choreografien und die Vorführungen bei den Stiftungsfesten waren Highlights“, sagte sie und weiter: Bünting habe neue Trends in die Sporthallen gebracht. „1978 hast Du den Pokal für besondere Verdienste erhalten, weitere folgten“, so Hauschildt. Die Laudatoren hatten keine weitere Ehrung zu vergeben, weil es nichts mehr zu vergeben gab: „Du hast bereits alle erhalten“, sagte Kinastowski.

Auch in Hemdingen wird gefeiert

Bünting wurde auch vom TuS Hemdingen-Bilsen gebührend von den Gymnastikgruppen, deren Übungsleiterin sie war, im Rahmen einer Feierstunde in der Sporthalle verabschiedet. Fast 40 Jahre hatte sie in Hemdingen die Fitnessarbeit übernommen. Durch Büntings unvergleichliche Art sei es für viele Teil-nehmer ihrer Gruppen weit über das Pflichtprogramm hinausgegangen, es sei so manche freundschaftliche Verbundenheit entstanden, waren sich die Sportler einig. „Der Abschied fällt uns schwer“, bekannten sie wäh-rend der emotionalen Feier-stunde. „Eine Ära geht zu Ende, ihr sei der Ruhestand gegönnt, auch wenn sie so fit wirkt, als sei sie noch nicht einmal 60 Jahre alt“, sagte der TuS-Vorsitzende Bernd Sommer. „Hilde hatte immer den richtigen Blick auf ihre Sportler, sie animierte jeden zu seinen persönlichen Höchstleistungen“ – sei es, die Männer beim Prellball anzufeuern oder sanfte Gymnastik. „Kam jemand mit verspanntem Nacken zum Training, konnte er sicher sein, nach Hildes Übungen schmerzfrei wieder nach Hause zu gehen“, sagte Sommer. Mit ihren Gruppen habe sie sich zu Radtouren, Essen gehen oder anderen geselligen Terminen getroffen. „Mit Hilde verlässt uns eine tolle Übungsleiterin und eine klasse Frau“, so Sommer.

Die in Husum aufgewachsene Sportlerin lernte ihren Mann Heino dort kennen und zog mit ihm 1971 nach Barmstedt, weil er von seiner Firma nach Hamburg versetzt wurde. „Ich war von Anfang an begeistert von der zauberhaften kleinen Stadt und habe den Umzug nie bereut“, sagt sie. Im August eingezogen, turnte sie bereits im November in der Sporthalle beim BMTV mit. Schon in Husum hatte sie, die als Sekretärin in einem Ingenieurbüro arbeitete, Frauengymnastik bei einer Sportstudentin gemacht, die ihr viele Unterlagen von der Universität zur Verfügung stellte. „Das waren meine Grundlagen, auf denen ich später aufbauen konnte“, sagt sie.

Im Januar 1972 leitete sie bereits das Kinderturnen. Sie machte auch Schwimmgymnastik mit Kindern und leitete eine große Abendgruppe mit 80 Teilnehmern. Einige Kurse übernahm sie in Zusammenarbeit mit Uschi Proll. „Wir waren ein richtig gutes Team“, schwärmt sie heute noch. Bünting war damals zudem Schwimmwartin, danach Sportwartin. Auch einen Treff für Seniorinnen rief sie ins Leben. „Es kamen 60 Damen, ich musste zwei Gruppen einrichten“, so Bünting. Als ihr Mann an der Bandscheibe operiert wurde, ergriff sie die Gelegenheit und rief eine dementsprechende Männergruppe ins Leben. „Aus dem Krankenhaus, in dem Heino operiert wurde, erhielt ich wertvolle Hilfestellung für gezielte Übungen“, sagt sie. Zudem organisierte sie eine jährliche Radtour inklusive Picknick mit ihren Gruppen. „Auch hier war mir Uschi Proll eine große Hilfe“, sagt Bünting. „Der Sport war ein großer Teil meines Lebens, der mir sehr viel Spaß bereitet hat“, sagt sie rückblickend. Für viele sei sie auch eine Vertrauensperson gewesen, die sich Sorgen und Probleme anhörte.

Tennis, malen, Kinderbetreuung

Sportlich war Bünting mit ihren vielen Aktivitäten aber längst nicht am Ende. Sie spielte Tennis und schaffte es bis zu Punktspielen in der Landesliga. Als Hobbykünstlerin hat sie sich zudem fast 40 Jahre mit Aquarellmalerei beschäftigt und sich mit einer kleinen Hobbygruppe getroffen. „Ich male gern perspektivisch, Säulengänge, Häuser, Treppenaufstiege, aber auch Landschaften und Blumen sowie Menschen in Bewegung“, sagt sie. Doch auch damit war Büntings Zeit noch nicht ausgeschöpft. Sie pflegte einige Jahre ihre Schwiegermutter, die 103 Jahre alt wurde. Sie betreute acht Jahre lang Enkel, die schon als Babys zu ihr kamen, damit die Mutter wieder arbeiten konnte. Mit den Größeren machten sie und Ehemann Heino Schularbeiten. „Es war toll mit den Enkeln“, sagt sie.

Ihre Familie ist groß: Bünting hat zwei Kinder und vier Enkel. Mit ihrem Mann unternahm sie etliche Reisen, wobei Kreuzfahrten bei den beiden beliebt waren. Was macht sie mit der neu gewonnenen Freizeit? „Ich kann mich stärker mit der Hilfe meiner Tochter um meinen Mann kümmern, habe Muße zum Malen, kann im Garten arbeiten, und wenn ich Lust habe, gehe ich zum Turnen“, sagt Bünting.

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