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Barmstedt : „Hier gehören Schranken hin!“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Nach dem tödlichen Unfall am Bahnübergang Bornkamp fordern Barmstedter mehr Sicherheit - und trauern um Thorsten Naujoks.

Freitagmittag, 12.30 Uhr. Am Bahnübergang Bornkamp in Barmstedt ist nicht viel los. Ab und an fährt ein Auto über die Gleise, ein Radfahrer, ein Kleinbus. Aus der Straße Am Forst kommt ein Mann, mittleres Alter. Er geht zum Andreaskreuz auf der anderen Seite des Übergangs und bleibt eine Weile vor den Blumen und den Windlichten stehen, die dort abgelegt wurden. „Sind Sie von der Zeitung?“, fragt er, als er zurückkommt. „Dann schreiben Sie, dass hier endlich Schranken hingehören!“ Seit es das Baugebiet gebe, seit 20 Jahren, „reden wir davon. Aber passieren tut nichts.“

Die Aussage, dass die AKN den Übergang laut Pressesprecherin Christiane Lage nach „einem Vorfall im Jahr 2008“ mit der Blinklichtanlage ausgestattet habe, entlockt ihm nur ein höhnisches Lachen. „Ein Vorfall? Hier ist andauernd was.“

Wenige Minuten später beginnen die Lichter am Übergang zu blinken. Kurz darauf rauscht eine AKN heran. Fast auf die Minute genau 24 Stunden, nachdem der Barmstedter Thorsten Naujoks (42) auf dem Übergang von einem der Züge erfasst und tödlich verletzt wurde. Er war auf seinem Mofa in Richtung Norden unterwegs und hatte offenbar das rechte Blinklicht übersehen, weil die Sonne darauf schien.

„Laut Zeugenaussagen soll die Sonneneinstrahlung sehr ungünstig gewesen sein“, sagte Polizeisprecherin Sandra Barenscheer gestern auf Anfrage unserer Zeitung. „Das könnte der Grund gewesen sein, aber sicher wissen wir es nicht.“ Ein Sachverständiger der DEKRA ermittle zurzeit den genauen Unfallhergang. Hinweise auf einen technischen Defekt gebe es aber nach wie vor nicht. „Die AKN hat die Anlage im Nachhinein getestet, sie lief problemlos.“ AKN-Sprecherin Christiane Lage bestätigte das und ergänzte, die Anlage werde regelmäßig geprüft. „Sie ist einwandfrei.“

Ob der Bahnübergang beschrankt werde, werde die AKN „nach Abschluss der Ermittlungen“ prüfen, sagte Lage. Das könne aber nur zusammen mit dem Land und der Stadt entschieden werden – die sich auch an den Kosten „im niedrigen sechsstelligen Bereich“ zu je einem Drittel beteiligen müssten. Stadtsprecher Wolfgang Heins erklärte, bisher habe „nach dem Eisenbahnquerungsgesetz“ keine Notwendigkeit für Schranken bestanden, weil der Übergang zu wenig frequentiert sei. Ob der tödliche Unfall an der Bewertung der Lage etwas ändere, könne er nicht sagen – und über die Bereitungstellung der Mittel müsse letztlich die Politik entscheiden. Was ja wohl keine Frage sei, wie eine Barmstedterin fand. „Die haben doch sonst für jeden Schrott Geld.“

Die Bestürzung über den Tod des auch als DJ Naui bekannten Barmstedters war groß. „Das hat mich ziemlich getroffen“, sagte sein DJ-Kollege Rolf-Dieter Barz gestern. „Ich kannte ihn, seit er angefangen hat, Musik zu machen.“ Er habe schon seine für kommendes Wochenende geplante Feier absagen wollen. „Aber das hätte Naui nicht gewollt.“ Was zu dem Bild passt, das Siegfried Seidler (SSVRantzau) von Naujoks zeichnet. „Er strahlte immer Lebensfreude aus und steckte alle mit seiner guten Laune an.“ Seit seiner frühestens Kindheit habe er im SSV Fußball gespielt und zuletzt mit seinem älteren Bruder bei den Senioren gekickt.

Als DJ legte der Licht- und Tontechniker, der bei einem Unternehmen in Hamburg arbeitete, auf zahlreichen Veranstaltungen in Barmstedt und Umgebung auf. „Er hatte sich einen guten Namen gemacht“, sagte Seidler. Naujoks hinterlässt seine Ehefrau und drei Kinder.

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erstellt am 05.Okt.2013 | 12:00 Uhr

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