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Grundschule vor 65 Jahren: "Wir Jungen saßen vorn und durften uns nicht umdrehen"

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erstellt am 04.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Barmstedt | Lang ist sie her, die Einschulung 1947 in die damalige Barmstedter Grundschule August-Christen-Straße. Alle fünf Jahre treffen sich die ehemaligen Schüler wieder, in diesem Jahr in der Gaststätte "Zum Bootssteg". Begrüßt wurde auch der ehemalige Werk- und Englischlehrer Helmut Pergande. "Wir waren damals strikt getrennt in zwei Jungen- und zwei Mädchenklassen", berichtete der Organisator des Klassentreffens, Friedhelm Hagelstein. Erst im neuten Schuljahr gab es gemischte Klassen. "Wir Jungen saßen vorn und durften uns nicht umdrehen", so Hagelstein. Ihre Lehrer waren Willi Zuther, Alma Clasen, Rektor Hans Daske, Mathilde Hadeler.

Über ihre Streiche können die Ehemaligen heute lachen, damals gab es deftige Strafen. "Wir haben uns mit Schwämmen beworfen, meiner traf das volle Tintenfass, es kippte um, und ich kriegte Senge", so Uwe Saß, dem noch mehr einfiel. "Wir trafen uns nachmittags im Vosslocher Wald Richtung Bullenkuhlen. Dort war ein Wildschweingehege, in das ,Kuddel Vester verwegen stieg. Und der Keiler riss ihm hinten die gesamte Hose auf." Damit nicht genug. Die Jungen entfachten ein Lagerfeuer und rösteten Brot. Derart gestärkt, warfen sie Holzstämme in die Krückau und wurden vom Förster erwischt, der ihnen mit Gefängnis drohte. "Waldarbeiter fischten die Stämme später in Elmshorn aus der Au", sagte Saß. Zur Strafe mussten sie einen Tag lang in der Königskoppel im Wald arbeiten.

Auch Inge Wesselhöft, geb. Mardt, erinnerte sich. "Ich war frech, und Herr Pergande sagte zu meinem Entsetzen, ich würde mal eine Rockerbraut werden", erzählte sie, die sich im Alter von 40 Jahren tatsächlich aufs Motorrad setzte. Die Rheinfahrt im neunten Schuljahr mit Stopps in Jugendherbergen bescherte manchem Schüler den ersten Schwips - und den vielleicht ersten Kuss beim "Kussversteck". Aber auch ein Händeschütteln in Bonn mit Kanzler Konrad Adenauer, der von einem Schüler eine Rose von der Gärtnerei Kordes erhielt. Schön seien auch die Wandertage in die Grelckschen Tannen gewesen, wo mit Frikadellen, Kartoffelsalat und Saft - alles selbst hergestellt - gepicknickt wurde.

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