Alte Bahnhofsgaststätte : Grünes Warenhaus als Dorfmitte in Westerhorn

Links die Halle mit Saal, rechts die alte Gaststätte: Direkt neben der Bahn soll Westerhorns neues Dorfzentrum entstehen.
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Links die Halle mit Saal, rechts die alte Gaststätte: Direkt neben der Bahn soll Westerhorns neues Dorfzentrum entstehen.

In Westerhorn gehen die Arbeiten an der ehemaligen Bahnhofsgaststätte sichtbar voran. Investor und Architekt gewähren Einblicke.

shz.de von
03. Juni 2018, 16:00 Uhr

Westerhorn | In Westerhorn soll ein neues Dorfzentrum direkt neben der Bahnlinie Hamburg-Kiel entstehen (wir berichteten). Investor Kay Sierk kaufte erst die alte Bahnhofsgaststätte und wenig später auch noch das brachliegende Bahnhofsgebäude. Seither gehen die Umbauarbeiten Stück für Stück voran. Erst wurde der Bahnhof mit einem neuen Dach wasserdicht gemacht, nun ist die Halle neben der Gaststätte an der Reihe. Unter Regie von Architekt Dirk Salehi-Jens wurde das Dach neu gedeckt und das Gebäude um etwa 1,50 Meter aufgestockt. Als nächstes geht es an den Innenausbau. Entstehen soll im Erdgeschoss ein grünes Warenhaus mit einem Verkaufsraum von gut 160 Quadratmetern. Dafür will Sierk seinen alten Standort auf der anderen Bahnseite aufgeben. Aus den jetzigen Geschäftsräumen seiner Firma „Otto Frauen“ soll dann ein reines Privathaus werden. Die Eröffnung des neuen grünen Warenhauses plant Sierk für Frühjahr 2019.

Im Obergeschoss der Halle wird zurzeit eifrig gewerkelt. Bretter werden zugeschnitten, Dämmungen angepasst. „Hier sollen mal die Büros rein“, erklärt Sierk. Bei den Umbauarbeiten wird bewusst darauf geachtet, möglichst viel Altes zu erhalten. „Wir haben das alte Holz komplett restauriert und teilweise sandgestrahlt“, sagt Sierk. Zum Glück sei bislang bei den Arbeiten „nichts Schlimmes entdeckt worden“. Die Sanierung alter Gebäude birgt immer Risiken – und häufig auch böse Überraschungen. „Davon sind wir verschont geblieben“, freut sich Sierk, „nur einige Balken waren angemorscht“. Auch Salehi-Jens ist zufrieden mit dem Werdegang der Arbeiten. Der Architekt ist ein Spezialist für alte Gebäude mit historischem Charme. Auch die beiden Gotteshäuser des Christus-Kirchenkreises in Hörnerkirchen und Hohenfelde werden von ihm betreut. „Im Saal haben wir schon rundum neue historisierende Fenster eingesetzt“, sagt Salehi-Jens.

Noch führt eine steile Klappleiter vom Warenhaus in den zukünftigen Bürotrakt im ersten Stock. „Da kommt noch eine Treppe hin“, sagt Sierk. Gleich nebenan liegt die alte Gaststätte, in die einmal ein Café einziehen soll. In den oberen Etagen sind Wohnungen geplant, die dann von außen erreichbar sein sollen. Warenhaus und Café sind mit einem Durchgang direkt miteinander verbunden. Im zukünftigen Café dominieren dicke Stahlträger derzeit die Optik. „Wir haben hier eine neue Tragkonstruktion aufgebaut“, erklärt Sierk. Das komplette Haus würde „von innen her neu gebaut“, die alte Fassade sei später einmal reine Zierde. An allen Ecken und Enden sind die Baufortschritte zu erkennen. „Wir sind finanziell im Plan“, versichert der Bauherr – und fügt gleich noch mit einem Grinsen an: „Schließlich ist dies kein öffentlicher Bau.“

Der Bahnhof, der das Grundstück von den Schienen abgrenzt, soll neu gestaltet werden, wenn das Warenhaus eingeweiht und das Café fertig ist. Schon im Vorjahr wurde der alte Schrankenwärter-Vorbau abgerissen. Nach einem ersten Großreinemachen waren die Stromleitungen an der Reihe. Als nächstes wurde das Dach gestopft. Damit waren die wichtigsten Basisarbeiten abgeschlossen, um den Verfall des ehemaligen Bahnhofs zu stoppen. Optisch plant Sierk, den Bahnhof in alter Pracht erstrahlen zu lassen. Historische Fenster und Türen sollen dem Backsteingebäude den Look von einst verleihen.

Sierk hat auch schon konkrete Vorstellungen, wer einmal in das Gebäude einziehen könnte. Ein Friseurgeschäft ist angedacht, ebenso ein Fahrrad-Laden. Doch erst einmal soll das grüne Warenhaus vollendet werden. Angst ist bei Kay Sierk angesichts seines Mammutprojektes bislang nicht aufgekommen. Ganz im Gegenteil: Wer ihm zuhört, spürt die Freude des „Machers“ in ihm. Westerhorns neues Dorfzentrum.

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