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Mangel : Grüne: „In Barmstedt fehlen Ärzte“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Viele Bürger wünschen sich vor allem einen Augenarzt. Laut Kassenärztlicher Vereinigung sind keine weiteren Zulassungen möglich.

In Barmstedt gibt es zu wenig Ärzte. Das meint Stadtvertreterin Marina Quoirin-Nebel (Grüne) – die mit dieser Ansicht nicht allein dasteht. Aus Gesprächen mit Bekannten und Bürgern habe sie erfahren, „dass vor allem ein Augenarzt vermisst wird“. In Barmstedt lebten viele Senioren, für die es beschwerlich sei, nach Elmshorn oder in eine andere Stadt zu fahren, wo die nächsten Fachärzte ihre Praxen haben. Auch ein weiterer Allgemeinmediziner in Barmstedt könne nicht schaden, so Quoirin-Nebel. Die Wartelisten in den Praxen an der August-Christen-Straße und am Küsterkamp seien „ellenlang. Ich habe zum Beispiel einmal 14 Tage auf einen Termin warten müssen.“

Erschwerend komme hinzu, dass die im ersten Stock gelegene Arztpraxis an der August-Christen-Straße nicht barrierefrei sei, so Quoirin-Nebel. „Daher bleibt manchen nur die Praxis am Küsterkamp, was die Lage dort natürlich verschärft.“ Bedenke man, dass Barmstedt seit einiger Zeit mehr als 10 000 Einwohner habe, „sollten sich hier wirklich dringend mehr Ärzte niederlassen“, meint die Grünen-Politikerin.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des Landes weist allerdings darauf hin, dass Barmstedt statistisch gesehen ausreichend mit Ärzten versorgt sei. Die Stadt gehöre mit Blick auf die hausärztliche Versorgung zum Planungsraum „Metropolregion Südwest“, in dem der Versorgungsgrad derzeit mit 293,1 Hausarztstellen bei 109,5 Prozent liege. „Der Gesetzgeber hat bestimmt, dass ab einem Versorgungsgrad von 110 Prozent keine weiteren Hausärzte mehr zugelassen werden, weil dann eine Überversorgung angenommen wird“, erläutert KV-Sprecher Marco Dethlefsen. Im Planungsbereich Südwest gebe es derzeit 1,5 Arztstellen, die mit Hausärzten besetzt werden könnten.

Für die fachärztliche Versorgung bildet laut KV nicht die Metropolregion, sondern der Landkreis – für Barmstedt also Pinneberg – den Planungsraum. In diesem habe der Versorgungsgrad mit Fachärzten im April 2014 bei „deutlich mehr als 110 Prozent“ gelegen, so dass keine weiteren Zulassungen möglich seien, so Dethlefsen – sprich, auch nicht für einen Augenarzt in Barmstedt.

In welcher Stadt oder Gemeinde innerhalb eines Planungsraums sich ein Mediziner niederlasse, sei seine eigene Entscheidung, erklärt Dethlefsen. „Das können weder die KV noch die Kommunen entscheiden.“ Theoretisch könnten demnach alle für die Metropolregion Südwest zugelassenen Hausärzte ihre Praxis in Pinneberg eröffnen – denn die Verteilung der Praxen innerhalb des Planungsraums spielt keine Rolle. „Wir wissen, dass dieses Modell manchmal unbefriedigend ist – aber wir sind an die Vorgaben des Bundes gehalten“, so Dethlefsen. Und da Ärzte freiberuflich tätig seien, „kann man sie nicht zwingen, in einem bestimmten Ort zu arbeiten. Das wäre Planwirtschaft.“

Damit sich in Barmstedt trotz des erreichten Versorgungsgrades weitere Ärzte niederlassen, gibt es laut KV drei Möglichkeiten: Ein Arzt aus einer anderen Kommune im Planungsraum verlegt seine Praxis nach Barmstedt oder eröffnet dort eine Zweigpraxis. Oder die Stadt stellt beim Zulassungsausschuss des Bundes einen Sonderbedarfs-Antrag. „Das können Kommunen etwa dann tun, wenn ein neues Wohngebiet mit vielen Kindern entstanden ist, so dass ein Kinderarzt gewünscht wird“, erläutert Dethlefsen.

Vor allem in ländlichen Gebieten versuchten viele Städte und Gemeinden inzwischen, Ärzte zu locken, indem sie ihnen attraktive Rahmenbedingungen wie günstigen Wohnraum anböten, so Dethlefsen. Für Kommunen wie Barmstedt, die sich mehr Mediziner wünschen, hat der KV-Sprecher zudem den Rat: „Sprecht mit den Ärzten. Denn woher sollen sie sonst wissen, wo Bedarf besteht?“

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erstellt am 16.Aug.2014 | 11:44 Uhr

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