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Barmstedter Zeitung

23. September 2017 | 20:10 Uhr

GGS Barmstedt : Gottfried Semper als Namensgeber?

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Wird Barmstedts Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS) bald Gottfried-Semper-Schule heißen? Dafür hat sich der Schulausschuss am Dienstagabend einstimmig ausgesprochen. Zuvor hatte der Name des deutschen Architekten bei der schulinternen Wahl den ersten Platz belegt. Bei einer Umfrage zwischen Schülern, Lehrern und Eltern lag der Vorschlag mit 27,7 Prozent vor Hand-in-Hand-Schule (20 Prozent) und Helmut-Schmidt-Gemeinschaftsschule.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2017 | 16:00 Uhr

Barmstedt | Um einen neuen Namen für die GGS zu finden, habe sich die Schule zunächst „ganz viele Namen vorgenommen und versucht, sie mit Barmstedt in Verbindung zu bringen“, sagte der kommissarische Schulleiter Joachim Borstelmann gestern. Daher seien etliche herausgefallen, „aber Semper blieb“. Der Architekt, der 1803 in Hamburg geboren wurde und unter anderem das Neue Hoftheater („Semperoper“) in Dresden entworfen hat, habe als Kind die „Gemeindeschule Barmstedt“ besucht. Daran wurden im Ausschuss allerdings Zweifel laut.

„Ich bin mir nicht sicher, ob das mit Barmstedt stimmt“, sagte Christian Schönfelder (FWB). Er habe den Satz bei seinen Recherchen lediglich in der Online-Enzyklopädie Wikipedia entdeckt, „und in allen anderen Quellen war er wortgleich kopiert“. Möglich sei daher, dass nicht Barmstedt, sondern eventuell Bramfeld gemeint gewesen sei. Auch die Mitglieder der Barmstedter Geschichtswerkstatt, mit denen er gesprochen habe, seien unsicher gewesen und hätten daher „von dem Namen eher abgeraten“. Zudem „ordnet man Semper eher Dresden zu“.

Peter Steenbuck, Mitglied der Barmstedter Geschichtswerkstatt, erklärte gestern auf Anfrage unsere Zeitung, er habe bislang „nichts gefunden, was beweist, dass Gottfried Semper in Barmstedt zur Schule ging“. Auch kein anderer Barmstedter oder Heimatforscher, mit dem er gesprochen habe, „wusste etwas davon“. Es könne höchstens sein, „dass die Familie während des Krieges aus Hamburg geflohen ist und der Sohn dann in Barmstedt zur Schule ging“. Ab 1819 soll Semper das Johanneum in Hamburg besucht haben.

Doch die Zweifel fochten die Politiker nicht an. Bis auf Schönfelder und Susanne Rattay (FWB), die sich der Stimme enthielten, votierten letztlich trotzdem alle für Gottfried Semper. Seine Fraktion habe zwar „lange darüber diskutiert, ob wir den bewährten Namen Geschwister-Scholl-Schule behalten sollen. Aber es gibt auch gute Gründe, dem Vorschlag der Schulkonferenz zu folgen“, sagte Günter Thiel (BALL). Die Grünen hätten sich überlegt, eine Frau zu nehmen, wie Claus-Peter Jessen erklärte. „Aber mit Semper können wir uns auch anfreunden.“ Die SPD könne den Namen „wegen der Historie“ ebenfalls mittragen, wie Patrick Laas ausführte. Er halte zudem eine neue Diskussion für unnötig, sagte er, nachdem Schönfelder Zweifel an Sempers Barmstedt-Zeit geäußert hatte: „Der Name ist jetzt offenbar gesetzt.“

Das sieht auch Borstelmann so. „Wir werden noch einmal recherchieren, ob das mit dem Schulbesuch stimmt“, kündigte er an. Doch selbst, wenn es nicht so sein sollte, „würden wir bei dem Namen bleiben“. Gottfried Semper sei „über Deutschland hinaus bekannt und als Schulname nicht so häufig“. Es gebe nur noch die Semper-Schulen in Dresden und Berlin. Einen der beiden früheren Schulnamen – Geschwister-Scholl- und Chemnitzschule – hätten die Lehrer nicht gewollt, „weil viele Kollegen noch an der einen oder der anderen unterrichtet haben“. Helmut Schmidt wäre als Politiker „etwas problematisch“ gewesen: „Dann hätte man sich fragen können, warum wir nicht Helmut Kohl oder Karl Liebknecht nehmen“, so Borstelmann. Und „Hand in Hand“ sei zwar das Motto der GGS, „aber auf dem Kopf eines Abschlusszeugnisses sieht der Name vielleicht doch nicht so toll aus“.

Das letzte Wort haben die Stadtvertreter am 10. Oktober.

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