Neu angekommen in Barmstedt : Glückliches Ende nach langer Flucht

Die Familie mit Obaid Ullah (vorn, von links), Esmat Ullah, Shabnam (hinten, von links), Balqis, Aziz und Maryam Jamshedi lebt jetzt wieder vereint in Barmstedt.
Die Familie mit Obaid Ullah (vorn, von links), Esmat Ullah, Shabnam (hinten, von links), Balqis, Aziz und Maryam Jamshedi lebt jetzt wieder vereint in Barmstedt.

Aziz Jamshedi aus Afghanistan erreichte Deutschland teilweise zu Fuß. Vor Kurzem konnte er seine Familie nachholen.

shz.de von
13. August 2018, 16:08 Uhr

Barmstedt | Fünf Monate und zehn Tage war Aziz Jamshedi unterwegs, um von Afghanistan nach Deutschland zu gelangen. Überwiegend zu Fuß und allein. Er fühlte sich bedroht. „Ich arbeitete bei der international Security Assistance Force der NATO, Isaf, die 2013 die Verantwortung an die afghanische Regierung zurückgab“, sagt er. Das Camp wurde geschlossen. Er hatte mit deutschen, ungarischen und amerikanischen Soldaten zusammengearbeitet. Seine Aufgabe war es, Autos und Personen nach Sprengsätzen zu untersuchen. Die Soldaten gaben ihm 8000 Dollar, um ausreisen zu können. „Konnte ich aber nicht, weil meine Regierung sich weigerte, mir Pass und Papiere auszustellen“, sagt er. Er sollte im Land bleiben, sei ihm gesagt worden.

Doch Jamshedi zog nach Kabul, wo die Taliban nicht waren. Seine Familie wohnte in Baghlan. In Kabul traf er einen Mann, der ihm versprach, ihn für 10 000 Dollar nach Deutschland zu schleusen. Für das Geld erhielt er einen GPS-Sender mit Telefon. Während der Flucht wurde er von Person zu Person weitergereicht. Geschlafen hat er unter Brücken, an Bahnhöfen oder auf Bäumen. „Es waren viele Flüchtlinge unterwegs“, sagt er. „Die Männer schliefen auf den Bäumen, Frauen und Kinder darunter.“ Es sei vorgekommen, dass die Frauen und Kinder eingesammelt worden seien, die Männer hätten weiter flüchten können. Unterwegs gaben ihm Menschen etwas zu essen. Er kaufte sich auch etwas an Imbissbuden und auf Märkten. Die Grenzen überquerte er illegal. Mit dem Boot setzte er von der türkischen Küste nach Griechenland über. Durch Mazedonien und Serbien ging es wieder zu Fuß. „In Mazedonien wurde ich zweimal geschnappt und nach Griechenland zurückgebracht“, berichtet er. Er gab nicht auf. Das dritte Mal klappte es. Von Ungarn nach Deutschland konnte er mit 36 weiteren Flüchtlingen in einem Container reisen.

Seit vier Jahren lebt Jamshedi in Barmstedt, besucht Deutschkurse, arbeitet im Gemeindehaus und im Gymnasium in der Küche, hilft im Leuchtturm und hat beim THW die Grundausbildung absolviert. Im Mai konnten seine Frau und die vier Kinder nachkommen. „Es war schwierig, weil die deutsche Botschaft in Kabul zerbombt wurde und nach Pakistan ausgewichen war“, sagt er. Seine Frau und die Kinder fühlten sich auch von den Taliban bedroht. Diese hatten das Tor zum Haus zerstört. Die Familie flüchtete nach Kabul. „Meine Frau durfte ohne Burka nicht aus dem Haus gehen, in Afghanistan müssen Mädchen ab sechs Jahren Kopftuch tragen“, sagt er und betont: „Hier müssen sie es nicht.“

Jamshedis Töchter sind 18 und 16 Jahre alt, seine Söhne neun und 14. Die Mädchen tragen kein Kopftuch, seine Frau sieht es bei sich selbst auch nicht streng. Die Kinder besuchen die Berufsschule in Elmshorn und die Schule in Barmstedt. Seine Frau habe er auch zum Deutschkursus angemeldet. Shabnam (18) möchte Ärztin werden, Maryam (16) Journalistin. Für ihren Berufstraum wollen sie  ordentlich büffeln.

Für Sonnabend, 25. August, laden verschiedene Barmstedter Institutionen zu einem Fest der Begegnung an den Rantzauer See ein. Im Vorfeld der Veranstaltung stellt unsere Zeitung in loser Reihenfolge Flüchtlinge und deren  Schicksale sowie ehrenamtliche Helfer und ihre Arbeit vor. Das Fest der Begegnung wird von 15 bis 19 Uhr auf dem Gelände der Badestelle am Rantzauer See  gefeiert. Es gibt Live-Musik, traditionelle Musik und Tänze der Nationen, ein Programm für Kinder, einen Hula-Hoop-Workshop und kulinarische Spezialitäten.  Der Eintritt ist kostenlos. Darüber hinaus lädt das Team des Integrationszentrums Leuchtturm zum Besuch zu der Ausstellung  „Auf der Flucht – Frauen und Migration“ ein. Sie ist bis zum 30. September in den Räumen des ehemaligen Hotels „Stadt Hamburg“ Am Markt zu sehen und wird morgen eröffnet.  Sie wurde 2016  in Nürnberg eröffnet und kann seitdem bundesweit ausgeliehen werden.
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