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„Haben die Schule umgekrempelt“ : GGS-Schulleiter Bernd Poepping im Interview

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Schulleiter Bernd Poepping geht in Pension. 16 Jahre lang war er in Barmstedt und hat die GGS mit aufgebaut.

Barmstedt | Sakko oder Pulli? „Ich bin ja eher der T-Shirt-Typ“, sagt Bernd Poepping – und hängt sich seinen Pullover über die Schultern. Draußen erklimmt er spontan das neue Klettergerüst, das eine Woche zuvor offiziell eingeweiht wurde. „Das ist super, da spielen die Schüler richtig gern drin“, ruft er strahlend. Für ihn wird der Schulhof bald Geschichte sein: Morgen wird er als Leiter der Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS) offiziell verabschiedet. Mit unserer Redakteurin Elisabeth Meyer sprach er über seine berufliche Laufbahn, die Zeit in Barmstedt und seine Pläne für den Ruhestand.

Herr Poepping, um mal von vorn anzufangen:Warum sind Sie Lehrer geworden?
Bernd Poepping: Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Chemiker werden. Ich hatte auch schon einen Studienplatz. Aber dann habe ich nochmal überlegt: Willst du wirklich dein Leben lang im Labor stehen? Und da ich auch viele andere Interessen habe, stand schließlich für mich fest: Ich werde Lehrer.

Für Chemie?
Ich hatte tatsächlich zuerst angefangen, Chemie und Physik auf Lehramt zu studieren. Bis ich merkte, hm, da stehst Du ja auch nur im Labor. Also habe ich Physik im ersten Semester aufgegeben und stattdessen mit Sport angefangen. Da ich auch privat viel Sport getrieben habe, war es genau das Richtige.

Wie ging es nach dem Studium weiter?
Zunächst habe ich keinen Referendariatspaltz bekommen – damals herrschte gerade ,Lehrerschwemme’. Stattdessen wurde mir eine 14-Stunden-Vertretungslehrerstelle in Henstedt-Ulzburg angeboten. Ich unterrichtete sieben neunte und zehnte Klassen nur in Chemie. Das hat mir aber nicht gefallen, und ich habe gekündigt und angefangen, in Kiel auf Gymnasiallehramt zu studieren. Nach einem halben Jahr habe ich plötzlich ein Angebot für ein Referendariat an der Realschule in Nortorf bekommen. Das war eine tolle Schule, mit Kanus, Segelbooten, Ski-Fahrten und vielen weiteren Sport-Angeboten.

Da sind Sie aber offenbar nicht geblieben – sind Sie dann direkt nach Barmstedt gewechselt?
Nein, das hat noch etwas gedauert (lacht). Ich hatte mich in Bad Bramstedt beworben und eine Stelle bekommen. Das ging gleich voll zur Sache, ich hatte zwei achte Klassen mit 35 und 36 Schülern. Nach 20 Jahren war es dann Zeit für eine Veränderung. Ich habe mich gefragt: Will ich Studien- oder Schulleiter werden?

Sie haben sich offenbar für Schulleiter entschieden...
In Barmstedt war 2001 die Stelle für die Leitung der Chemnitzschule ausgeschrieben. Ich hatte die Anzeige zufällig gesehen und gedacht, bewirb dich mal. Tja, und dann haben sie mich genommen.

Was hat die Zeit in Barmstedt ausgemacht?
Die „Baumaßnahmen“, also der äußere und der pädagogische Um- und Ausbau. Ich fühlte mich manchmal wie Bernd, der Baumeister (lacht). 2001 bekam die Chemnitzschule einen Anbau, und in den Folgejahren wurden die Mensa gebaut und die Gebäude saniert. Dann kam die neue Sporthalle und zuletzt der Schulhof. Bis auf den Ärger mit der Sporthalle ist es gut gelaufen. Unterricht war immer möglich, und die Zeitpläne und die Finanzen wurden zwar anfangs gar nicht, später aber immer besser eingehalten.

2010 wurden die Chem-nitz-, die Geschwister-Scholl-Schule und die Hauptschule Hörnerkirchen zur Grund- und Gemeinschaftsschule umgewandelt. Sie wurden Rektor. Das klingt nach einer Mammutaufgabe...
Zumindest haben wir die Schule quasi einmal komplett umgekrempelt – nicht nur von außen, sondern auch das pädagogische Konzept. Es war ja zuerst die Frage, ob wir eine Regional- oder eine Gemeinschaftsschule werden sollen. Ich wollte immer die Gemeinschaftsschule, weil mir der integrative Ansatz gefällt. Es ist das demokratischste und gerechteste System. Aber es war ein gewaltiger Prozess, alle an der Entscheidung Beteiligten mitzunehmen und zu überzeugen. Am Ende war die Zustimmung fast einstimmig.

Sind die Schulen zusammengewachsen?
Auf jeden Fall. Die Unterschiede sind total verwischt, es gibt keine Vorbehalte nach dem Motto: Du bist Hauptschul- und ich Realschullehrer. Dazu haben wir auch Förderschul- und Gymnasiallehrkräfte. Wir haben viele Schritte in Richtung ,Teamplayer’ gemacht und uns zum großen Teil vom Lehrer als ,Einzelkämpfer’ verabschiedet. Auch vor der Klasse sind die Lehrer nur selten allein, meist ist noch jemand als Assistenz dabei. Alles in allem war es in  den vergangenen sieben Jahren ein unglaublicher Umbruch.

Was zeichnet die GGS aus?
Wir wollen eine integrative Schule für alle sein. Bis Klasse 7 gibt es zum Beispiel keine Noten. Meiner Meinung nach sind das Instrumente der Selektion. Sie können Schüler demotivieren, sorgen dafür, dass sie in „Schubladen“ gesteckt werden und geben nur wenig darüber Auskunft, was ein Schüler kann oder nicht kann – das wollen wir nicht. Außerdem führen die Lehrer in jedem Halbjahr mit allen Schülern und Eltern ein Gespräch, in dem die Beurteilungen begründet werden. Das ist sehr wichtig, und die Erfolge geben uns recht: Wir haben Schüler, die Integrationskinder waren und die Mittlere Reife schaffen. Ohne Abschluss geht bei uns kaum ein Schüler, mehr als 80 Prozent machen den Mittleren Schulabschluss. Wir sind eine der schönsten Schulen in Schleswig-Holstein mit einem tollen Kollegium und kompetenten, netten Mitarbeitern.

Warum gibt es an der GGS keine Oberstufe?
Das hatten wir überlegt, zumal wir jetzt wieder 70 Absolventen mit qualifiziertem Abschluss haben. Aber wir haben zu wenig Platz, und das mit dem Gymnasium zusammen zu machen – was meine Präferenz wäre –, braucht wohl noch ein wenig Zeit.

Apropos Zeit: Sie sind im Januar 65 geworden, hätten also schon eher aufhören können. Warum sind Sie noch geblieben?
Ich wollte jeden Jahrgang der GGS einmal miterleben. Demnach hätte ich schon 2016 aufhören können, aber da war der neue Pausenhof noch nicht fertig. Also habe ich noch ein Jahr drangehängt (lacht).

Und was kommt nun?
Darüber hatte ich bisher tatsächlich noch keine Zeit, mir Gedanken zu machen. Es fühlt sich an, als wenn man mit 180 in die Garage fährt. Zu kurz gekommen sind auf jeden Fall der Sport und das Trompetespielen. Außerdem wollen wir ein Haus bauen, das wird mich erstmal beschäftigen. Meine freie Zeit werde ich auch für meine Tochter, meine Freunde und meine Eltern nutzen, die in Lübeck leben.

Lebenslauf: Ein Lehrer mit Sinn für Umweltschutz, Musik und Sport

  • Bernd Poepping wurde 1952 in Lübeck geboren. Nach dem Abitur an der dortigen Oberschule zum Dom studierte er erst Chemie,später in Flensburg Chemie und Sport auf Lehramt. Sein Referendariat absolvierte er an der Realschule Nortorf.
  • 1980 wurde er Lehrer an der Realschule Bad Bramstedt, 2001 Leiter der Chemnitzschule Barmstedt. Seit der Gründung der Grund- und Gemeinschaftsschule war er dort ebenfalls Schulleiter.
  • In seiner Freizeit engagierte sich Poepping in seinem Wohnort Bad Bramstedt für die SPD in der Kommunalpolitik, unter anderem war er  stellvertretender Bürgervorsteher und Vorsitzender des Umweltausschusses.
  • Für die Umwelt setzte er sich auch als Lehrer ein: Er war Kreis- und Landesbeauftragter für Natur- und Umwelterziehung und arbeitete dafür zwei Jahre lang am Regionalen pädagogischen Umweltzentrum in Neumünster. „Den Schülern praktischen Umweltschutz nahe zu bringen, Pflanzen zu bestimmen und mit Tieren zu arbeiten, hat richtig viel Spaß gemacht“, sagt er. In seiner Freizeit fährt Poepping gern Rennrad, spielt Trompete und kocht leckere Menüs. Er lebt in Hitzhusen und hat eine Tochter (32).
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erstellt am 18.Jul.2017 | 16:00 Uhr

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