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Barmstedt : Gewerbe an der K18: Politik sagt Ja

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Stadtvertreter überstimmen den Bauausschuss und votieren für eine Fläche bei Lutzhorn. Bau einer Fischaufstiegshilfe kann starten.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 14:00 Uhr

Barmstedt | Die Barmstedter Stadtvertreter haben am Dienstag entscheidende Veränderungen auf den Weg gebracht: Durch Änderungen des Flächennutzungsplans sollen drei neue Wohn- und zwei Gewerbegebiete ausgewiesen werden. Außerdem soll am Rantzauer See ein Mäanderfischpass gebaut werden.

Die neuen Wohngebiete sollen westlich der Lutzhorner Landstraße, westlich der Brunnenstraße und westlich des Höllner Wegs entstehen. Das Gebiet an der Brunnenstraße stieß bei der Waldjugend auf Bedenken, die dort im alten Forsthaus ihre Unterkunft hat. „Das kann man sicher erhalten, ebenso wie die umstehenden Bäume“, sagte Fachamtsleiter Uwe Dieckmann dazu gestern auf Anfrage. Östlich der Lutzhorner Landstraße und nördlich des Friedhofs ist ein Gewerbegebiet geplant, wobei ein Waldstreifen als Abgrenzung zum Friedhof erhalten bleiben soll. Bis auf Jürgen Busse (SPD), der sich enthielt, und Claus-Peter Jessen (Grüne) stimmten alle den Veränderungen zu.

Umstrittener war die Ausweisung eines etwa 40 Hektar großen Gewerbegebiets südlich der Kreisstraße 18 (K18) bei Lutzhorn. Wie berichtet, hatte der Bauausschuss dieses Vorhaben abgelehnt. Die Stadtvertreter stimmten mehrheitlich zu (siehe Info-Kasten). „Wenn wir eine Chance haben wollen, unseren Haushalt in den Griff zu kriegen, brauchen wir Gewerbe. Nur Wohnbau bringt es nicht“, sagte Ernst-Reimer Sass (CDU). Obwohl noch nicht sicher sei, ob das Land dem Gebiet zustimmen werde – bislang steht die Landesplanung dem Vorhaben eher ablehnend gegenüber –, müsse die Stadt „ein Zeichen setzen, damit die Betriebe auf uns zukommen“, forderte er. „Und wenn das Land nicht zustimmt, sollen sie uns anders helfen.“ Das sah auch Peter Gottschalk (FWB) so. „Wenn man uns dieses Gebiet versagt, dann soll man uns auch sagen, wie wir sonst unser Defizit in den Griff kriegen sollen.“ Daher gelte es, „das Gebiet jetzt zu entwickeln und den Pflock einzuschlagen“. Wegen der Nähe zur A  20 werde sich die Fläche „positiv entwickeln“, gab er sich überzeugt. Auch eine Zersiedelung der Landschaft könne er nicht erkennen. „Die Fläche liegt dicht an Lutzhorn, wo auch Häuser stehen.“

Die Gegner lehnen das Gebiet vor allem wegen seiner Lage ab. „Das ist eine Zersiedelung der Landschaft“, sagten Annette Bremer-Wilms (SPD) und Marina Quoirin-Nebel (Grüne). Außerdem sei unklar, ob zum Beispiel die Meierei jemals dorthin umsiedeln würde. „Das halte ich für eine Illusion“, sagte Bremer-Wilms. Darüber hinaus könne man den Flächennutzungsplan auch dann noch ändern, wenn es soweit kommen sollte, sagte Quoirin-Nebel. „Im Moment sehe ich die Notwendigkeit nicht.“ Auch Axel Schmidt (FWB) riet zum Abwarten. „Bisher gibt es keine positiven Äußerungen. Das wird kein Selbstgänger sein und würde uns im Zweifel unnötig viel Zeit und Energie kosten.“ Außerdem sei die Fläche ein Schutzgebiet für Grund- und Quellwasser „und wäre auch von der A20 zu weit entfernt“.

Für die Ausweisung einer Gewerbefläche an der K18 sprachen sich zehn der 16 anwesenden Stadtvertreter aus: vier CDU-, drei SPD-, zwei FWB- und ein Grünen-Politiker. Sechs Stadtvertreter – zwei FWB-, zwei BALL- und jeweils ein Vertreter von SPD und Grünen – lehnten das Gewerbegebiet ab.

Für ihn gebe es zu dem Gebiet keine Alternative, sagte Hans-Christian Hansen (SPD). „Und wenn wir nur gucken, was möglich ist, kommen wir nicht weiter.“ Auch Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos) begrüßte die Entscheidung. „Es ist ein guter Schritt in die richtige Richtung“, sagte sie gestern. Allerdings sei es „zunächst mal nur eine Absichtserklärung“.

Als nächstes müssten die Träger öffentlicher Belange – etwa die Regionalplanung und die Untere Naturschutzbehörde – ihre Stellungnahmen abgeben, sagte Fachamtsleiter Uwe Dieckmann. „Dann werden wir das alles abwägen und dann entscheiden, ob wir die Sache weiterverfolgen wollen.“ An Lutzhorn würde es jedenfalls nicht scheitern, wie Döpke berichtete. „Sie kennen unsere Pläne und sind damit einverstanden.“

Mit dem Beschluss für den Bau einer Fischaufstiegshilfe in der Krückau beendeten die Politiker ein anderes lang umstrittenes Thema. Sie entschieden mit knapper Mehrheit, neben der bestehenden Fischtreppe in der Schleusenkuhle einen sogenannten Mäanderfischpass zu bauen. Sollte das Projekt mit 90 Prozent gefördert werden – wovon die Verwaltung ausgeht –, kostet der Bau die Stadt etwa 50.000 Euro.

Die Lösung sei zwar nicht optimal, aber die einzige, die umsetzbar sei, erklärten die Befürworter von CDU, BALL und SPD. „Mit einer Sohlgleite hätten wir das Hochwasserproblem eher in den Griff bekommen“, sagte Sass. Die FWB – die ebenfalls lange für die Sohlgleite gekämpft hatte – enthielt sich, „weil es nicht das ist, was wir wollen“, wie Gottschalk erklärte. Um eine Sohlgleite bauen zu können, hätte die Stadt ein Grundstück kaufen müssen mit der Bedingung, den jetzigen Eigentümern einen befahrbaren Übergang zum Spitzerfurth zu schaffen, sagte Dieckmann. „Das hätte den Bau einer zwölf Meter langen, befestigten Brücke bedeutet.“ Da die Kosten dafür exorbitant hoch gewesen wären, „haben wir das nicht ernsthaft in Erwägung gezogen“.

Wenn möglich, soll der Bau des Mäanderpasses noch in diesem Jahr begonnen und eventuell sogar vollendet werden, sagte Dieckmann. Vorher werde es aber noch eine Bürgerbeteiligung geben. „Die bereiten wir zeitnah vor“, betonte Döpke – die froh ist, „dass das Projekt jetzt weiterläuft. Ich möchte da endlich mal einen Schlussstrich drunter ziehen.“

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