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Barmstedt/Hemdingen : „Getreide wird richtig totgespritzt“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Torsten Fehre aus Hemdingen informierte über seinen biologischen Gemüseanbau. Mitstreiter für Solidarhof werden gesucht.

shz.de von
erstellt am 23.Nov.2015 | 00:32 Uhr

Barmstedt/Hemdingen | Sein Herz schlägt für den ökologischen Anbau: Der Hemdinger Torsten Fehre hat vor Kurzem auf Einladung des Nabu Barmstedt über seine Erfahrungen im ökologischen Gemüseanbua berichtet. Zahlreiche Gäste waren dazu in das Restaurant „Zum Bootssteg“ am Rantzauer See gekommen. Fehre ist Gärtner aus Leidenschaft. Geboren 1975, wuchs er in der Hemdinger Heide auf dem Hof seiner Eltern auf, die eine Zierpflanzengärtnerei betrieben. Nach seiner Ausbildung zum Baumschulgärtner sammelte er Erfahrungen im ökologischen Landbau und besuchte die Meisterschule in Heidelberg. 2007 kam er zurück nach Hemdingen und baute den elterlichen Hof, den er „Karotte & Co“ taufte, zum Biohof um.

„Meine Vision ist es, einen vielfältigen Betrieb zu führen“, sagte Fehre. Er baue zahlreiche Gemüsearten an – von Tomaten über Gurken, Salate, Mais bis zu rotem Mangold. „Die Frische ist ganz entscheidend. Salat hat nur alle Inhaltsstoffe, wenn er frisch geerntet ist“, so der Bio-Gärtner. Zu Beginn seines Vortrags reichte er den Besuchern eine Schale mit frischem Kohlrabi. Dabei erläuterte er den Unterschied zwischen Bio- und konventionellem Anbau. In Europa würden pro Jahr bis zu 140  000 Tonnen Pestizide verwendet und dadurch zwangsläufig in der Nahrungskette des Menschen landen, so Fehre. „Getreide wird vor der Ernte richtig totgespritzt. So spart die Industrie an Trocknungskosten.“

Anhand von Fotos zeigte der Hemdinger, wie der ökologische Anbau bei ihm funktioniert. Mohn, Ringelblumen, Kamille, Lavendel und viele weitere Pflanzen locken heimische Nützlinge ins Gewächshaus. „Die Flor- und Schwebfliegen sind auf die Pollen angewiesen, und die Larven fressen die Blattläuse“, so Fehre. Als Dünger benutzt er Kleegras. Gern würde er Tierdung nehmen, da die Bodenbakterien den Stickstoff und Kohlenstoff optimal umsetzen könnten. Aber da er selbst keine Tiere halte, sei es schwer für ihn, an derartigen Dünger heranzukommen. Fehre liegt besonders die Ernährungssicherheit am Herzen. Wie baue ich Pflanzen an? Wie sammle ich Saatgut ein? „Es ist wichtig, dass uns das Überlebenswissen nicht verloren geht“, sagte er.

Fehre möchte seinen Hof zum Erlebnis machen und strebt eine solidarische Landwirtschaft an. Der Hof ernähre die Menschen, und alle würden sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte teilen. Bei diesem Prinzip finanziere sich die gesamte Landwirtschaft und nicht das einzelne Lebensmittel. Zusätzliche Kosten für Vermarktung und Transport würden wegfallen und weniger Lebensmittel verschwendet. Zur Gründung eines Solidarhofs sucht der Gärtner Bürger, die seine Idee mit unterstützen wollen.

„Wir wünschen uns, dass unsere Gäste das umsetzen können, was sie heute gehört haben. Es muss weltweit ein Gegenwind entstehen“, Barmstedts Nabu-Chef Hans-Peter Lohmann. Interessierte können sich per E-Mail bei Fehre unter torsten@karotteundco.de melden.

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