Gesundes Essen: Wie kann Politik helfen?

Diskutierten über gesunde Ernährung: Beate Raudies (von links), Wilfried Schümann, Ernst Dieter Rossmann, Karin Thissen und Ulrich Konkel.
Diskutierten über gesunde Ernährung: Beate Raudies (von links), Wilfried Schümann, Ernst Dieter Rossmann, Karin Thissen und Ulrich Konkel.

Nordgespräch: Abgeordnete und Landwirte diskutieren in Westerhorn

shz.de von
10. Juli 2015, 16:00 Uhr

„Gesunde Ernährung – was kann die Politik tun?“ Unter diesem Motto stand das jüngste Nordgespräch, zu dem die SPD-Ortsvereine Westerhorn und Hörnerkirchen zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann in den Westerhorner Lindenhof geladen hatten. Rede und Antwort standen neben Rossmann seine Bundestagskollegin Karin Thissen, der Bio-Bauer Wilfried Schümann und die SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies. Die Moderation des Abends übernahm Hörnerkirchens stellvertretender Bürgermeister Ulrich Konkel.

Rossmann betonte, dass sich die Krankheitsbilder in unserer modernen Gesellschaft spürbar verändern würden. Ein wichtiger Faktor sei eine falsche Ernährung. Viel Fett und falsche Bewegung würden nicht nur Diabetes und Übergewicht in die Hände spielen. Das Gegensteuern müsse möglichst schon im Kindergarten anfangen. Auch die gelernte Tierärztin Thissen unterstrich, dass man „richtige Ernährung lernen muss“. Gesunde Ernährung bedeute vor allem ausgewogene Ernährung. Doch gerade dieser Punkt werde von vielen Menschen nicht beachtet. Aktuell würde jeder Deutsche im Schnitt bei seinen Mahlzeiten 30 Prozent Fett zu sich nehmen, 45 bis 50 Prozent Kohlenhydrate, sowie 20 bis 25 Prozent Protein. Vor allem Fleisch komme viel zu oft auf die heimischen Tische. „Wir brauchen Fleisch und Fett“, so Thissen – aber in Maßen.


„Gefährliche Giftstoffe verbieten“


Landwirt Schümann vom Demeter-Hof in Brande-Hörnerkirchen wies auf die Bedeutung der Herstellung von Lebensmitteln hin. Diese sei nur dann gut, wenn sie auch nachhaltig sei. Und die Tiere müssten bis zu ihrer Schlachtung ein lebenswertes Leben führen dürfen. Die Politik forderte Schümann auf, gefährliche Giftstoffe für die Landwirtschaft zu verbieten und die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln auf den Verpackungen für den Verbraucher nachvollziehbar zu kennzeichnen. Beate Raudies betonte, dass hochwertige Lebensmittel ihren Preis hätten und forderte die Verbraucher auf, bewusster einzukaufen.

Was kann die Politik noch für eine gesunde Ernährung tun? Thissen regte an, irreführende Werbung einzudämmen und die Bio-Landwirtschaft zu fördern. Raudies forderte „Aufklärung und Bewusstsein schaffen“ an. Ein Punkt, den auch Schümann für wichtig hält: „Wir hinterfragen nicht mehr, was wir machen, sondern nur noch, wie wir so weitermachen können.“ In anderen Industrieländern seien beispielsweise die in Deutschland immer beliebteren Fertiggerichte verpönt.

Rossmann stellte die Frage, ob die Politik die Süßigkeitsregale an den Supermarktkassen verbieten sollte. Eine Idee, die Hökis SPD-Ortschef Werner Harms strikt ablehnt. Irgendwann gebe es so viele Verbote, dass niemand mehr durchblicke. Viel wichtiger sei es, eine gesunde Esskultur zu entwickeln. Da etliche Eltern damit überfordert seien, müssten Kindergärten und Schulen in die Bresche springen.“

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