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Interaktive Karte : Geschwindigkeitsmessgeräte in der Region Barmstedt

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Verkehrspsychologin: Den größten Effekt erzielen die Messgeräte, wenn sie immer wieder überraschend an neuen Orten aufgehängt werden.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2015 | 06:00 Uhr

Barmstedt | Hörnerkirchen hat eins, in Barmstedt hängen zwei und die Gemeinde Bevern hat vor Kurzem mit Hilfe von Spenden sogar drei angeschafft: An immer mehr Straßen in den Amtsbezirken Rantzau und Hörnerkirchen sowie der Stadt Barmstedt hängen Geschwindigkeitsmessgeräte, die per Anzeigetafel die Autofahrer über ihre aktuelle Geschwindigkeit informieren. Sind sie zu schnell, blinkt ein unglücklicher Smiley. Aufgehängt werden die Geräte meistens dort, wo viele Kinder und Jugendliche unterwegs sind – wie vor Kindergärten oder Schulen. Doch wie wirksam sind die Geräte? Stadt, Kreis, Polizei, eine Verkehrspsychologin und Gemeindevertreter sind sich in dieser Hinsicht einig.

Laut Verkehrspsychologin Kerstin Maess aus Kiel haben die Messgeräte einen Effekt auf die Autofahrer. „Sie wirken besonders dann, wenn sie überraschend an neuen Stellen aufgehängt werden“, sagt sie. Der plötzlich aufleuchtende Smiley samt Geschwindigkeitsangabe zeige den zu schnellen Autofahrern: „Oh, du machst es jetzt gerade falsch. Das ist eine ganz klare Ansage, und ich bekomme auch noch ein Gesicht dazu.“ Die Tafeln würden daher mehr bringen als die Zeichen und Schilder, „die wir alle kennen“. Der pädagogische Effekt sei auch deshalb hoch, weil es sich um eine freiwillige Regulation handle, wenn der Autofahrer seine Geschwindigkeit reduziere.

Mobile Messgeräte gibt es im Amtsbezirk Rantzau unter anderem in Bevern, im Bereich der Grundschule Hemdingen und in Ellerhoop. „Wenn man die Tafel pausenlos irgendwo hängen hat, schauen die Leute nicht mehr darauf“, sagt auch Harm Ladiges, Vorsitzender des Ellerhooper Ausschusses für Straßen, Wege, Umwelt und Landschaftspflege. In Ellerhoop werde das Gerät daher nach Bedarf und auch auf Anfrage von Bürgern aufgestellt.

Hänge das Messgeräte länger am selben Ort, könne der Effekt wieder verloren gehen, gibt Maess zu bedenken. „Ein Autofahrer wird sich weniger davon beeinflussen lassen, wenn er mitbekommt: Es ist immer so. Man gewöhnt sich daran.“ Dennoch gebe es auch eine gewisse Langzeitwirkung: „Es wird die geben, die langfristig vom Gas gehen“, sagt Maess. „Und dann gibt es die, die sowieso immer über dem Geschwindigkeitslimit liegen.“

Ein langfristiger Effekt sei zum Beispiel in Barmstedt zu beobachten, berichtet Stadtsprecher Wolfgang Heins. „Bei den fest installierten Geräten haben wir ausgezeichnete Erfahrungen gemacht“, sagt er. „Im Bereich des Gymnasiums konnten die teils erheblichen Geschwindigkeitsüberschreitungen um etwa zehn Prozent gesenkt werden“, so der Stadtsprecher.

Auch der Kreis Pinneberg ist von den Messgeräten überzeugt und unterstützt die Kommunen bei ihren Vorhaben. „Die Aufstellung von Geschwindigkeitsmesstafeln durch die Kommunen wird von uns sehr befürwortet“, sagt Pressesprecher Oliver Carstens. „Die Verkehrsteilnehmer bekommen unmittelbar eine Rückmeldung über ihre aktuelle Geschwindigkeit, und im Hintergrund werden die Messwerte anonym erfasst, so dass eine Auswertung und Bewertung der tatsächlichen Geschwindigkeitsüberschreitungen erfolgen kann.“ Ferner freue sich der Kreis darüber, wenn die Kommunen dem Kreis diese Ergebnisse mitteilen, „damit wir daraus gegebenenfalls weitere verkehrsrechtliche Schritte ableiten können“. Dazu zähle zum Beispiel das Anordnen von Geschwindigkeitsbeschränkungen. „Das führt insgesamt zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit auf unseren Straßen“, so Carstens.

Ähnlich wie die Verkehrspsychologin sieht auch die Polizei die Wirkung der Messgeräte. „Ich sehe für eine gewisse Zeit einen präventiven Charakter, aber irgendwann stumpft es ab“, sagt Barmstedts Polizeichef Peter Kroll. Dann könne man das Messgerät an einem neuen Ort aufhängen. Das Ganze sei aber differenziert zu betrachten. Im Zusammenspiel mit präventiven und ab und zu auch repressiven Maßnahmen – wie Geschwindigkeitskontrollen der Polizei – gebe es ebenfalls eine Wirkung, die auch länger anhalte. „Als Polizei können wir das nur begrüßen“, sagt Kroll über die Messgeräte – denn aufgrund der vielen Aufgaben der Polizei sei es nicht möglich, rund um die Uhr an Schulen oder Kindergärten zu stehen.

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