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Umstrittene Fördermethode : Gemeinsam gegen Fracking

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Amt Rantzau: Mehrere Bürgermeister sprechen sich für koordiniertes Vorgehen gegen die umstrittene Bergbaumethode aus.

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2014 | 16:00 Uhr

Im niedersächsischen Bötersen (Landkreis Rotenburg/Wümme) will der Energiekonzern Exxon Mobil bald ernst machen: Nach Angaben der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung plant das Unternehmen, unter hohem Druck Chemikalien in den Boden zu spritzen, um an im Gestein lagernde Erdgasvorkommen zu gelangen (siehe Info-Kasten). Die Methode ist hoch umstritten. Bürgerinitiativen vor Ort sorgen sich vor allem um das Grundwasser.

Noch keine Eingriffe in den Boden

Auch im Amtsbezirk Rantzau könnte in den nächsten Jahren gefrackt werden: Die Region liegt in den Aufsuchungsfeldern Bramstedt und Elmshorn (siehe Karte). Das für Schleswig-Holstein zuständige Landesamt für Bergbau in Clausthal-Zellerfeld hatte vor Kurzem der Firma PRD Energy GmbH die Genehmigung erteilt, im Großraum Elmshorn erste Erkundungen anzustellen. Damit sichern sich die Unternehmen aber lediglich ihre Claims, um dort später möglicherweise nach Öl und Gas zu bohren. „Damit ist allerdings weder Bohren noch ein anderer Eingriff in den Boden verbunden“, sagt Nicola Kabel, Sprecherin des Kieler Umweltministeriums.

Im Amtsbezirk Rantzau hat sich mit Bokholt-Hanredder jetzt eine der ersten Gemeinden mit einer Resolution gegen das Fracking ausgesprochen. Die Gemeindevertretung verabschiedete vor Kurzem einstimmig einen entsprechenden Antrag der Freien Wählergemeinschaft. Darin fordert die Gemeindevertretung die Landes- und Bundesregierung sowie die Europäische Union unter anderem dazu auf, sich für ein sofortiges, ausnahmsloses Verbot sämtlicher Formen von Fracking bei der Erforschung, Aufsuchung und Gewinnung fossiler Energieträger einzusetzen. Andere Amtsgemeinden haben sich bislang ebenfalls mit dem Thema beschäftigt. Mehrere Bürgermeister sprechen sich für eine koordinierte Resolution über das Amt Rantzau aus.

„Die Informationspolitik des Landes und des Kreises zu dem Thema war sehr schlecht“, so Bokholt-Hanredders Bürgermeister Wolfgang Mohr (CDU) zum Hintergrund der Resolution. Kurze Zeit später habe es jedoch – unabhängig von dem Beschluss – eine Nachricht der Kreisbehörden gegeben. „Sie haben uns geschrieben: Sobald eine Gemeinde großflächig mitbetroffen ist, wird sie informiert.“ Mohr hofft, dass die Resolution für andere Orte in der Region ein Signal ist: „Wir wollten anderen Gemeinden damit sensibilisieren, so dass sie über das Thema nachdenken.“

Heede will sich gegen Fracking wehren

In Barmstedt werde eine Resolution vorbereitet, teilte Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos) mit. Im Umweltausschuss Ende Oktober hatte die FWB dort ihren Entwurf für eine Resolution vorgestellt. Auch die Gemeindevertretung Heede hat sich bereits mit dem Thema auseinander gesetzt. „Wir haben Möglichkeiten ausgelotet, uns dagegen zu wehren“, sagt Bürgermeister Reimer Offermann (FWG). Die Gemeinde wolle sich der Verlautbarung des Kreises Pinneberg anschließen, die unter anderem sämtliche Risiken des Frackings auflistet. Offermann betont, dass es wichtig sei, sich überhaupt gegen Fracking zu wehren. Das gesamte Verfahren sei mit hohen Risiken verbunden, die beteiligten Firmen wären alles andere als am Wohl der Gemeinden interessiert: Ihnen gehe es nur um Profitmaximierung.

Laut Bürgermeister Hans-Detlef Fuhlendorf (BWG) hat sich das Langelner Kommunalparlament noch nicht mit dem Thema Fracking befasst. „Wir werden aber auf jeden Fall dagegen angehen – und zwar mit dem Amt Rantzau und nach Möglichkeit auch mit anderen Ämtern.“ Das Vorgehen der Gemeinde Bokholt-Hanredder bewertet er positiv: Es sei gut, wenn jemand in dieser Angelegenheit vorpresche.

Wie Langeln, hat sich auch Bevern noch nicht mit dem Thema Fracking beschäftigt. Eine Resolution dagegen, wie sie Bokholt-Hanredder verfasst hat, findet Bürgermeister Johann Hachmann (BWB) grundsätzlich gut. „Es gibt sehr viel Ungewisses in dem Bereich. Man weiß nicht, was da letztendlich in die Erde gepumpt wird. Wir sind äußerst skeptisch“, stellt er fest. „Vielleicht wird etwas auf Amtsebene getan.“

Lutzhorn: Kräfte über das Amt bündeln

Lutzhorns Bürgermeister Hans-Jürgen Kublun (FWG) betont, dass man das Thema im Auge behalten müsse. Er spricht sich dafür aus, Kräfte über das Amt zu bündeln: „Als Gemeinde allein ist das sehr schwer“, so der Bürgermeister. Gerade die Eigenbrunnen und das Trinkwasser seien ein Gut, „das wir schützen müssen. Wir müssen uns im Amt absprechen, um eine gemeinsame Resolution zu schaffen.“

Hemdingens Bürgermeister Hans-Hermann Sass (HWG) berichtet, die Gemeindevertretung habe sich mit dem Thema Fracking noch nicht weiter befasst. „Man braucht belastbare Daten“. Groß Offenseth-Aspern habe sich hingegen mit der Thematik bereits auseinander gesetzt, so Bürgermeister Werner Schlüter (FWG). Beschlüsse seien aber keine gefasst worden. „Derzeit werden nur Claims abgesteckt, es passiert noch nichts.“ Auch er spricht sich dafür aus, im Amt eine gemeinsame Resolution zu verfassen. „Wir können gemeinsam etwas anstoßen. Jeder gemeinsamen Resolution gegen das Fracking würden wir uns jederzeit anschließen.“

Auch in Bullenkuhlen ist hinsichtlich des Themas nichts weiter geplant. „Ich denke, wir haben noch zu wenig Material, um uns damit zu befassen. Aber es könnte durchaus ein Thema in diesem Jahr werden“, sagt Bürgermeister und Amtsvorsteher Willi Hachmann (BWB). Dasselbe gelte für das Amt Rantzau: „Es ist im Amtsausschuss angesprochen worden, aber es war zu diesem Zeitpunkt noch alles sehr weit weg“, so Hachmann.

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