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Kulturschusterei in Barmstedt : Gelungene Premiere von „Der Gott des Gemetzels“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Das Publikum war von der Komödie von Yasmina Reza begeistert. Nächste Aufführung am 22. Oktober.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Barmstedt | Wenn die dünne Schicht des zivilen Verhaltens bröckelt, eskalieren die Aggressionen. Das erlebten etwa 80 Zuschauer am Freitagabend während der Premiere von „Der Gott des Gemetzels“. Das Ensemble „Theater Barmstedt im Kino“ führte das Stück unter der Regie von Dieter Meyn in der Kulturschusterei auf. Das Publikum war von der Komödie von Yasmina Reza begeistert. Die Kurve von der anfänglich gebildeten Vornehmheit bis zum handfesten Streit mit unangenehmen Wahrheiten und Schwachstellen der einzelnen Personen spielten die vier Akteure deutlich heraus.

Die Handlung: Der Sohn des Ehepaars Véronique (Gislinde Zietlow) und Michel (Dieter Meyn) ist von dem Sohn des Paares Annette (Sina Strunk) und Alain (Stephan Kirchner) auf dem Schulhof verprügelt worden und hat dabei zwei Zähne verloren. Die Paare signalisieren zunächst gegenseitiges Verständnis und betreiben kultivierte Konversation. Mit gekonnter Mimik verkörpert Zietlow die sozialkritische und kunstbeflissene Person. Meyn steht mit seiner vornehmen Zurückhaltung dem in nichts nach. Köstlich auch die Arroganz und Wichtigtuerei von Kirchner. Als Anwalt eines Pharmakonzerns versucht er lautstark am Handy, einen Medikamenten-Skandal eines Unternehmens herunterzuspielen. Wunderbar auch Strunk, die die kühle und gebildete Ehefrau spielt.

Als die Stimmung mit zunehmendem Alkoholgenuss kippt, wird Annette schlecht, und sie spuckt auf Veroniques wertvollen Bildband, was diese die Fassung verlieren lässt. In wechselnden Konstellationen verbünden sich Männer gegen Frauen, Paar gegen Paar, und die Paare bekriegen sich untereinander. „Die schlimmste Prüfung ist die Ehe“, sind sich die Männer einig. Annette beklagt ihre Ehe als Hölle. „Unser Leben wird von Deinem Handy zerhackt“, schleudert sie ihrem Mann entgegen und versenkt das Gerät in der Blumenvase. „Mein Mann ist mitttelmäßig“, klagt Veronique und sagt später zu ihm: „Halt’s Maul, ich könnte dich umbringen.“ Michel nennt Alain ein „kleines Arschloch“, der erwidert „winselnde Schwuchtel“. Er habe schon immer gewusst, dass es einen Gott des Gemetzels gibt, so Alain zum Schluss. Der Applaus war lang und kräftig. „Bei aller Schwere hat das Stück erfrischenden Witz, ist aber erschreckend realistisch“, meinte eine Zuschauerin.

Weitere Veranstaltungen sind  jeweils donnerstags am 22. Oktober, 5. November und 19. November geplant. Im Dezember gibt es Aufführungen am Freitag, 4. Dezember, und Freitag, 18. Dezember. Beginn ist immer um 20 Uhr.
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