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Barmstedter Meierei : Gas: Wehren eine Nacht im Einsatz

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

In der Barmstedter Meierei tritt Ammoniak aus. Laut Stadtverwaltung war es der erste Vorfall dieser Art.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2017 | 16:00 Uhr

Barmstedt | Es ist 23.46 Uhr am Donnerstag, als bei der Einsatzleitstelle in Elmshorn der Alarm eingeht: Mitarbeiter der Meierei Barmstedt melden einen Ammoniak-Austritt. Sofort schickt die Leitstelle die Feuerwehr Barmstedt, eine Einheit des ABC-Dienstes/ Löschzug Gefahrgut (LZG) des Kreises Pinneberg sowie Rettungssanitäter und einen Notarzt zu dem Betrieb an der Mühlenstraße. Die Einsatzkräfte evakuieren die Produktionsräume, in denen sich 19 Mitarbeiter aufhalten. „Wir haben sie in die Kantine gebracht, die sich im Verwaltungsgebäude befindet“, sagte Einsatzleiter Arne Dencker gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wie weitere Einsatzkräfte – die nur unter Atemschutz arbeiten können – feststellen, ist in einem 20 Quadratmeter großen Raum flüssiges Ammoniak ausgetreten. Der Wind treibt die Gaswolke in Richtung des Wohngebiets Stettiner Straße/Krützkamp. Auf Veranlassung von Polizei und Feuerwehr werden die Bürger über Radiodurchsagen und soziale Medien aufgefordert, Fenster, Türen und Lüftungsanlagen vorsorglich geschlossen zu halten.

Vor dem Meierei-Gelände, das die Feuerwehr zwischenzeitlich abgesperrt hat, finden sich immer wieder Schaulustige ein, und in den sozialen Medien überschlagen sich die Kommentare; zahlreiche Nutzer erkundigen sich bereits nach wenigen Minuten nach dem laufenden Einsatz. Um die Bürger über die aktuelle Situation auf dem Laufenden zu halten, ist der Kreisfeuerwehrverband ebenfalls auf den Plattformen aktiv, informiert dort in regelmäßigen Abständen und geht auf die Fragen der Nutzer ein. Dass es keine größere Unruhe gibt, erklärt Wehrführer Uwe Schinkel, der den Einsatz von der Feuerwache aus koordiniert, auch mit der späten Uhrzeit. „Viele werden schon geschlafen haben“, sagte er gestern. Allerdings könne der Unfall „wieder die Diskussion darüber anfachen, ob die Meierei umgesiedelt werden soll“.

Während Einsatzkräfte in Chemieschutzanzügen den Ammoniak-Austritt stoppen, misst der ABC-Dienst im betroffenen Wohngebiet mehrfach die Ammoniak-Werte. „Der Geruch war deutlich wahrnehmbar, aber die Messwerte lagen immer unterhalb einer gesundheitsgefährdenden Schwelle“, berichtete Kreisfeuerwehrsprecher Michael Bunk. Auf dem Betriebsgelände bemühen sich die Einsatzkräfte unterdessen, die Gebäude zu belüften. „Das war das Aufwändigste, weil das Gas überall reinzog“, sagte Dencker. Gegen 2 Uhr wird die Feuerwehr aus Groß Offenseth-Aspern alarmiert, weil die Einsatzkräfte nur unter Atemschutz arbeiten können. Vorsorglich bauen die Brandbekämpfer auch eine Wasserversorgung und einen Schaumangriff auf. „Beides war aber nicht mehr nötig, weil das Gas abzog“, so Dencker.

Schon während des Einsatzes gibt die Feuerwehr Teile der Produktion in nicht mehr betroffenen Bereichen wieder frei. „Sonst wäre der Schaden erheblich größer gewesen“, erklärte Dencker. Die Polizei, die die Mühlenstraße zwischen Galgenberg und Gebrüderstraße abgesperrt hat, kann gegen 2 Uhr abrücken. Für die 30 Kräfte der Feuerwehr Barmstedt, die mit allen acht Fahrzeugen vor Ort sind, dauert der Einsatz bis 6.40 Uhr.

Verletzt wird niemand. Die Ursache und Schadenshöhe waren gestern noch unklar. Meierei-Geschäftsführer Dirk Rowedder war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Schinkel lobte die Zusammenarbeit aller beteiligten Kräfte. „Wir haben einen derartigen Schadensfall wegen der Gefahrstoffe aber auch oft geübt und waren darauf vorbereitet“, sagte er. Fachamtsleiter Uwe Dieckmann erklärte, es sei der erste Vorfall dieser Art in Barmstedt gewesen. Die Verwaltung sei am Freitagmorgen von der Feuerwehr über den Einsatz informiert worden. „Wir haben die Informationen an das zuständige Landesbehörde weitergeleitet, damit so etwas möglichst nicht noch einmal passiert.“

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